Carcassonne und wie es weiter ging

IMG_5664Am 30.04. fahre ich, mal wieder bei Regen, nach Carcassonne. Mittlerweile bin ich dieses Wetter gewohnt. Habe mein Zelt über den Mast gelegt und stehe darunter, dick eingepackt in Ölzeug. In Südfrankreich, ein paar Stunden vorm 1. Mai.
Die wenigen Schleusen bis Carcassonne sind schnell gemacht. An einer treffe ich auf Metin, den Schleusenmeister. Wir unterhalten uns zunächst auf Englisch, dann meint er, dass sein Deutsch wesentlich besser sei und wir plaudern über seine Zeit in Bremen, Frankreich und den Job am Kanal. Hätte gerne länger dauern können, aber ich muss weiter und mache gegen Mittag endlich in Carcassonne fest.
Geschafft!
Carcassonne war mein großes Ziel dieser Reise für den 30. April. Hier wollte ich mich mit Sabrina treffen.
Am Abend kommt sie, nach einem 1.300 Kilometer Nonstop Etmal, mit unserem Auto hier an. Endlich wieder zu Zweit an Bord!

Die Zeit nach dem Wiedersehen wurde allerdings von der Nachricht über den plötzlichen, unglaublich frühen Tod eines guten Freundes überschattet. Die Stimmung an Bord ist stark getrübt. Wir bleiben noch zwei Tage im Hafen und fahren dann mit gemischten Gefühlen weiter in Richtung Mittelmeer. Sabrina mit dem Auto von Schleuse zu Schleuse nebenher, oder ich im Auto und Sabrina mit Eos im Canal-du-Midi.
Es fällt schwer, Spaß dabei zu haben. Trotzdem freuen wir uns über die kurze Zeit gemeinsam.
Sabrina fährt Eos zum ersten Mal Einhand und obwohl sie schon lange nicht mehr mit ihr unterwegs war, klappt alles wunderbar.
Nur der Tag an den Schleusen in Beziers läuft überhaupt nicht rund. Wir brauchen etwa 5 Stunden für die Schleusentreppe und die anschließende einzelne Schleuse im Ortskern. In den 5 Stunden müssen wir etwa 4 Stunden warten. Koordination? Information? Fehlanzeige.
Das Gelände um die Treppe selbst ist eine große Baustelle, komplett abgeriegelt, mit hohen, abgeschlossenen Zäunen. Sabrina braucht etwa eine Stunde, um zum Boot zu kommen. Es gelingt am Ende nur, weil der Kapitän einer großen Peniche sie mit seinem Schiff von der einen zur anderen Seite übersetzt.
Am Ende dieses Tages, am 05. Mai, erreichen wir im Prinzip das Mittelmeer. Eos wird an den Erdnägeln, etwa 1,5 Kilometer vom Meer entfernt, im Kanal festgebunden und wir bleiben zwei Tage hier, bevor Sabrina wieder mit dem Auto zurück nach Deutschland fährt.

Ich überlege, ob ich Eos eine Weile allein im Kanal lasse und mit zurück fahre, aber entscheide mich schließlich schweren Herzens dagegen und bleibe an Bord.

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Besuch an Bord

IMG_5469 KatzeAls ich noch in Toulouse im Hafen lag, hatte ich unerwarteten Besuch. Sie hat mir kurz einen Schreck eingejagt, als sie mich mit ihren großen, blauen Augen durch das Fenster angestarrt hat. Eine schnuckelige, dreifarbige Katze.
Bleiben wollte sie nicht und ist kurze Zeit später wieder von Bord gegangen. Ich konnte ihr auf die Schnelle auch nichts anbieten. Auf so einen Besuch war ich einfach nicht vorbereitet.
Am nächsten Tag habe ich eine kleine Menge Katzenfutter besorgt, falls der Streuner oder die Streunerin nochmal wiederkommen sollte, um anzuheuern. Aber ich habe vergeblich gewartet. Das hübsche Tier hat sich leider nicht nochmal blicken lassen.

