Jakobsweg – Tag 20

Tagesetappe: 37 Kilometer / Gesamtstrecke: 659 Kilometer

IMG_20151013_120844-1024x768Wir kommen nach dem Pausentag nicht so richtig in Gang. Es ist bereits 10 Uhr, als die Räder endlich startklar sind und der Einkauf im Supermarkt erledigt ist. Kurze Zeit später ein kleiner Regenschauer, es sollte der einzige an diesem Tag bleiben.
Auf dem Camino stellt sich heute zum ersten Mal für uns ein Gemeinschaftsgefühl ein, denn die meiste Zeit sind wir ansonsten allein unterwegs und treffen eher selten auf andere Pilger. Heute ist es anders. Schon nach wenigen Kilometern begegnen wir Robert und Cedric. Cedric, angehender Arzt aus Quebec in Kanada, hat bereits Erfahrung mit solchen Reisen in anderen Ländern gesammelt. Robert ist schon Monate unterwegs und hat seit Nürnberg mittlerweile über 2200 Kilometer hinter sich gelassen.
Während wir mehr quatschen als laufen, kommt ein junges Pärchen dazu. Wie sich binnen kürzester Zeit herausstellt, ist die Welt auf dem Camino nicht nur groß und bunt, sondern auch manchmal winzig klein. Annika & Robin kommen aus unserem Nachbarort in Deutschland, aus Dinslaken und gehen in den Ferien einen Teil des Weges. Die beiden arbeiten als Lehrer an der Berufsschule, in der ich vor etlichen Jahren den schulischen Teil meiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolviert habe.
Linda, Spanierin die in Norwegen lebt, kommt kurze Zeit später auch noch dazu. Damit ist unsere Pilgergruppe für heute komplett und wir wandern einen Großteil des Tages zusammen auf dem Camino. Die Zeit vergeht wie im Flug und ist eigentlich zu kurz, um über alles zu reden.
Irgendwann trennen sich die Wege dann leider schon wieder und auch wir wollen heute noch ein gutes Stück weiter. Also Adressen austauschen und weiter gehts, bis zur Fähre nach Santona. Als wir vor dem Wegweiser stehen, wundern wir uns. Der Weg endet im Sand. Kein Anleger, keine Struktur, nichts. Nur Strand.
Eine Frau gibt uns den Hinweis. Einfach noch hundert Meter weiter gehen und am Strand warten, dann soll das kleine Boot rüber kommen.
Lautstark kommt das kleine Fährboot angedampft. Die Maschine schnurrt leise wie ein Kätzchen, aber aus dem Lautsprecher dröhnt ein Radiosender. Der Kapitän setzt sachte auf dem Sand auf, eine kleine Gangway wird ausgeklappt. Während der Überfahrt läuft: Iggy Pop – Passenger
Passender geht es kaum noch. Die Fahrt ist kurz, aber wir genießen jeden Augenblick. Als wir in Santona ankommen, ist der Song auch schon zu Ende. Jetzt läuft: Guns n Roses – Welcome to the jungle
Passt wahrscheinlich nicht ganz, aber wir finden den Song Klasse.

In Santona drehen wir etliche Runden durch die Stadt und finden schließlich eine kleine Pension. Es ist niemand dort, aber eine Telefonnummer klebt an der Tür. Sabrina ruft an, diskutiert, bekommt einen Preis genannt. 55€ werden aufgerufen. Nachlass für Peregrinos gibt es nicht, Zimmer zeigen auch nicht, man wartet auf eine Zusage am Telefon. Sabrina sagt ab und legt auf.
Also weiter radeln und auf dem Camino nach Norden zum Meer. Auf unserer Karte ist dort ein Hotel eingezeichnet, allerdings mit ziemlich exponierter Lage, direkt am Strand. Ob das unsere Reisekasse wohl hergibt?
Dort angekommen lassen wir kurz die Köpfe hängen, auf dem schicken Schild prangen 4 Sterne.
Als wir vor kurzem mal in einem 3 Sterne Hotel nach einem Preis für eine Nacht gefragt haben, wurden 136€ genannt. Ich möchte also gleich weiter, um keine Zeit zu verlieren, aber Sabrina will es einfach mal probieren. Ich warte draussen bei den Rädern und wunder mich bereits, warum es so lange dauert.
Als Sabrina rauskommt, sagt der Blick alles! Der Preis? Unglaublich niedrig. Nur Meerblick bekommen wir nicht, ansonsten ist alles dabei was man sich wünscht. Kaffee & Tee zur Begrüßung, ein Frühstücksbuffet am nächsten Morgen. Die Zimmer und das Bad riesig, mit Badewanne und allen Annehmlichkeiten. Ganz ungewohnt für uns.
Nachdem wir die Räder in der Tiefgarage geparkt und alles erledigt haben, eine Überraschung. Wir ziehen die Vorhänge im Zimmer auf und direkt vor dem Balkon brechen die Wellen der Biskaya am Strand!
Die Frau im Hotel, der wir das zu verdanken haben, ist vor einiger Zeit selbst mal den Jakobsweg nach Santiago de Compostela gelaufen.

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