Trizonia, Mesolongi, Argostoli

Trizonia, kurz vor Sonnenaufgang.Auf Trizonia wäre ich gerne noch einige Tage länger geblieben. Hier gab es zum ersten Mal seit langer Zeit eine richtig bunte Segler-Szene, mit allem was dazu gehört. Abenteurer, Aussteiger, Gemütlichkeit und natürlich auch etwas Zoff. Kein Wunder, wenn man lange dicht beieinander liegt. Aber wo gibt es den schon nicht. Mich hat er jedenfalls nicht interessiert.

Interessiert haben mich allerdings die Geschichten. Da war zum Beispiel Altan, der hier eine 20t schwere Segelyacht gekauft hat, allerdings noch nie zuvor gesegelt ist. Aber er kennt sich bereits auf See aus, denn er ist schon etliche Jahre mit Motorbooten unterwegs gewesen.
Seine Yacht hatte allerdings ein Problem, das Getriebe vom Saildrive war abgefallen. In Griechenland ist so ein Problem schwerwiegend, denn es gibt nicht viele Möglichkeiten, große Boote mal eben aus dem Wasser zu holen. Ich hoffe jedenfalls, dass er mittlerweile eine Lösung finden konnte und bald seine Heimat, einen Küstenort in der Türkei, erreicht.
Dann war ich noch zu Besuch bei Charlotte und Hans-Jörg auf der S/Y Cassiopeia Of Douglas. Ein ungewöhnliches, interessantes Berufsleben hat der sympathische Eigner einer Najad hinter sich. Als Kfz-Mechaniker angefangen, saß er nach vielen Zwischenstationen irgendwann im Cockpit eines Airbus A320 und hat den Jet auf Langstrecke geflogen. Heute ist er im Ruhestand. Und in Trizonia? In Trizonia habe ich ihn im Klettergeschirr in den Masttopp seiner Segelyacht gezogen. Dort musste er etwas reparieren. Luftaufnahmen hat er natürlich auch von dort oben mitgebracht.
Dann hatte ich noch Besuch von Heinz, der heute einen Katamaran segelt und Nomade sofort als Suncoast 42 erkannt hat. Denn vor vielen Jahren hat er selbst einmal versucht, eine Suncoast zu bekommen. Damals gab der Markt allerdings überhaupt nichts her.

Blick von oben: An Deck sind Charlotte, Altan und Nico. © Hans-Jörg Frömmer

Trizonia von oben. © Hans-Jörg Frömmer

Nach einigen Tagen, an denen ich nicht nur von Boot zu Boot getingelt bin, sondern auch wieder viel an Nomade geschraubt habe, gab es am 15. Mai einen günstigen Wetterbericht für die Fahrt nach Mesolongi.
Diesmal hat er auch gestimmt. Im Laufe des Vormittags setzte Nordostwind ein und ich bin mit viel Fahrt unter der Brücke von Patras hindurch gesegelt. Endlich lag der Golf von Korinth hinter mir. Der Rest des Törns war unspektakulär. Der Wind irgendwann wieder weg und die lange Fahrt den Kanal hoch bis Mesolongi sehr gemütlich. Hat mich ein bisschen an die Kanalfahrten in Frankreich erinnert.
In Mesolongi lag ich am Stadtkai. War mir irgendwie zu laut. Auch der ganze Ort hat mir wenig gefallen. Zwar überall wirklich nette Menschen, aber auch viel Palaver, laute Prollkisten und leider sehr viele Strassenhunde. Einige hatten Bisswunden, es gab ab und zu Zoff unter ihnen.
Der Schutz in Mesolongi ist allerdings perfekt. Durch den langen Kanal kommt absolut kein Schwell mehr im Hafen an. Das war es dann auch schon mit den Vorzügen. Also weiter!

Weiter nach Kefalonia, genauer, nach Argostoli wollte ich. Ich erspare euch die Details zum Wetter. Hat mal wieder nicht gepasst, aber egal, ließ sich trotzdem segeln und nach 59 Seemeilen war ich da, auf der größten griechischen Insel im Ionischen Meer.
Kurz nach meiner Ankunft, Sturm und Gewitter! Glück gehabt. Hätte ich an diesem Morgen ein paar Minuten länger geschlafen und einen zweiten Kaffee getrunken, es hätte mich schlimm erwischt. Selbst in dieser kleinen Bucht wurde es recht turbulent. Eine Yacht ist leider mit dem Heck auf die Pier geknallt und wurde unschön zugerichtet.
Nomade dagegen lag längsseits wie ein Fels in der Brandung da. Nur um die Fender habe ich mir wieder etwas Sorgen gemacht. Ist aber alles gut gegangen.
Nach zwei Nächten an der wirklich schönen und verhältnismäßig ruhigen Promenade in Argostoli, bin ich an den Verladekai gefahren und habe mir dort Diesel von einem Tankwagen bringen lassen. Anschließend habe ich Nomade auf die andere Seite der Bucht in eine aufgegebene Marina verlegt. Hier ist absolut nichts los. Kostet nichts, bietet nichts und Licht gibt es nachts auch keins. Hier kann ich mich in Ruhe um die letzten Reparaturen an Nomade kümmern und auf ein günstiges Wetterfenster für die nächste Etappe warten.

Das Fenderproblem für besonders scharfkantige Kaimauern ist nun auch gelöst. Habe einen alten Good Year auf einem der Müllhaufen gefunden! Loch rein gebohrt, Leine drum, fertig. Damit es keine unschönen schwarzen Reifenspuren an Nomade gibt, sind bereits Flächenfender an Bord. Die kommen dann zwischen Reifen und Bordwand.

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Videoupdate #39

Einhand Ablegen und Anlegen mit Nomade in Echtzeit. Alles dauert eben etwas länger.

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Und was ist wenn Sturm ist

Ich selbst habe bisher noch keinen Sturm auf See erlebt. Nur mal Binnen, vor Anker, aber das ist eine andere Geschichte. Im Ärmelkanal und in der Biskaya hatten wir mit Eos auch mal Windstärke 7, aber eben noch keinen Sturm oder stürmischen Wind, der ja erst bei 8 Beaufort beginnt und bei 9 als „vollwertiger“ Sturm bezeichnet wird.

War mir ganz recht so und es durfte von mir aus auch noch lange so bleiben, denn die Erfahrungen mit Eos in der Biskaya bei Windstärke 7 waren mir eigentlich vollkommen genug.

Am 8. Mai bin ich, nach tagelangem warten in Korinth, morgens gen Westen gestartet. Ich hatte diesen Ort so satt! Immerhin war es in der Nacht vor dem anstehenden Törn einigermaßen ruhig. Vielleicht lag es auch daran, dass Nomade diese Nacht nicht das einzige Schiff hier war. Am Vorabend ist noch eine Ketsch aus Holland angekommen und eine Charteryacht.
Der Wetterbericht meldete 4 bis 5 Beaufort aus West, wie immer, hier im Golf.
Eigentlich fahre ich bei 5 Beaufort nicht raus, wenn es nicht unbedingt sein muss, denn wenn es blöd kommt, liegt der Wetterbericht auch mal 2 Windstärken daneben und es wird unangenehm. Erst recht fahre ich bei so einem Wetter eigentlich nicht raus, wenn ich das Revier nicht kenne, noch mehr nicht, wenn es sich um Gegenwind handelt und ganz bestimmt nicht, wenn es sich um den ersten Einhandtörn mit Nomade handelt. Aber da war eben Korinth und die Tatsache, dass es in den nächsten Tagen nicht besser wird.
Also raus hier und nur weg. Den Plan bin ich am Vortag X Mal durchgegangen und hatte einige Schutzhäfen und Buchten in der Karte markiert, falls es doch nicht klappen sollte und ich beidrehen müsste.
Die Holländer sind eine Weile vor mir raus und waren immer in Sichtweite, die Charteryacht direkt neben mir, alle mit gleichem Kurs: Galaxidi

Galaxidi, auch so ne Geschichte. Dass ich jemals wieder nach Galaxidi wollen würde, hätte ich vor über einem Jahrzehnt auch nicht gedacht. Damals, ich war gerade Anfang 20, habe ich dort auf der Mole gesessen, aufs Meer geschaut, und war schwer enttäuscht, weil mein Ersatzwehrdienst, den ich in diesem kleinen Dorf ableisten wollte, nicht geklappt hat und ich wieder nach Hause geflogen bin.
Und jetzt? Jetzt war das kleine Dorf plötzlich wieder mein Ziel.