Also bin ich am 27.04. wieder los. Raus aus Toulouse und vorbei an einer Schlange von Dauerliegern. Kilometerlang lagen die Penichen am Kanalufer. Manche hatten ihre beste Zeit schon lange hinter sich, manche waren auch wunderschön restauriert und zu einem Haus auf dem Wasser umgebaut.
Bis auf die Penichen, einer defekten Schleuse und einer Grundberührung mittig im Fahrwasser, hatte der Tag nichts spektakuläres zu bieten. Die Grundberührung hatte ich kurz vor einer Schleuse. Zum Glück war der Propeller bereits ausgekuppelt und Eos nicht mehr allzu schnell. Das Boot stand mehr oder weniger sofort und ich wäre fast in die Kajüte gepurzelt. An der Stelle war das Wasser vielleicht noch einen dreiviertel Meter tief. Wir saßen mit beiden Kielen auf Grund. Nur das linke Drittel des Kanals war noch befahrbar. Erkennen konnte man das im Vorfeld nicht. Eos ließ sich mit etwas Gas wieder zurück fahren. Dann ging es vorsichtig weiter.
Am Abend war ich in Negra und habe an einem kleinen Stadtanleger übernachtet.

Der 28.04. war der Tag, an dem ich endlich die Scheitelhaltung erreicht habe. Der höchste Punkt des Kanals, auf etwa 190 Metern über dem Meer. Ich hatte mir ehrlich gesagt mehr davon versprochen. Es soll ein Denkmal für den Erbauer geben. Gesehen habe ich davon nichts. Die Anlegemöglichkeiten sind auch eher bescheiden. Der Kanal ist in der Scheitelhaltung so schmal, das man nur kurz vor der Schleuse Platz hätte, ohne jemanden zu behindern. Dieser Platz ist allerdings für Boote vorgesehen, die geschleust werden wollen. An einer anderen Stelle war das Ufer viel zu flach für Eos. Also bin ich weiter gefahren, habe mich aber trotzdem sehr gefreut, oben angekommen zu sein. Mit der Schleuse L’Ocean hatte ich sie hinter mir, die letzte Schleuse nach oben. Ab jetzt geht es bis zum Mittelmeer nur noch bergab. Das ist wesentlich leichter, als Einhand in den kleinen Schleusen aufwärts zu fahren.

Leider hat sich während meiner Fahrt durch die Scheitelhaltung langsam raus kristallisiert, dass ich an diesem Tag nicht mehr den nächsten Hafen erreichen kann und wahrscheinlich irgendwo im Niemandsland festmachen muss.
Aber es kam mal wieder anders. Ich habe vor der ersten Schleuse nach unten zunächst festgemacht und meine Leinen umgebaut, um Eos leichter abwärts bringen zu können. Anschließend bin ich in die Kammer gefahren. Wie gewohnt allein. Während ich Eos an der Mittelleine an einem Poller halte, sagt der Schleusenmeister vor sich hin: „Zwei Boote.“
Tatsächlich, hinter mir taucht eine Motoryacht auf und schiebt eine ordentlich Bugwelle vor sich her. Eine Premiere. Die erste Schleuse, in der ich nicht allein bin. An Bord der Yacht, zwei Freunde aus England. Der Anleger in der Schleuse war schnell und richtig gut. Die beiden haben ihr Boot im Griff und hinter uns schließt sich das Tor.
Während es nach unten geht, erzählen sie mir, dass sie heute unbedingt noch zum nächsten Hafen nach Castelnaudary wollen.
Wir besprechen uns kurz und als sich das Tor öffnet, ist die Motoryacht und Eos bereits in Bewegung. Ich fahre mit hoher Drehzahl und versuche möglichst dran zu bleiben. Die Motoryacht ist allerdings deutlich schneller. Trotzdem passt der Ablauf perfekt. Die beiden fahren vor, einer springt ab, öffnet die Schleuse. Dann fahren sie in die Kammer und ohne dass Zeit verloren geht komme ich mit Tempo hinterher gefahren. Einer steht dabei schon mit der Hand auf dem Knopf bereit und es geht bereits abwärts, wenn ich gerade eben die Leine um den Poller geworfen habe.
Die beiden sind meine Chance, doch noch den Hafen zu erreichen. Leider haben wir an einer Schleuse Gegenverkehr und müssen warten, ansonsten läuft das Rennen wie geschmiert. Und wo wir schon beim Thema sind, es wechselt eine Menge Bier von der Motoryacht den Besitzer und die Schleusenmeister helfen mit. Die Hoffnung, dass wir ein wenig in den Feierabend überziehen dürfen wächst und wir kommen immer näher an die letzte Schleuse des Tages.
Es klappt, wir werden noch einmal abwärts geschleust und nochmals wechselt Hochprozentiges den Besitzer. Alle sind glücklich und ich fahre nun entspannt hinter der Motoryacht Castelnaudary entgegen.
Als ich dort ankomme, drehe ich noch eine kleine Runde durch den See, bevor ich Eos am Stadtanleger festmache.

