Na denn, machen wir mal Urlaub…

IMG_5211 WellenkupplungWir sind sowas von froh darüber, dass gestern früh morgens Nebel über Saint-Gilles-Croix-de-Vie hing. Das hat nämlich dazu geführt, dass wir unseren ursprünglichen Plan, nach Maumusson zu fahren und dort vor Anker zu gehen, verworfen haben. Warum wir so froh darüber sind, erfahrt ihr weiter unten.

Also haben wir uns erstmal noch ein Stündchen aufs Ohr gelegt und am späten Vormittag, als es so langsam aufklarte, eine neue, kürzere Etappe geplant. Es sollte nach Bourgenay gehen. Da wir absolut keinen Wind hatten, sind wir die 22 Seemeilen bei minimaler Dünung und spiegelglattem Wasser unter Maschine gefahren. Der Autopilot konnte seine Stärken diesmal nicht ganz ausspielen. Wir mussten wegen unzähliger Fischernetze immer wieder aus dem Trackmodus in den Kompassmodus wechseln und den Kurs korrigieren. Soviele Netze wie hier, sind uns bisher noch nie begegnet. Bei Nacht kann man diese Strecke vergessen, oder müsste zumindest weit raus auf See fahren.
Nachdem wir die Untiefe „Petite Barge“ hinter uns gelassen hatten, kam er so langsam in Sichtweite. Für Segler einer der Orte, die Gänsehaut auslösen. Les Sables-d’Olonne! Hier ist der Start- und Zielhafen der härtesten Segelregatta der Welt, der Vendée Globe. Alle 4 Jahre starten die Teilnehmer mit Booten der „Open 60“ Klasse zu DEM Rennen um die Welt. Einhand, Nonstop, ohne fremde Hilfe, mehr als 24.000 Seemeilen! Die Wegpunkte lesen sich betäubend:

– Les Sables d’Olonne
– Kanarische Inseln an Steuerbord
– Kap der Guten Hoffnung an Backbord
– Antarktis an Steuerbord
– Heard Island an Steuerbord
– 50°S 090°O an Steuerbord
– 57°S 180°O an Steuerbord
– 57°S 120°W an Steuerbord
– 57°S 067°W an Steuerbord
– Kap Hoorn an Backbord
– Les Sables d’Olonne

Für uns kaum vorstellbar, wie ein Mensch allein das schaffen kann.

Irgendwann sind wir dann nach Bourgenay abgebogen. Den ersten Anleger haben wir am langen Gästesteg gemacht. Uns kam gleich eine Hafenmitarbeiterin entgegen und hat uns eine Box zugeteilt, bevor wir fragen konnten. Also nochmal kurz Leinen los, eingekuppelt und den Bug in Richtung Ponton G ausgerichtet. Die richtige Box haben wir nicht auf Anhieb gefunden, die Plaketten sind hier nicht vor Kopf, sondern flach auf den Steg geklebt. Also einmal kurz ausgekuppelt, rückwärts eingekuppelt, Gas gegeben… *Peng!*
Schlagartig war der Schub weg. Uns kam zugute, dass wir vor einem Anleger immer alle 6 Klampen mit Leinen vorbereitet haben und beidseitig Fender raushängen. Unser Bootshaken hatte auch zum ersten Mal seine Daseinsberechtigung. Die Mitarbeiterin des Hafens hat auch noch mit geholfen und so hatten wir Eos recht fix um die anderen Boote herum in die richtige Box gezogen. Fremdberührung gab es nicht. Also erstmal alles gut.
Nachdem Eos ordentlich fest war, hat ein erster Blick in den Maschinenraum ergeben, dass sich die Wellenkupplung zwischen Getriebe und Propellerwelle zerlegt hat. Während ich mich an den Ausbau gemacht habe, hat Sabrina schonmal in Erfahrung gebracht, wo wir evtl. ein Ersatzteil bekommen können. Beide Läden hatten allerdings schon geschlossen. Also wird das vor Montag nix.
Ich bin so froh, dass wir vom Vorbesitzer so eine umfangreiche Dokumentation von Eos bekommen haben. Auf dem Bauteil selbst ist keine Bezeichnung erkennbar, aber in den Dokumenten hab ich das Datenblatt zur Kupplung gefunden. Wir brauchen eine Centa CF-M-127-K-3.3-25 für das ZF-BW7 Getriebe an unserem Bukh. Ich hoffe, man kann das hier für uns bestellen und dass unsere Bordkasse nicht dabei ausblutet.

Wir sind froh darüber, dass es hier in Bourgenay passiert ist. Wäre der Tag wie zuerst geplant verlaufen, hätte sich die Wellenkupplung im Ankergebiet Maumusson verabschiedet. Und zwar genau dann, wenn ich den Anker in den Grund hätte einfahren wollen.
Also werden wir uns jetzt etwas hier einnisten. Der Hafen ist wunderschön, die sanitären Einrichtungen top, die Menschen freundlich, die Umgebung genau das richtige für uns. Viele Wanderwege, freie Sicht auf den Nachthimmel und einen Fluss haben wir auch schon erspäht.
Der Liegeplatz ist der günstigste seit Hellevoetsluis in Holland.

Danke liebe Wellenkupplung, dass du uns genau hier um die Ohren geflogen bist. :-)

P.S.: Gestern Abend hat unsere Trinkwasserpumpe sich dazu entschlossen, dass sie jetzt ein Blinker ist. Geht… geht nicht… geht… geht nicht…
Das gute Stück ist erst ein Jahr alt.
Ich glaube, jetzt werden wir so langsam richtige Langfahrer. Wir haben des öfteren bei anderen Langfahrern gelesen, dass Weltumsegeln „reparieren an den schönsten Orten der Welt“ ist.

Kommentare sind geschlossen