In der Bucht stand immer noch unangenehmer Schwell vom Sturm am Vortag. Es dauert im Golf unheimlich lange, bis der sich ganz abgebaut hat. Vermutlich durch permanente Reflexionen an den steilen Felsküsten.

Anfangs klappte alles wunderbar. Es war fast windstill und ich kam mit etwa 6 Knoten unter Maschine gut voran. Als der Wind dann einsetzte, konnte ich sogar eine Weile die Genua setzen und hoch am Wind aufs erste Kap zu halten. Danach hatten wir den Wind wieder genau auf den Bug und das Segel wurde eingerollt.
Es dauerte auch nicht lange, da drehte der Wind schnell auf. So wie gemeldet.
Die Wellen wurden allmählich etwas höher, aber das machte Nomade nichts aus. Sie ist da durchgepflügt, als ob es keine Welle gegeben hätte. Die Charteryacht hatte zu dem Zeitpunkt bereits beigedreht, auf einen kleinen Hafen an der Südküste und es dauerte nicht lange, bis die Holländer vor mir auch plötzlich ihren Kurs auf diesen Hafen geändert haben. Da ist mir wirklich kurz das Herz etwas tiefer gerutscht. Sollte es da vorne jetzt etwa noch heftiger werden?
Kurze Zeit später wurde meine Frage beantwortet. Ja, es wurde heftiger. Erst 6, dann 7 und ich hätte zu dem Zeitpunkt genau das gleiche gemacht wie die Crew der Stahlketsch aus Holland. Nur hatte ich das Problem, Einhand unterwegs zu sein. Gegen den Gedanken an ein Anlegemanöver mit Buganker und Heckleinen in einem kleinen Hafen bei so viel Wind habe ich mich gesträubt. Das wäre wahrscheinlich schief gegangen. Zur Not wollte ich lieber vor dem Wind in eine der geschützten Buchten an der Nordküste ablaufen oder eben wieder zurück nach Korinth.
Aber jetzt schon aufgeben, wo Nomade das noch ohne Probleme schaffte? Also bin ich weiter in Richtung Galaxidi gefahren, bis es irgendwann wirklich nicht mehr ging. Mittlerweile hatte der Wind auf 8 Beaufort zugelegt und der Seegang wurde auch für Nomade zu stark um da genau im 90° Winkel rein zu fahren. Ganz gestanden hat sie noch nicht, aber wir sind nur noch sehr langsam vorwärts gekommen und es kam festes Wasser übers Deck, wenn sie mit dem Bug kurz in die ruppige See eingetaucht ist.
Also bin ich ein paar Grad abgefallen und habe Kurs auf das Kap Pagkalos gesetzt. Ich wollte versuchen, hoch am Wind bis kurz vors Kap zu fahren, um dann unter Landschutz nach Norden zu segeln und eine kleine Ankerbucht anzulaufen.
Das war noch ein weiter weg und ich war mir am Anfang auch nicht sicher, ob wir das schaffen können. Aber sie lag wunderbar stabil im Wasser. So ganz anders, als ich das von Eos bisher kannte. Keine Bauchklatscher, kein Gezappel und ich hätte nie gedacht, das ich jemals bei solchen Bedingungen einen Anflug von Freude hätte entwickeln können. Aber genau das passierte irgendwann, als mir absolut klar war, das Nomade mit diesen Bedingungen keine Probleme hatte. Im Gegenteil, es hat ihr überhaupt nichts ausgemacht und sie war nicht zu stoppen.
Manchmal, wenn sie in sehr steilen Wellen kurz mit dem Bug abgetaucht und das Wasser übers Deck und gegen die Scheiben geflogen ist, hatte ich sogar ein Grinsen im Gesicht. Denn das für mich überraschende an diesem Trip war, dass ich auch diesmal nicht seekrank geworden bin. Keine Spur von Übelkeit oder schlechten Gedanken! Nichts, nicht mal ein flaues Gefühl im Magen. Ich weiß es natürlich nicht sicher und ich will mich auch noch nicht zu früh freuen, aber ich denke, es liegt sehr viel am Schiff.
Nach ein paar Stunden waren wir endlich am Kap und ich war so zufrieden wie selten zuvor auf See, dass dieser Plan so aufgegangen ist. Der erste stürmische Wind und es hat problemlos funktioniert. Darüber war ich glücklich.

Erst kurz vor der Landspitze habe ich den Kurs nach Norden geändert und wenige Minuten später war Ruhe im Schiff. Der Wind hatte bereits eine Weile vorher wieder abgenommen und wir konnten die letzten Meilen ganz gemütlich durch den Golf fahren, bis zu einer kleinen abgelegenen Bucht, die gut nach Westen geschützt war.
Ich habe etwa 150m vorm Ufer geankert und hier übernachtet. Der Golf hat sich am Abend und in der folgenden Nacht allerdings weiter aufgeschaukelt. Irgendwann war der Schwell auch in dieser Ecke angekommen und hat Nomade ordentlich schaukeln lassen.
Am nächsten Morgen bin ich deshalb noch 5 Seemeilen weiter, bis in die geschützte Bucht von Antikyra gefahren, denn für diesen und den folgenden Tag war wieder sehr starker Wind gemeldet.
In Antikyra, dem kleinen Fischerdorf, gefiel es mir sehr gut. Freundliche Menschen, völlig entspannt und ein sehr hübscher kleiner Hafen. Anfangs stand auch noch kein nennenswerter Schwell hier drin, am Nachmittag wurde es aber immer heftiger und Nomade ist schwer ins rollen geraten. Trotz langer Festmacher und Wind, der uns von der Pier wegdrückte, ist sie irgendwann längsseits gegen die Mauer geschaukelt. Mit einem lauten Knall hat sich dabei einer der alten Fender verabschiedet. Wieder einer weniger. Jetzt habe ich noch 4 neue und einen alten.
Abends konnte ich Nomade dann um die Ecke herum an einen nahezu schwellfreien Platz verlegen und zwei ruhige Nächte verbringen.

Die Tage habe ich in Antikyra mit Reparaturen verbracht. Vor allem die Genua hat mir viel Arbeit und Kopfzerbrechen bereitet. Sie hat es leider hinter sich und ist wieder an mehreren Stellen gerissen. Das ist sehr schade, denn über 90% des Segels sind in sehr gutem Zustand und sie steht wirklich gut. Allerdings wurde sie während der langen Zeit an Land nicht von der Rollanlage genommen und die griechische Sonne hat das Achterliek verbrutzelt. Dort löst sie sich jetzt nach und nach auf.
Ich habe wieder mit Segeltape geklebt und viel genäht. Einsetzen kann ich sie aber definitiv nur noch bei wenig Wind. Ich hoffe, sie hält noch bis Frankreich durch.