Kurze Zeit später steht jemand neben dem Boot und wir kommen ins Gespräch. Hocine ist neugierig, woher ich komme und wohin ich will. Wir reden übers Reisen, Segeln und sind irgendwann bei Peace und U2. Die Wellenlänge stimmt und ich komme spät in die Kajüte.
Am nächsten Morgen steht Hocine vor Eos und ich gucke verschlafen aus dem Boot. Dachte zuerst, er wollte nur Tschüss sagen, aber nein, er will mit!
Ich überlege kurz und sage schließlich: Ja!
Während ich Eos startklar mache, besorgt er noch Jacke, Mütze und etwas Proviant für den Tag und wir gehen, nach einer kurzen Einweisung, gemeinsam auf die nächste Etappe. Für Hocine die erste Fahrt an Bord einer Segelyacht.
Durch die Schleusen kommen wir heute super schnell. Ab jetzt muss ich sie auch nicht mehr selbst bedienen. Ab Castelnaudary sind bis zum Mittelmeer noch an allen Schleusen Schleusenmeister. Durch Hocine erfahre ich heute auch viel mehr. Denn er bekommt natürlich viel schneller die unterschiedlichsten Infos von den Leuten am Kanal, als ich das mit Fremdsprachen sonst schaffe.
So vergeht die Fahrt fast wie im Flug, bei tollem Wetter und interessanten Gesprächen.

Abends machen wir die Leinen in Bram fest, quatschen noch eine Weile und Hocine geht schließlich wieder von Bord und fährt mit dem Bus zurück nach Castelnaudary.

