Jakobsweg – Tag 1

Jakobsweg – Tag 1
Tagesetappe: 21 Kilometer / Gesamtstrecke: 21 Kilometer

IMG_20150923_121603-1024x768Spät am morgen ist es soweit. Nachdem wir ein letztes Mal alles kontrolliert und abgeschaltet haben, verlassen wir Eos.
Wir sind voller Vorfreude auf das, was vor uns liegt. Anspannung ist natürlich auch dabei. Schließlich verlassen wir unsere heimeliche Kajüte und haben in Zukunft nicht viel mehr, als die zwei Rucksäcke und jeder eine Bauchtasche dabei.
Die ersten Meter fallen leicht, Port Medoc liegt bald hinter uns und wir kommen vorbei an Port Bloc. Die Strecke sind wir in den letzten Wochen fast täglich gelaufen, heute geht es allerdings nicht mehr weiter zum Pointe de Grave, sondern wir biegen nach links ab und sind auf dem Voie Littorale, einem der Jakobswege nach Santiago de Compostela. Beim Gedanken an die vor uns liegende Distanz wird uns allerdings etwas flau im Bauch. Aber man soll ja lieber nur an die Tagesetappe denken. Machen wir dann auch und genießen die neu gewonnene Freiheit. Einfach nur Laufen…
Mittagessen gibt es vom Gaskocher. Ravioli, direkt aus dem Alutopf mit Plastiklöffeln und zum Nachtisch einen Schokoriegel. Kurz darauf sind wir in Soulac-Sur-Mer. Hier besuchen wir die Kirche Notre-Dame-de-la-Fin-des-Terres, die im Mittelalter von Jakobspilgern als Ort des ersten Gebets besucht wurde, nachdem sie in Soulac mit dem Schiff an Land gekommen waren. Auch wir zünden eine Kerze an und bitten um den Segen.
Anschließend holen wir uns im Tourismusbüro den zweiten Stempel für unseren Pilgerpaß ab. Der erste war bereits im Pass und ist von Ansgar Möller, der so nett war, uns die Pässe nach Port Medoc zu schicken.
Als es weiter ging und wir unseren Wasservorrat auffüllen wollten, stoßen wir auf das erste kleinere Hindernis. Ein Großteil des Voie Littorale befindet sich an Ortschaften, die überwiegend vom Tourismus leben und die Ferienzeit ist längst vorbei. Öffnungszeiten werden entsprechend angepasst und wir stehen vor verschlossenen Türen. Aber in einer Eisdiele werden wir fündig. Zwei 1,5l Flaschen Trinkwasser für 5 Euro.
Gut versorgt für die nächsten Stunden geht es weiter, die Stadt verschwindet hinter uns und wir peilen den ersten Campingplatz an. Als wir vor dem Tor stehen freuen wir uns, dass der kleine Platz noch geöffnet hat, aber irgendwie haben wir noch nicht genug. Es ist noch früh und wir fühlen uns fit genug, noch ein paar Kilometer weiter zu laufen. Also peilen wir „Le Gurp“ an. Ein paar Tage vor dem Aufbruch hatten wir diesen Campingplatz auf die Liste der noch geöffneten Übernachtungsmöglichkeiten gesetzt.
Die nächsten Kilometer gehen zunächst noch gut, dann kommt relativ schnell ein Einbruch. Sabrina hat Schmerzen im linken Knie und der rechten Leiste, bei mir machen die Füße Probleme. Die Abstände zwischen den Pausen werden kürzer und kürzer. Wir laufen am Strand und obwohl der Körper schmerzt, fühlen wir uns gut. Neben uns brandet der Atlantik ziemlich laut mit hohen Brechern und wir freuen uns an Land zu sein und nicht dort draussen. Es ist das Kontrastprogramm zum Segeln.
Irgendwann hatten wir uns an den letzten Bunkern am Strand vorbei geschleppt. Noch 300 Meter Asphalt, ein letzter Hügel und nach 21 Kilometern waren wir am Ziel. Vor uns lag Le Gurp, einer der größten Campingplätze in der Gegend. Am Eingang klebte ein kleiner Zettel: „Geschlossen ab dem 13. September“.
Da standen wir mit unseren zwei Rucksäcken. Weit und breit nichts, als dieser gigantische leere Campingplatz. Das nächste Dorf Kilometer weit weg, unsere Körper am Ende.
Ich erzähle den Rest der Geschichte vielleicht irgendwann mal, wenn wir in Spanien sind, oder wieder zurück in Deutschland, denn auf Wildcamping stehen in Frankreich empfindliche Strafen…
Die Nacht war jedenfalls kalt und unruhig, aber die niedlichen Eichhörnchen vor Le Gurp haben uns aufgemuntert.

P.S.: Die Beiträge dieser Reise werden mit einer gewissen Verzögerung online gestellt, da wir nur unsere Smartphones dabei haben und auch nicht immer die passende „Leitung“ in der Nähe ist. Bilder gibt es deshalb leider auch nur erstmal die, die wir mit dem Smartphone geknipst haben.
Die Positionsseite aktualisieren wir allerdings in der Regel täglich und bei Facebook oder Instagram posten wir auch öfter mal einen aktuellen Schnappschuss.

 

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