Nach der langen Westwindphase sollte für den Donnnerstag laut Wetterbericht endlich mal ein paar Stunden Ostwind einsetzen und ich hatte die Hoffnung, dass der Volvo diesmal etwas länger still bleiben könnte.
Also bin ich wieder los und kurz nach dem Kap setzte dann, dreimal dürft ihr raten, ja, Westwind ein!
Gegen den Wetterbericht hier im Golf von Korinth war der Wetterbericht in der Biskaya ein Traum. Da habe ich mich manchmal schon fast beschwert, wenn die Windrichtung mal 20° daneben war, oder sich um 2 Windstärken verschätzt wurde. Hier kann man die Prognose selbst wenige Stunden vorher nur als vagen Anhaltspunkt verwenden. Nur eins ist fast immer sicher, egal was gemeldet wird: Der Wind kommt aus Westen!
Und die Stärke? Irgendwas zwischen 1 und 9. Ein Schotte, der hier schon Jahre segelt, hat mir in Kilada erzählt, dass er mal bei gemeldetem schwachen Wind raus gefahren ist und bei Windstärke 10 mit Hängen und Würgen in den nächsten Hafen kam.

Dieses Wetterphänomen mit seinen schnellen Wechseln und der Unberechenbarkeit liegt an der Form des Golfs und seinen hohen Bergen, auf deren Gipfeln auch jetzt im Mai noch Schnee liegt. Der Golf wirkt dabei wie eine Düse. Der Wind wird kanalisiert und beschleunigt. Thermik und lokale Unterschiede spielen dabei auch noch eine große Rolle und lassen die Vorhersagen ungenau werden.

Aber ich bin jetzt in Trizonia, einer kleinen Insel am Ende des Golfs. Hier gibt es ein aufgegebenes Marina-Projekt, das von Aussteigern und Abenteurern entdeckt wurde. Die Brücke von Patras konnte ich auch bereits sehen und hier warte ich nun auf ein günstiges Wetterfenster für die nächste Etappe durch den Golf von Patras und höre mir die interessanten Geschichten in dem bunten Hafen an.

Trizonia, Insel der Aussteiger und Abenteurer.

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Tage zum vergessen

Am 3. Mai haben wir früh morgens bei Flaute die Leinen in der Zea Marina gelöst und sind langsam aus dem Hafen getuckert. Filou war schon etwas aufgeregt und hat sich wohl gefragt, warum sich sein neues Zuhause plötzlich bewegt. Angst hatte er keine, nur neugierig war er und wir waren nach der ersten Anspannung schnell wieder gelassen und guter Dinge für den Törn nach Korinth.

Windstärke 2 bis 3 aus Nord war gemeldet. Darauf haben wir einige Tage gewartet. Ideale Bedingungen für Filous erste Seefahrt waren also zu erwarten. Die Realität sah nach einer Weile völlig anders aus. Zwar stimmte die Stärke zunächst noch, aber der Wind drehte kurz nach der verkehrsreichen Zufahrt auf Piräus auf West! Exakt die Richtung, in die wir wollten.
Erst hatte ich noch die Hoffnung, dass es sich nur um eine Ablenkung am südlichen Kap von Salamina handelt, doch auch danach weiterhin Westwind und er drehte kontinuierlich auf.
Was Sabrina, mir und Nomade nichts ausmachte, wurde für Filou sehr unangenehm. Bei Windstärke 5 hatte sich der Gegenwind dann eingependelt, der Seegang wurde unangenehm ruppig und Filou schwer seekrank. Die Details erspare ich euch, aber es tat uns in der Seele weh, ihn so zu sehen.

Wäre der Platz in der Marina nicht wegen einer Bootsausstellung weg gewesen, wir wären wahrscheinlich wieder umgedreht. Andere Häfen hätten unsere Situation nicht wirklich entscheidend verbessert. Also hat sich Sabrina so gut es ging um Filou gekümmert, während ich versucht habe, die unangenehmsten Wellen so anzusteuern, dass Nomade nicht ganz so wild darüber springt. Eine Qual war das, ihn so krank und hilflos zu sehen. Wir wissen ja beide, wie schlimm Seekrankheit sein kann. Nur kann Filou, im Gegensatz zum Menschen, nicht wissen dass es auch irgendwann wieder vorbei ist.
Bis es soweit war, vergingen Stunden. Stunden der Anspannung und Zweifel. Irgendwann wurde es dann ruhiger. Der Wind war nach wie vor stark, aber der Seegang ließ mit jeder Meile Richtung Kanaleinfahrt wieder nach.
Dort angekommen, haben wir an der Pier festgemacht. Sabrina ist zur Kanalverwaltung gelaufen und hat sich um den Papierkram gekümmert, während ich mit Filou eine Runde gelaufen bin. Es ging ihm schnell wieder besser, bis zu dem Moment, als ein Rudel aus 6 Streunern, die ich nicht gesehen hatte, urplötzlich angerannt kam und sehr aggressiv reagiert hat. Ich hatte so eine ähnliche Situation schon mal mit dem Auto in den Bergen auf der Peloponnes erlebt, wo 3 Herdenschutzhunde ohne Vorwarnung das Auto angegriffen haben. Diesmal waren es 6 dieser großen Hunde und Filou bei mir an der Leine.
Er ist sofort losgerannt und ich bin, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, hinter ihm her. So schnell es ging, in Richtung Nomade. Filou und ich waren schneller als das Rudel. Am Schiff hatten wir etwas Abstand gewonnen. Ich hab Filou geschnappt, aufs Boot gehoben und der Spuk war vorbei! Aufs Schiff haben sie sich nicht getraut und sind wieder abgezogen.
Was für ein Schreck! Zum Glück ist nichts passiert.

Die Fahrt durch den Kanal konnten wir nicht genießen. Wir waren nur froh, dass die Situation so glimpflich ausgegangen ist und Filou im Kanal ruhige Bedingungen hatte.
Nach der Durchfahrt war es nur noch ein kurzes Stück bis zum kleinen Hafen in Korinth. Der Anleger klappte problemlos und es hat nicht lange gedauert, bis es Filou wieder besser ging.