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Weiter durch Südfrankreich

IMG_5185Mir war nicht langweilig in letzter Zeit. Merkt ihr wahrscheinlich daran, dass der letzte Bericht schon eine ganze Weile her ist.
Die Fahrt mit Eos durch Südfrankreich lässt mir nicht viel Zeit für irgend etwas anderes. Ich fahre früh los und mache meistens erst spät nachmittags irgendwo die Leinen fest. Wo das ist, kann ich manchmal planen, manchmal macht mir auch irgendetwas einen Strich durch die Rechnung. Es kommt vor, dass mal eine Schleuse nicht funktioniert oder ich mit Menschen am Ufer ins Gespräch komme. Dann wieder regnet es häufig, so dass ich schon ein, zwei Stunden früher festmache oder ein Anleger ist schlicht weg so belegt, dass kein Platz mehr für Eos ist. Das kam allerdings nur einmal vor, ansonsten sind die Anleger und kleinen Häfen eher ziemlich unterbelegt.
So ist fast jeder Tag ausgefüllt mit Überraschungen und abends bleibt nur noch wenig Zeit zum Gegend erkunden, Essen kochen, nach Hause telefonieren und der Wartung am Boot.
Aber es geht mir gut im Garonne-Seitenkanal. Er ist wunderschön und wenig befahren. Bis zum Ende des Kanals in Toulouse taucht hinter Eos nicht ein einziges anderes Boot auf. Auch vor uns fährt niemand. Nur ganz selten kommt mal ein Hausboot entgegen. Sehr selten…
In allen 53 Schleusen bis Toulouse bin ich allein. Damit hätte ich im Vorfeld nicht gerechnet. Aber immer wieder komme ich mit Menschen an den Schleusen ins Gespräch und manchmal auch mit Mitarbeitern vom VNF, die gerade etwas an einer Schleuse reparieren. Anrufen muss ich wegen eines Ausfalls an Schleusen beim VNF in der Zeit nur drei mal. Es geht dann immer ziemlich schnell, bis jemand kommt und das Problem recht zügig beseitigt.
Fast alle Schleusen bediene ich selbst und es macht mir Spaß. Die Schleusen bringen Abwechslung und geben mir die Chance, mich ein wenig zu bewegen. Denn meinem Rücken tut das permante Stehen an der Ruderpinne überhaupt nicht gut. Aber anders geht es nicht. Die Fahrrinne ist schmal und man muss ständig aufpassen, nicht gegen einen im Wasser liegenden Baumstamm zu fahren.

Ich komme bis Toulouse an vielen kleinen Orten vorbei. Manchmal würde ich gerne ein, zwei Tage bleiben, um mehr von der Gegend zu sehen. Aber selbst die kurzen Ausflüge neben dem Kanal lohnen sich. Tourismus ist nur wenig vorhanden. Das gefällt mir.

In der Gegend um Moissac erlebe ich einen der schönsten Tage bis dahin. Ich fahre mit Eos eine ganze Zeit lang auf einem der Jakobswege und treffe viele Pilger. Unter anderem eine Gruppe aus Straßburg, drei Freunde aus dem Elsass und eine junge Pilgerin, die mich überreden wollte, doch mit nach Santiago zu kommen. Aber ich bin nicht schwach geworden. Habe, wenn auch schweren Herzens, meinen Kurs beibehalten.
Die Blicke mancher Pilger hättet ihr sehen sollen. So weit weg von Santiago spricht dich sonst eigentlich kaum jemand an, erkennt fast niemand, was du vor dir hast. Ich bin dann jedes mal, wenn ich Pilger gesehen habe, ganz langsam ran ans Ufer, hab gegrüßt und dann nur mit dem Finger in die Richtung gezeigt und gefragt: „Camino de Santiago?“
Wie sich der Gesichtsausdruck plötzlich verändert hat. Unbeschreiblich…
Und ich hatte ständig nen Kloß im Hals. War für eine Weile wieder ein bisschen Pilger. Viele schöne, leider viel zu kurze, Begegnungen waren das.

Wenige Tage später, am 24.04. komme ich schließlich abends in Toulouse an. Ich fahre gleich in den Canal du Midi, denn der erste Hafen ist eher eine Art Abstellplatz für ein paar wenige Boote, sonst ist dort nichts, außer der Autobahn nebenan. Also mache ich nach den ersten drei Schleusen in diesem Kanal im Hafen Saint-Sauveur fest und kann kurz vor Feierabend noch so gerade eben eine Dusche ergattern. Dann ist Pause angesagt. Garonne-Seitenkanal geschafft, Canal-du-Midi voraus.

Ich habe ihn genießen können, den Kanal neben der Garonne. Trotz viel Regen und wenig Sonne. Er hat es mir angetan, mit seinen alten Bäumen am Ufer, der Ruhe und den kleinen Orten und Anlegern.