Der erste Eindruck von Korinth und seinem Hafen war sehr gemischt. Die Steganlage vergammelt und von Booten verlassen, viel Müll überall und eine lautstarke Schlägerei zwischen Jugendlichen, kurz nach dem Ankommen.
Aber gut, nach ein paar Minuten sollte man keine Stadt beurteilen. Wir sind deshalb los gelaufen um uns etwas umzusehen. Filou bei uns an der Leine und wieder der Alte. Völlig entspannt und neugierig.
Nach wenigen Metern kam uns der erste Streuner entgegen. Laut war er, aber nicht aggressiv. Er hat kurz die Lage gecheckt, gezeigt wessen Revier das hier ist und alles war ok.
Also sind wir weiter. Tiefer in die Stadt, die so schmutzig war, wie bisher keine andere Stadt in der ich war. Nur in der Fußgängerzone ging es, ansonsten flog der Müll nur so durch die Gassen. Und es war sehr auffällig, wieviel mehr Männer hier unterwegs waren als Frauen. Keine Familien, keine Kinder, fast ausschließlich Männer. Männer, die offensichtlich nichts zu tun hatten. Doch, etwas hatten sie zu tun. Die Leute auf der Straße ganz genau zu mustern und an ihrem besonders coolen Gang zu arbeiten. Naja…
Eine Weile später, der nächste Streuner. Diesmal ein ruhiger Geselle, der bald wieder seines Weges gezogen ist.
Als wir bereits auf dem Rückweg waren ist es dann passiert. Ohne Vorwarnung oder den leisesten Ton wurde Filou von einem Streuner gebissen! So ein Verhalten habe ich noch nie bei einem Hund erlebt! Das Biest hat sich von hinten herangepirscht und hat ihn einfach in die Rute gebissen! Filou hat laut gejault, Sabrina hat ihn mit einem Ruck weggezogen und sich vor ihn gestellt. Der Streuner wollte bereits nachsetzen, da habe ich ihn laut angeschrien, einen Schritt in seine Richtung gemacht und mich gebückt, um etwas aufzuheben, was da gar nicht lag.
Es war ein Bluff, den mir mal jemand erzählt hat und ich hätte nie gedacht, dass er wirklich funktioniert. Aber der Hund hat unmittelbar den Kopf eingezogen und ist abgedackelt!
Warum? Weil er gedacht hat, ich hebe einen Stein auf, um ihn damit zu bewerfen. Das ist das traurige an der ganzen Situation. Denn so aggressiv dieser Hund auch war, so ist er vermutlich nicht von sich aus geworden. Das haben Menschen zu verantworten und sicherlich ist er mehr als einmal mit Steinen beworfen worden.
Wir drei waren jedenfalls bedient. Bedient von den Streunern, die hier ganz anders sind als in den gemütlichen Dörfern und bedient von Korinth, mit seinem Müll und der geladenen Grundstimmung.
Also ab zum Boot und zwischendurch Filous Rute untersuchen. Etwas geschwollen war sie an der Bissstelle, aber geblutet hat sie nicht. Der andere Hund hat allerdings sichtbar kräftig zugebissen.

Kurz vorm Boot, die nächste Überraschung. Drei Jugendliche haben sich auffällig unauffällig das Schiff angeschaut. Wir sind deshalb unauffällig vorbei geschlendert, um zu sehen, ob das nur Neugierde ist, oder etwas anderes dahinter steckt.
Es hat nicht lange gedauert, da war der erste auf dem Schiff. Mehr mussten wir nicht sehen, um zügig die Richtung zu ändern. Die drei hatten das mitbekommen und sind erschrocken wieder runter gesprungen. Gesagt haben wir nichts. Wir sind nur auf dem Steg stehen geblieben und haben sie an uns vorbei gehen lassen. Innerlich habe ich gekocht, aber was willst du in der Situation schon anderes machen. Die Jungs hatten die Köpfe jedenfalls fast auf dem Boden, als sie sich vorbei gemogelt haben.
Was für ein Scheißtag!

Der nächste Tag, der Donnerstag, sollte eigentlich ein ruhiger für uns werden, denn Sabrinas Flug ging am Freitag, sehr früh morgens. Durch Filous Seekrankheit mussten wir allerdings umplanen und es musste schnell gehen.
Ihn für die nächsten Etappen an Bord zu lassen, wäre eine schlimme Quälerei geworden. Denn der Golf von Korinth, durch den ich als nächstes muss, wird von Westwinden beherrscht, die nicht selten Sturmstärke erreichen. Auf ruhiges Segelwetter kann man hier nicht warten. Da sind 5 Beaufort gegenan fast schon Luxus. Also haben wir entschieden, dass Filou mit Sabrina nach Hause fliegen wird. Dieser Plan B stand von vornherein fest, sollte er nicht seefest sein. Wenn er sich überhaupt eines Tages ans Segeln gewöhnen kann, dann nur in ganz kleinen Schritten, mit viel Zeit. Hier im Golf wäre das nicht möglich.
Also umplanen, zumal der Schwell im Hafen, der ihn nun wieder seekrank macht, die Bestätigung ist.
Ich beschreibe euch diesen Tag nicht im einzelnen, das wäre zuviel. Aber während Sabrina telefoniert und das Internet durchforstet hat, bin ich kilometerweit durch die Stadt gelaufen, um einen Mietwagen zu organisieren. Abends um 19 Uhr hatte ich ihn und Sabrina ist es gelungen, einen Flug für für die beiden für den nächsten Tag nach Amsterdam zu bekommen. Bei einer Gesellschaft, die auf Hunde spezialisiert ist. Auch wenn der Flug unangenehm für ihn wird, so hat das Flugzeug wenigstens einen extra Raum, der klimatisiert ist und nicht so laut.
Während Sabrina am Abend ihre Sachen gepackt hat, war ich mit dem Zusammenbau von Filous Flugbox beschäftigt.

Am nächsten morgen, der Aufbruch.
Klappte alles völlig problemlos und Filou ist während der Autofahrt zum Flughafen ganz gut drauf gewesen. Übergeben musste er sich auch nicht.
Die Wartezeit am Flughafen haben wir vor dem Gebäude auf einer Wiese verbracht.
Als es dann soweit war, sind wir zusammen rein gegangen. Filou war plötzlich der Star. Durfte an der Leine umher laufen, wurde permanent gestreichelt und fotografiert und war plötzlich: Fluggast

Nach dem einchecken wurden wir zur Kontrolle für ungewöhnliche Gegenstände geschickt. Während Sabrina die Formalitäten erledigt hat, kam eine Zollbeamtin auf Filou und mich zu. Sie fragte, ob er fliegt und wohin. Dann schaute sie ihn genau an, streichelte ihn, klopfte mir auf die Schulter und meinte mit einer Träne im Auge zu mir: „Danke, dass ihr ihn mitnehmt.“
Ich war völlig perplex und hätte selbst fast geheult!
Wir haben uns dann noch kurz unterhalten und es stellte sich heraus, dass sie sich selbst um Streuner kümmert. Ihr war sofort klar, dass Filou auch mal einer war.

Danach ging alles ganz schnell. Filou musste in die Box, was ohne Probleme geklappt hat und ist zusammen mit Sabrina durch die Sicherheitskontrolle gegangen. Dort musste er nochmal kurz raus, damit die Box geröntgt werden konnte. Dann war er weg und wurde in Richtung Flugzeug gebracht. Auch Sabrina musste nun los und ich war wieder allein.
Während für Filou nun der schwere Teil begann, habe ich weiterhin am Flughafen gewartet. Ich wollte erst los fahren, wenn wirklich sicher war, dass beide im Flugzeug und unterwegs sind.
Sabrina konnte nach dem Bording sehen, wie Filou in seiner Box zum Flugzeug gebracht wurde und ich konnte kurze Zeit später, mit Blick auf die Startbahn sehen, wie die beiden abgehoben sind.

Ich stehe eigentlich total auf fliegen, aber bei diesem Start, der lehrbuchmäßig ablief, ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Mir tat Filou Leid.

Danach ging es zurück zum Boot und nicht lange, nachdem ich dort wieder angekommen war, kam auch die erleichternde Nachricht aus Amsterdam: Flugzeug gelandet!
Die zweite Nachricht dann unangenehm: Eine halbe Stunde lang, starke Turbulenzen!
Die dritte Nachricht: Ich hab Filou wieder, es geht ihm gut, er freut sich total!

Da hab ich vor Freude feuchte Augen bekommen und war froh, das wir diese Entscheidung getroffen haben. Denn in Korinth hat Nomade am Anleger getanzt. Hier war plötzlich Sturm!
Aber Filou war in Sicherheit und es ging ihm gut. Mein Papa hat die beiden dann mit dem Auto nach Deutschland gebracht und mein Schwager ist mit Sabrina am nächsten Tag nach Belgien gefahren, um unser Auto am Flughafen Charleroi abzuholen. Von dort aus ist Sabrina ja nach Athen geflogen. Ein Flug mit Filou dorthin war aber nicht zu bekommen.

Und jetzt? Jetzt geht es ihm in Wesel gut. Mein Papa kümmert sich um ihn, während Sabrina auf der Arbeit ist und der Hund meiner Eltern (wir leben ja im gleichen Haus) hat Filou sofort als neues Familienmitglied akzeptiert.

Und in Griechenland? Hier ist die Kacke am dampfen! Nomade hatte sehr spät abends nochmals Besuch von drei Jugendlichen. Eine sehr angespannte Situation an Deck war das. Ansonsten wurde ich angepöbelt und um Geld „gefragt“. Da ja allerdings Sturm war, konnten wir nicht dort weg.

Vom ersten Einhandtörn mit Nomade berichte ich dann beim nächsten Mal.

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Vom Streuner zum Crewmitglied

Am 26. April war es soweit. Der Plan, Filou bei Yanna in Kapandriti mit einem Mietwagen abzuholen, ging allerdings nicht ganz auf, denn Yanna hat es sich nicht nehmen lassen, Filou mit dem Auto zu uns in die Zea Marina zu bringen.

Also saßen wir nach dem Frühstück aufgeregt im Cockpit und haben gewartet. Viel zu früh waren wir mit allem fertig und sind immer wieder hibbelig alles durchgegangen. Ist die Gangway auch nicht zu steil für ihn? Stehen Näpfe bereit und liegen seine Decken an den richtigen Stellen? Wie kommt er die steile Treppe in den Salon runter?
Eigentlich war alles schon lange vorbereitet und ich habe noch in Kilada eine Badeplattform, die Gangway und eine Aufstiegshilfe für die seitlichen Durchgänge an Nomade angefertigt, um verschiedene Optionen zu haben, ihn in jeder Situation an Bord zu bekommen. Trotzdem war die Anspannung jetzt riesig. Wird er sich überhaupt an Bord wohl fühlen? Wie verkraftet er die Trennung von Yanna, bei der er schließlich viele Wochen in Pflege war und wie findet Sabrina ihn? Fragen über Fragen…

Irgendwann kam dann der lang ersehnte Anruf von Yanna: „Wir sind da und laufen jetzt vom Parkplatz in eure Richtung.“
Ok, also los, laufen wir den beiden entgegen!
Nach einigen Metern haben wir sie gesehen. Yanna mit Filou an der Leine. Unglaublich schön, dieser Moment und der Kontrast zu den kalten Tagen im Januar in Kilada, als Filou noch als abgemagerter Streuner so gerade eben die Nächte überlebt hat und ich nicht wusste, was ich mit ihm machen soll.
Nun war er hier und ist aufgeregt an der Leine die Promenade bei warmem Wetter und Sonnenschein entlang gelaufen.
Ob er mich wieder erkannt hat weiß ich nicht. Er war noch sehr vorsichtig und durch die vielen Menschen und neuen Eindrücke abgelenkt.

Sabrina, Yanna, Filou und Nico an Bord.

Nach einer herzlichen Begrüßung sind wir alle vier zu Nomade gelaufen. Dort habe ich ihn über die Gangway an Bord getragen. Er war natürlich zunächst aufgeregt, hat sich dann aber schnell einen Platz im Cockpit gesucht und auch getrunken.
Etwa eine Stunde war Yanna noch bei uns an Bord, dann hieß es Abschied nehmen. Ist ihr nicht leicht gefallen, aber sie hat das sehr professionell gemacht, so dass Filou im Prinzip gar nichts davon mitbekommen hat. Er war zu dem Zeitpunkt mit Sabrina im Salon und ich bin noch ein Stück mit Yanna von Bord gegangen.

Dann waren wir plötzlich zu dritt und es hat nicht lange gedauert bis Filou ganz leise gefiept hat. Ihm war klar, dass sich gerade etwas geändert hat, aber er hat sich sofort mit ein paar Streicheleinheiten beruhigen lassen. Anschließend haben wir ihm das Schiff gezeigt und ihn auf seinen Schlafplatz gelockt. Er hat sein eigenes kleines Bett, genau zwischen den beiden Kojen in der Achterkabine. Nur etwa einen halben Meter tiefer als die Kojen.

Wir haben fest damit gerechnet, dass einige Dinge viel Zeit und Geduld brauchen, um sie ihm beizubringen. In erster Linie waren das die Gangway und die steile Treppe aus dem Cockpit in den Salon. Solche Hürden sind für einen Hund ungewöhnlich und brauchen in der Regel viel Zeit und Übung.
Filou ist bereits an diesem ersten Tag, nach wenigen Versuchen, die Gangway hoch aufs Schiff geklettert. Runter hat es noch nicht geklappt, weil der Schritt nach unten zu tief war. Das habe ich am nächsten Tag angepasst, indem ich ganz oben eine Stufe eingebaut habe. Dann ist er die Gangway auch abwärts gelaufen.
Am meisten hat uns beeindruckt, dass es ihm ebenfalls am ersten Tag gelungen ist, die Treppe in den Salon runter und hoch zu klettern. Elegant wie eine Katze meistert er diese Hürde. Das hätten wir so nicht erwartet.


Überhaupt hatten wir nicht erwartet, dass er sich so schnell und problemlos an die neuen Situationen gewöhnt. Während ich diese Zeilen tippe, schläft Filou in seinem Bett in der Achterkabine, während starker Wind das Rigg zum heulen bringt. Manchmal liegt er auch im Durchgang an Steuerbord, weil es dort schön kühl am Boden ist. An der Leine läuft er wirklich toll und anderen Hunden gegenüber verhält er sich, wie erwartet, vorbildlich.
Nach einem Spaziergang geht er am liebsten unter Deck. Da gefällt es ihm am besten. Tagsüber konnten wir deshalb auch lange Zeit auf dem Deck an der Genua arbeiten, während Filou tief geschlafen hat.

Die Genua hat es leider fast hinter sich. Sie ist nicht ausgesegelt, aber sie wurde während der langen Standzeit nicht von der Rollanlage genommen. Dadurch ist der UV-Schutz im Laufe der Zeit zerbröselt. Die Reste haben wir hier in der Marina sauber rausgetrennt, darunter kamen ein paar marode Stellen und drei Risse im Achterliek zum Vorschein. Diese Stellen konnten wir mit Segeltape reparieren. Die Rollanlage selbst brauchte auch eine Menge Aufmerksamkeit. Vieles war sehr schwergängig, die Reffleine nicht optimal verlegt. Das alles hat sich so aufsummiert, dass sie nur noch zur Hälfte ausgerollt werden konnte.
Jetzt, nachdem alles ordentlich eingestellt und geschmiert ist, kann man sie ohne Probleme ausrollen und wieder bergen.
Ansonsten hatten wir neben der Genau noch weitere Baustellen, die wir hier in den Griff bekommen haben und mittlerweile ist die Liste spürbar geschrumpft. Ob das so bleibt? Hoffen wirs.