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On the road again…

IMG_20160429_170503 NaviGerade mal 4 Wochen ist es her, dass ich Nico und Eos in Port Medoc allein gelassen habe und zurück nach Deutschland gefahren bin. Für mich vergingen diese Wochen recht schnell, auf der Arbeit bin ich gut abgelenkt und an den Wochenenden habe ich schon wieder Besorgungen gemacht für Eos. Ab und zu konnten wir skypen, aber es ist natürlich trotzdem nicht das Gleiche.
Manchmal hat Nico so viel an einem Tag erlebt, dass er es gar nicht alles in der kurzen Zeit erzählen konnte. Zum Glück ist es nur eine absehbare Zeit und jetzt kann ich erst mal für eine Woche wieder mit an Bord. Vorher liegen allerdings erstmal 1257 Kilometer dazwischen. Diesmal versuche ich es ohne Übernachtung.
Der Modus ist startklar, alles gepackt und Musik zum munter bleiben (nach dem Motto: sing along and stay awake) ist vorbereitet, jetzt heißt es: Früh ins Bett, früh los und gut ankommen :-)

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Castets-en-Dorthe – Lagruère

IMG_5137 Schleuse Garonne Seitenkanal19.04.2016

Vignette ist gekauft, es geht los! Ich bin etwas aufgeregt. Heute soll ich also zum ersten Mal, ganz allein durch eine Schleuse. Ohne Schleusenwärter und ohne fremde Hilfe.
Bei der ersten Schleuse bekomme ich allerdings noch Unterstützung. Der Hafenmeister aus Castets-en-Dorthe lässt es sich nicht nehmen, mit dem Fahrrad bis zur Schleuse nebenher zu fahren und in der Kammer meine Leinen anzunehmen, um die Poller zu legen und sich um die Vorleine zu kümmern, während ich die Heckleine nachführe. Klappt wunderbar und geht ziemlich schnell. Eos liegt dabei hinten in der Kammer. Dort ist das Wasser relativ ruhig.
Die ganze Aktion dauert von Einfahrt bis Ausfahrt genau 12 Minuten, inklusive Smalltalk und Verabschiedung. Eos wird dabei um 3,32m angehoben.
Weiter geht es durch den Kanal, der sich jetzt so präsentiert, wie ich ihn von Fotos aus den Büchern kenne. Wunderschön anzusehen ist das. So langsam werden die Bäume immer grüner und die Landschaft zieht im Schneckentempo an mir vorbei. Leider ist der Kanal in manchen Abschnitten mit Algen und Pflanzen zugewuchert. Bis an die Wasseroberfläche reicht das Kraut stellenweise und bremst uns aus. Die Geschwindigkeit sackt ab und Eos wühlt sich durch den grünen Unterwasserwald. Ich mache mir sorgen um die Kühlung und den Propeller. Es funktioniert aber alles ohne Probleme. Nur ab und zu zieht Eos in eine Richtung, wenn wir uns einen Algenbatzen mit einem der Kiele eingefangen haben.
Nach einer Weile bin ich vor der nächsten Schleuse. Man muss vor der Kammer einen Stab, der an einem Seil quer über den Kanal hängt, eine Viertelumdrehung nach rechts drehen. Damit fordert man die Schleuse an. Je nach dem, ob die Kammer leer oder gefüllt ist, muss man mehr oder weniger lange warten.
Ich habe Glück, die Kammer ist leer, die Tore öffnen sich und die Ampel schaltet auf grün. Langsam fahre ich Eos hinein, mache mit der Mittelleine an der Leiter fest, schnappe mir Vor- und Achterleine und klettere damit nach oben. Dort lege ich die Leinen um die Poller, klettere wieder runter, belege dort an den jeweiligen Klampen an Deck, löse die Mittelleine wieder von der Leiter und habe das Glück, dass jemand für mich den Knopf oben drückt und ich nicht nochmal hochklettern muss.
Jetzt schließen sich die Tore hinter Eos und das Wasser schießt vorne in die Kammer. Ich nehme während der Schleusung immer wieder die Achterleine dicht und halte Eos damit schön nah an der Wand. Geht ziemlich gut. Anschließend Leinen lösen und raus fahren.

Weiter geht’s. Weiter durch den Algenwald und der nächsten Schleuse entgegen. Hier bin ich nun wirklich ganz allein. Und auch hier wieder: Aufstoppen, Mittelleine an die Leiter, hochklettern, runterklettern, hochklettern, Eos halten, rausfahren. Geht viel einfacher als gedacht, wie sich heute gezeigt hat. Im Laufe des Tages sehe ich der ganzen Schleuserei recht entspannt entgegen. Ich werde schneller und gelassener. Es läuft wirklich gut und ich bin mit der Zeit über jede Schleuse froh, bringt sie doch Abwechslung in die Kanalfahrt.

Abends mache ich an einem Minianleger mit Restaurant in Lagruère fest. Eigentlich muss man hier für die Nacht bezahlen und bekommt Strom und Wasser. Allerdings liegt noch das Laub vom letzten Herbst und niemand ist da. Ok, dann halt kostenlos und abgeschieden.

Das einzige was Eos heute Probleme bereitet hat, war das Kraut im Kanal und die geringe Wassertiefe vor dem Anleger. Ich komme nicht näher als einen halben Meter heran, dann sitze ich mit einem Kiel auf.

21,9 Seemeilen und 8 Schleusen geschafft.

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Hafentage in Castets-en-Dorthe

IMG_5055 Garonne-SeitenkanalSonntag, 17. und Montag, 18.04.2016

An diesen Tagen wollte ich Eos ein wenig auf den Kanal vorbereiten. EPIRB und Funkgerät kommen wieder raus aus der Jacke und über den Mast spanne ich eine Art Bimini, gegen Sonne und Regen. Waschtag ist ebenfalls und das einigermaßen klare Wasser im Kanal wird genutzt, um den Rumpf mit der Kamera zu begutachten. Das Antifouling sieht wirklich spitze aus. Bis auf die Unterseite der Kiele ist kein nennenswerter Bewuchs erkennbar. Nur der Propeller sieht wirklich bescheiden aus. Neben einem Mikroriff macht mir etwas anderes allerdings größere Sorgen. Die Opferanode ist nahezu vollkommen aufgelöst. Viel früher als sonst, ist nur noch ein winziger Rest übrig. Man kann es natürlich auch positiv sehen: Optimale Materialausnutzung, sozusagen.
Es nützt also nichts, ich muss ins Wasser. Darf man hier eigentlich nicht, wegen starker Mikrobenbelastung. Aber mir bleibt keine Wahl. Ohne die Anode geht es nicht. Das Wasser hat 16°C, also ziehe ich mir den Neoprenanzug an. Socken, Handschuhe, Taucherbrille mit Sehstärkenkorrektur und einen Bleigurt habe ich auch. Also eigentlich ein recht komfortabler Tauchgang. Klappt auch alles ohne Probleme. Die Anode ist schnell gewechselt und der Propeller mit einem Spachtel von allem Bewuchs befreit.

Der Ort, an dem ich diesmal gestrandet bin, ist übrigens ziemlich kurios. Fast wie im Schlaraffenland. Ich hab keine Dusche, ich hab ein richtiges kleines Bad im Hafen! Wenn man möchte, dann bringt einem der Hafenmeister morgens um halb 9 frisches Baguette oder Croissants ans Boot, viel früher steht hier keiner auf. Der Liegeplatz und alles drum herum sind echt schön. Aber dreimal am Tag passiert etwas wirklich merkwürdiges. Es kündigt sich bereits lange vorher durch eine Art Klopfen an. Das Klopfen kommt von einem Stock. Dann kommt zunächst ein alter Hund vorbei getrottet. Danach ein alter Mann an einem Stock und zuletzt eine struppige Katze! Eine Prozession ist das…
Achso, wenn man hier einen Fisch angeln möchte, braucht man nur kurz einen Köder ins Wasser halten und schon beißt ein großer Hecht an, oder ein Wels. Dauert nur einen Augenblick und man kann eine ganze Woche davon essen. Hab es gefilmt…

Ansonsten bastel ich weiter an Eos herum. Nur Kleinigkeiten. Viele Kleinigkeiten, die nötig sind, um das Gesamtsystem in gutem Zustand am Laufen zu halten. Ein wenig Törnplanung mache ich ebenfalls, laufe auch mal zur nächsten Schleuse, der ersten automatischen, und schaue mir alles genau an.