Mit Filou haben wir hingegen überhaupt keine Probleme. Er hat innerhalb kürzester Zeit ein starkes Vertrauen zu uns entwickelt. Er ist so ein lieber Hund und wir sind unendlich froh, dass dieser komplizierte Plan „Vom Streuner zum Crewmitglied“ so gut aufgegangen ist.
Das wäre ohne die Hilfe von Stefan aus Porto Cheli, Nicole Jackwerth, Yanna aus Kapandriti, Dr. Annetta Michael und Natascha nicht möglich gewesen. Viele Zahnräder haben da so ineinander gegriffen, dass es am Ende gelungen ist, Filou aufzupäppeln, ärztlich zu versorgen, zu pflegen und ihm schließlich ein zu Hause zu geben.
Und weil wir immer mal wieder auf die Kosten angesprochen werden. Dazu kann ich sagen, dass sie trotz einiger Tierarztbehandlungen, der langen Pflege, nötiger Impfungen und Logistik, nicht höher waren, als die Kosten für einen Hund vom Züchter in Deutschland. Das ist natürlich individuell sehr verschieden und soll nicht heißen, dass für jeden Menschen ein Streuner der beste Hund sein kann.
Aber vielleicht animiert dieser Hinweis ja den ein oder anderen, zumindest mal über die Option „Streuner“ nachzudenken.
Filou ist jedenfalls der unkomplizierteste und dankbarste Hund, der mir bisher begegnet ist. Noch dazu ist er unheimlich gelassen und schlau.
Mittlerweile ist er auch wieder fast ganz gesund. Seine Augen sehen toll aus, ein paar Stellen an denen die Haut gelitten hatte sind verheilt und er ist nicht mehr so extrem abgemagert. Jetzt wiegt er 22kg und wir schätzen, dass er noch etwa 3kg zulegen muss, bis er sein Optimalgewicht hat.

Jedenfalls ist er bereits jetzt unser bester Freund!

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Das Ende des Regenbogens

Am 23.04. haben wir Kilada, mit ein paar Tagen Verspätung, verlassen. Die beseitigten und neuen Baustellen hier aufzulisten erspare ich euch und uns an dieser Stelle, denn es waren nochmals einige!
Während dieser Baustellentage ist es uns trotzdem gelungen, wenigstens einen kleinen Landausflug zur prähistorischen Höhle auf der anderen Seite der Bucht zu machen. Ziemlich interessant und touristisch noch unentdeckt. Erschlossen ist die Höhle wirklich gut, mit einem kleinen Steg für Ausflugsboote und schönen Wegen. Nur weiß das bisher anscheinend kaum jemand. Wir waren die einzigen Menschen dort und in der gesamten Zeit, die Nomade in der Bucht von Kilada war, habe ich nicht ein einziges Boot dort anlegen sehen.

In der prähistorischen Höhle.

Nun aber zum ersten richtigen Törn mit Nomade an diesem Sonntag im April. Es war ein reiner Motortörn. Zum segeln hatten wir zu wenig Wind und das war fürs erste Mal auch gut so. Es gab auch unter Maschine genug zu testen und zu erfassen.
Unterwegs hatten wir bereits nach kurzer Zeit das große Glück, von zwei Delfinen begleitet zu werden und wenige Stunden nach dem Start in Kilada haben wir den Anker in der Bucht von Porto Cheli wieder fallen lassen.
Delfine, Sonne und nicht die geringsten Anzeichen von Seekrankheit, trotz etwas Rollerei durch Restdünung. Ein gelungener Start.

Vor Anker in Porto Cheli.

Am nächsten Morgen sind wir gleich weiter. Heute wollten wir 32 Seemeilen bis Poros schaffen.
Die ersten 15 Meilen gab es, wie angekündigt, nur Flaute. Ab der Passage zwischen den Inseln Hydra und Dokos setzte Nordostwind ein, der durch den Düseneffekt zwischen den beiden recht hohen Landmassen, mit etwa 5 Windstärken eine etwas kabbelige See verursachte. Nomade war davon völlig unbeeindruckt. Lediglich die Geschwindigkeit ging um etwa einen halben Knoten zurück bis wir durch waren.
Nach dieser Düse konnten wir Segel setzen, bzw. ich hab sie gesetzt, während Sabrina Nomade gesteuert hat. Vom Handling bin ich ziemlich angetan. Sowohl die Winschen, als auch das gesamte drum herum geht deutlich besser von der Hand, als ich das von Eos gewohnt war. Bei etwas Seegang war das immer ein anstrengender Akt, am Mast zu arbeiten oder auf dem Vordeck zu hantieren. Auf Nomade macht mir das richtig Spaß. Selbst auf dem Bugspriet an der Rollanlage zu basteln ist bei normalem Seegang kein Problem.
Probleme gab es allerdings mit den Segeln. Einige Holepunkte waren noch nicht optimal und das Besansegel ist ziemlich ausgelutscht. Die Genua ließ sich wegen einer Blockade, die ich auf See nicht beseitigen konnte, leider nur zur Hälfte ausrollen und stand entsprechend mies. Das Großsegel ist ok.
Trotz dieser Probleme und mittelmäßiger Fahrt im Schiff, tat es unheimlich gut Nomade zu segeln. Und es tat gut, bis auf das Steuern, allein mit dem Schiff umzugehen. Das wollte ich unbedingt ausprobieren und ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass Nomade mit Steuerunterstützung durch den Autopiloten auch unter Vollzeug gut Einhand zu segeln ist.
Während ich also die meiste Zeit außerhalb des Cockpits oder mit den Schoten beschäftigt war, hatte Sabrina ihre Freude am Steuerrad. Gefällt ihr viel besser, als die Pinnensteuerung. Nur Böen lassen sich nicht so gut in Höhe verwandeln, meint sie, eher etwas scherzhaft. Das ging mit der kleinen, leichten Eos besser. Bis Nomade sich mal bewegt hat, ist die Böe schon durchgezogen.
Irgendwann war dann der Punkt gekommen, an dem die Segel wieder runter mussten und der Volvo erneut seine Stärken zeigen durfte. Ein Kap mussten wir noch umrunden, bevor Poros angesteuert werden konnte und dieses Kap hat für ordentlich Wind und Seegang gesorgt. Knapp 6 Beaufort genau auf die Nase und entsprechender Seegang haben Nomade… überhaupt nicht beeindruckt! Man hatte das Gefühl, die See zu pflügen. Was mit Eos Schwerstarbeit bedeutet hätte, war mit diesem Stahlschiff und dem Volvo ein Leichtes. Ihr hättet das Grinsen in unseren Gesichtern sehen  müssen. Noch nie zuvor hat uns Gegenanbolzen unter solchen Bedingungen Spaß gemacht. Sabrina dazu: „Und sie knarzt nicht mal!“

Kurz nach dem Kap hat sie dann doch etwas geknarzt, bzw. ein paar Kleinigkeiten sind ins rutschen geraten, als eine unpassende, leichte Dünung von schräg achtern Nomade zum rollen gebracht hat. So etwas macht auf keinem Schiff Spaß, aber es war ja nur für kurze Zeit.
Die Durchfahrt nach Poros war dann ein Highlight. Es kommt einem vor, als fährt man in eine Flussmündung hinein. Das Gewässer dahinter hat eher den Charakter eines Sees, als den einer Bucht.
An der Pier, direkt vor der Promenade, haben wir dann mit Buganker und Heckleinen angelegt. Zum ersten Mal in unserem Leben und das auch noch mit einem neuen Boot. Ein Glanzstück war das nicht, aber es hat beim ersten Mal geklappt.
Der Ort ist selbst jetzt im Frühjahr touristisch bereits stark frequentiert. Die Pier war abends voll und belebt. Ein Eis haben wir uns nach dem Anleger auch mal gegönnt. Liegegebühr für Nomade: 7,39 € pro Nacht.

Einfahrt nach Poros.

Hier wären wir gerne länger geblieben, aber uns hat es stark nach Norden gezogen. Denn es hat ja nicht nur Nomade in Griechenland auf uns gewartet! Also haben wir am nächsten Morgen erneut die Leinen gelöst und sind aus dieser wunderschönen Bucht hinaus in den Saronischen Golf abgebogen. 29 Seemeilen unter Maschine lagen vor uns. Auf passenden Wind warten, hätten wir uns nicht erlauben können, denn so langsam wurde die Zeit knapp. Also haben wir mit Yanna, der netten Dame, die sich in den letzten Monaten so liebevoll um Filou gekümmert und alles organisiert  hat, abgemacht, ihn in Athen, bzw. der Marina Zea in Piräus an Bord zu nehmen.
Die Fahrt dorthin kann man unter „unspektakulär und wunderschön“ verbuchen. Ein schnurrender Volvo, wenig Verkehr auf See und so eine Gelassenheit, dass wir abwechselnd im Cockpit gesteuert und gedöst haben.

Athen taucht am Horizont auf.

Das Anlegemanöver in der Marina mit Mooringleinen und Heckleinen war wieder eine Premiere und kann unter Hafenkino verbucht werden. Nachdem wir uns per Funk angemeldet hatten, wurde Nomade von einem Mitarbeiter im Marinaboot abgeholt und zu ihrem Platz begleitet. Den Liegeplatz hat er uns frühzeitig gezeigt und am Steg stand ein weiterer Mitarbeiter bereit um die Mooringleine anzugeben. Leider war mein Bremsmanöver sowas von gnadenlos zu spät, dass ich gute 3 Plätze weiter erst zum stehen gekommen bin. Wie war das noch mit den 17 Tonnen Stahl? Da muss ich mich noch dran gewöhnen.
Nach dem verpatzten Aufstopper habe ich Nomade gedreht, was bei ungünstigem Seitenwind und wenig Platz eine gefühlte Ewigkeit gedauert hat. Der gemäßigte Langkiel hat hier zum ersten Mal einen ziemlichen Nachteil bei Seitenwind auf den Bug aufgezeigt. Er drückt ihn weg und das Heck bleibt durch viel Lateralfläche wie festgenagelt stehen.
Also, kurz allen Stolz beiseite geschoben und dem Mariniero im Boot „PLEASE PUSH THE BOW.“ zugerufen. Das hat er offenbar nicht zum ersten Mal gemacht und gut dosiert mit seinem Boot den Bug in die richtige Richtung gedrückt. Mit dem Behelfsbugstrahlruder war es nach der Wende auch kein Problem mehr, rückwärts in die Lücke zu manövrieren.
Sabrina nach dem Anleger: „Ich will ein Bugstrahlruder!“
Finde ich Klasse, will ich nämlich jetzt auch.
Die Marina ist übrigens wirklich top. Alles sehr gepflegt, unheimlich hilfsbereit und gut gelegen. Preis pro Nacht für Nomade: 54 €, ohne Strom, ohne Wasser, ohne Wifi. *Autsch*

Aber man muss das ja immer gesamtheitlich betrachten und sich ein wenig schön reden, dann ist das schon ok. Jedenfalls haben wir etwas Baumaterial für Nomade von der Marina geschenkt und kostenlos ans Boot geliefert bekommen. Mit dem Taxi in den nächsten Baumarkt zu fahren wäre wieder ein riesen Akt geworden und hätte auch nicht wenig Geld gekostet. Von daher.

Achso, die Überschrift dieses Beitrags muss auch noch kurz mit einem Bild aus Kilada erklärt werden. Sieht man ja nicht so oft, einen doppelten Regenbogen bei dem Anfang und Ende sichtbar sind. Damit dürfte die alte Legende vom Topf mit Gold am unsichtbaren Ende des Regenbogens wohl geklärt sein. Wobei, nachgeschaut haben wir nicht…

Wie wir die Genua repariert haben und wie Filou an Bord gekommen ist, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

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Startschwierigkeiten

Wo fang ich an, wo hör ich auf? In allen Einzelheiten wiederzugeben was in den letzten 3 Wochen passiert ist, ist kaum noch möglich. Ich versuche deshalb eine knappe Zusammenfassung.
Zeit zum schreiben hatte ich hier in Kilada bisher noch nicht, denn mit Nomade gab es viel mehr Probleme als erwartet. Ich bin von einer Baustelle zur nächsten gehastet und auf dem Weg dorthin über neue gestolpert. Das war tagelang unglaublich frustrierend, wenn du den ganzen Tag am Schiff arbeitest und abends eine längere To-Do-Liste als am Morgen hast. So ging das zwei Wochen lang. 16 Stunden fürs Schiff, der Rest für Essen und Schlafen. So ungefähr.

Damit ihr eine ungefähre Vorstellung habt, was sich alles als defekt heraus gestellt hat, hier eine (nicht vollständige) Liste. Etwa 90 % dieser Geräte, Systeme oder Bauteile habe ich bereits repariert, erneuert oder gegen etwas anderes ausgetauscht:

Starterbatterie – defekt
Batterie Ankerwinsch – defekt
Ladegerät – defekt
Lichtmaschinenregler – defekt
Verschlussklappe Niedergang – defekt
Klappe Ankerkasten – defekt
Ankerkette – stark verrostet
diverse Beschläge an Deck und Rigg – defekt
Dieselkocher – defekt
Außenborder – defekt
Echolot – defekt
Ruderlagengeber – defekt
Motorabschaltung – defekt
Toilette – defekt
Seeventil Toilette – defekt
Wassertank – verdreckt
Entlüftungsrohr Wassertank – verstopft
Messrohr Wassertank – verkalkt
große Kühlbox – defekt
Dampferlicht – defekt
12V Buchsen Salon – defekt
Seewasserpumpe – undicht
Abgassystem – undicht
Loggeber – undicht
Segelkopf Besan – defekt
diverse Lampen unter Deck – defekt
UKW Antenne – defekt
Tankanzeige Haupttank – defekt

Neben all diesen Problemen und der Bürokratie hatte ich dann noch jede Menge Arbeit mit dem Stahl. Ich habe jede einzelne Roststelle am Unterwasserschiff überarbeitet. Geflext, mit einer Terco-Scheibe bearbeitet und dem Stahl einen 2k Farbaufbau verpasst. Am Ende dann Antifouling drauf. Das ganze hat etwa eine Woche gedauert. War allerdings, im Gegensatz zu den Überraschungen, auch so eingeplant.
Daneben hat Nomade eine ganze Menge neue Elektrik und Elektronik bekommen. Ein ordentliches Seefunkgerät und neue Antennen, einen AIS Transponder (die Positionsseite wird demnächst noch dahingehend überarbeitet), eine neue Solaranlage, viele viele Kleinteile und neue Schrauben an unzähligen Stellen, Bordcomputer usw.

Der Laderaum ist mittlerweile auch gut mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln gefüllt und genug Diesel hat das Schiff auch. Nur der Kocher läuft noch nicht und ein undichter Simmering an der Seewasserpumpe muss noch ausgetauscht werden.
Mit dem Simmering hat mir mein Papa in letzter Minute aus der Patsche geholfen. Diesen Fehler habe ich nämlich erst nach einer langen Testrunde um die nächste Insel bemerkt, als Wasser in der Bilge unter der Maschine stand.
Eine Stunde nachdem ich die Teilenummer hatte und mein Papa den nächsten Volvo Penta Händler in der Nähe unseres Heimatorts ausfindig gemacht hat, lagen zwei Simmeringe in Sabrinas Koffer. Am nächsten Mittag waren sie bereits in Athen, also Sabrina und die Simmeringe. ;-)

Diese Ersatzteile hier zu besorgen, wäre sicherlich kein Spaß geworden. Bereits an einer neuen Ankerkette hat es gehapert. Ich habe nur noch ein 40m Reststück bekommen, für mehr hätte ich beim Händler hier im Ort mindestens bis Ende April warten müssen. Also hat Nomade jetzt 40m neue Kette und dahinter angeschäkelt, 20m des noch guten Teils der alten Kette. Nicht gerade mein Traum, aber besser als nix.

Ihr merkt, es gab viel zu tun, es gibt noch viel zu tun und ich kann euch sagen, es gab Tage, da hatte ich wirklich keine Lust mehr! Ich hab so manches mal geflucht…
Verflucht hab ich Nomade allerdings nie. Uns war ja auch im Vorfeld klar, dass wir uns auf eine Baustelle einlassen und trotz der Schwierigkeiten fühle ich mich pudelwohl an Bord. Seit sie im Wasser ist, noch mehr.
Denn neben all den negativen Überraschungen gab es auch einige positive. Allen voran ist das die Manövrierbarkeit des Schiffs. Ich hatte echt Bammel vor dem Moment als sie ins Wasser kam und ich für alles allein verantwortlich war. Die Festmacher gleichen, im Gegensatz zu denen bei Eos, eher Trossen und die Fender sind hüfthoch. Mal eben gegen den Wind abdrücken ist nicht und wenn man zum ersten Mal den Fuß vom Land aufs Schiff setzt, fühlt sich das wirklich merkwürdig an. Sie bewegt sich nicht. Irgendwie ungewohnt. Liegt einfach da. Nichtmal wenn starke Fallböen durch die Bucht in der wir vor Anker liegen fetzen, legt sie sich auf die Seite oder wackelt.
Was die Steuerung angeht war ich angenehm überrascht. Einhand Ankern ist auch bei Wind kein Problem. Man hat für alles viel mehr Zeit. Jedes Manöver läuft langsamer und ruhiger ab, weil es eben dauert, bis sich 17 Tonnen Stahl in Bewegung setzen. Mir gefällt das bisher und ich bin schon gespannt wie Nomade unter Segeln läuft.
Unter Maschine jedenfalls klappt alles besser als erwartet. Und wo wir schon mal bei der Maschine sind. Auch wenn der Volvo noch an diversen Stellen rumzickt, im Kern scheint er ein solider Geselle zu sein. Springt schneller an als der modernere Diesel in unserem Auto und läuft wunderbar rund und qualmfrei.

Seit Freitag Abend ist nun auch Sabrina an Bord und fühlt sich trotz Baustellen wohl. Sie werkelt bereits an den Segeln, das ist ein Gutes Zeichen, denke ich.

Sabrina testet das Dinghi mit dem reparierten Motor.

Noch ein paar Tage werden wir in dieser wunderschönen Bucht hier werkeln, dann sollte Nomade startklar sein. Auch für Filou ist bereits alles an Bord und sobald Nomade ihre ersten Probetörns bestanden hat, kann er endlich Crewmitglied werden.

Kurz vor dem Kranen. Nomade hängt im 110 Tonnen Lift der Werft.

Die Bucht von Kilada und Nomade.

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Letzte Vorbereitungen

Koffer ist gepackt, Rucksack ebenso und drei Pakete mit Ausrüstung sind bereits seit letzter Woche mit der Post auf dem Weg nach Griechenland.
Heute war ich noch zur Kontrolle bei meiner Zahnärztin. Alles bestens!
Jetzt sind es nur noch zwei Tage, bevor die Reise wieder beginnt und so langsam werde ich wirklich hibbelig.
Der Aufbruch ins Ungewisse, zum wiederholten Male und diesmal doch ganz anders. Im Gegensatz zu den Reisen mit Eos in den letzten drei Jahren weiß ich nicht was mich mit Nomade erwartet. Alles ist graue Theorie, vieles noch nicht genau bekannt. Denn auch wenn ich bereits zweimal im Shipyard an Bord war, so ist Nomade doch um einiges komplexer als Eos und ich habe noch nicht alles zu einhundert Prozent durchleuchtet.
Bevor Nomade allerdings zurück in ihr Element kommt, habe ich noch zwei Wochen Zeit, um sie dafür fit zu machen. Wenn nicht irgendetwas ganz gravierendes dazwischen kommt, sollte das auch gut machbar sein.
Am 7. April wird sie dann mit dem Travellift ins Wasser gesetzt. Beim Gedanken daran kribbelt es bereits. Eine Mischung aus großer Anspannung und riesiger Vorfreude.
Sobald der Volvo dann läuft und die Leinen los sind beginnt das Abenteuer. Ich werde am Anfang mit Nomade allein sein und bin schon sehr gespannt wie die ersten Manöver mit ihr so gehen. Ich hab einen riesigen Respekt vor diesem Schiff, das kann ich euch sagen!

Eine Woche nachdem Nomade ins Meer gesetzt wurde, wird Sabrina in Athen ankommen. Dann bringe ich den Mietwagen zurück zum Flughafen und wir werden gemeinsam mit einer Fähre, dem Flying Dolphin, zurück zum Schiff fahren.
Anschließend steht ein längerer Törn nach Norden an. Wir wollen zusammen in den Golf von Euböa segeln, um Filou abzuholen. Die lange Autofahrt auf die Peloponnes bleibt ihm so erspart. Sabrina kann es kaum erwarten ihn endlich zu sehen.
Ab dann ist alles offen und vieles wird davon abhängen wie sich Filou an Bord fühlt. Alles step by step und nichts überstürzen…
Vermutlich werden wir die drei Wochen, in denen Sabrina an Bord ist, überwiegend im Golf verbringen und kleine, sehr kleine Törns bei ruhigem Wetter segeln, um Filou langsam an das Bordleben zu gewöhnen.

Am Samstag bringt mich Sabrina zum Flughafen. Wird Zeit dass es endlich los geht!

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Videoupdate #38

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Der Trend geht zum Zweitboot

In drei Wochen sitze ich, wenn alles klappt, im Flugzeug nach Griechenland. One Way! Zurück geht es dann mit Nomade und mit Filou.
Ich habe in den letzten Wochen fast alles erledigt, die To-Do Liste ist tatsächlich kleiner geworden und ich bin guter Dinge, dass ich in den letzten Tagen vor dem Flug sogar noch etwas Freizeit haben werde. Ein guter Grund kurzfristig noch ein kleines Zwischenprojekt einzuschieben, oder was meint ihr?

Um es kurz zu machen: Ich habe letzte Woche ein Segelboot gekauft!

Darüber nachgedacht haben wir schon etwas länger. Es fing damit an, dass wir etwas gesucht haben, auf das wir ausweichen können, sobald Nomade zur Großbaustelle geworden ist und das Refit startet. Wir haben auch mal wieder über Wohnwagen und Wohnmobil nachgedacht, sind aber letztendlich doch wieder beim Segelboot gelandet.
Passt einfach am besten. Denn mit Nomade werden wir wohl eine ganze Weile keinen Törn machen, sobald da einmal reingerissen ist.
So ein kleines, trailerbares Bötchen dagegen ist schnell mal ans Meer oder woanders hin gezogen und ins Wasser gelassen.
Auch gefällt uns die Vorstellung tagsüber an Nomade zu arbeiten und abends in einem gemütlichen kleinen Boot im Hafen einzuschlummern.

Also Zweitboot!

Noch dazu hat es mir überhaupt nicht gefallen, dass ich schon wieder das Privileg bekomme, lange mit dem Boot unterwegs zu sein, während Sabrina auf dem Trockenen sitzt. Sie ist jetzt jedenfalls ziemlich happy und ich lege mich ins Zeug, damit das Boot fertig ist, bevor ich weg bin.
Es ist zwar grundsätzlich in einem guten Zustand und komplett, aber trotzdem muss ein bisschen was gemacht werden, damit es wieder erstklassig im Wasser liegt…

Und so sieht er aus, der NAUTIC PLAST HAI 590. Einen neuen Namen hat er auch bekommen!

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