Dienstag will ich weiter.

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Schwieriger als gedacht

IMG_5010 GaronneSamstag, 16.04.2016

Heute ist der Tag, an dem meine Törnplanung nicht ganz aufgeht. Der Wettergott, oder wer auch immer, macht mir einen Strich durch die Rechnung.
Meine Abfahrtszeit in Begles sollte 12 Uhr sein. Dann müsste der Strom kippen, also von Ebbe auf Flut wechseln und wieder bergauf fließen. Tut er allerdings erst etwa 30 Minuten später. Stillwasser gibt es im Prinzip kein nennenswertes. Das geht hier ziemlich zackig. Ich löse die Leinen um genau 12:28 Uhr, der Bukh läuft da bereits eine Weile und wir können gleich mit hoher Drehzahl starten.
Am Anfang geht es noch ganz entspannt zu. Der Strom schiebt uns ordentlich, aber ich lasse mich nicht davon täuschen. Mir ist bewusst, dass die Flutwelle bei Nipp nicht bis nach Castets-en-Dorthe reichen wird, also fahre ich gleich von Anfang an mit 2.600 U/min. Das mache ich eigentlich nur ungern. Der Propeller läuft da nicht mehr im Optimalbereich. Es ist laut und man verbraucht deutlich mehr Diesel. Aber es geht nicht anders. Um 17:30 sind wir bei der Schleuse zum Kanal angemeldet. Sabrina hat das in die Hand genommen und mit dem Schleusenwärter gesprochen. Er wird die Schleuse so vorbereiten, dass ich direkt aus dem Fahrwasser in die Kammer kann.
Nach einer Weile fängt es an zu regnen. Und wie es regnet. Eigentlich war wieder nur mal ab und zu ein kleiner Schauer gemeldet. Aber es hört nicht mehr auf zu regnen, den ganzen Tag lang nicht mehr. Ich hole mir irgendwann einen Eimer. Den stelle ich vor den Niedergang, setz mich darauf und improvisiere damit einen Innensteuerstand unter der Sprayhood. Eos steuere ich über die Tasten am Autopiloten.

Die Garonne wird derweil immer schmaler und Eos langsamer. Der Zeitpunkt, an dem wir nicht mehr geschoben werden, kommt viel früher als erwartet. Meine Kalkulation fängt an zu kippen und die Ankunftszeit verschiebt sich immer weiter nach hinten.
Während das Flussufer immer näher rückt und die verschlafen wirkenden Dörfer an mir vorbei ziehen, werde ich so langsam etwas nervös. In letzter Zeit ist in weiten Teilen Frankreichs viel Regen gefallen. Sollte der mir jetzt zum Verhängnis werden?
Immer mehr Wasser kommt uns entgegen. Als die Geschwindigkeit auf unter 4 Knoten fällt, erhöhe ich die Drehzahl noch einmal auf 2.800 U/min. Das sind nur noch 200 Umdrehungen unter der maximal möglichen Drehzahl. Und ich fahre jetzt anders. Raus aus dem Fahrwasser und auf die Innenseiten der Kurven, so dicht wie möglich ans Ufer. Beides mache ich nicht gerne, aber eine andere Chance gibt es nicht. Einen Hafen, einen Anleger oder sonst etwas zum festmachen gibt es auch nicht. Der Anker wäre die einzige Chance. In einem schmalen Fluss, den ich nicht kenne, mit starker Strömung und Untiefen, auch keine besonders erstrebenswerte Lösung.
Also ran an die Innenseite und im Wechsel die Augen aufs Wasser, Echolot und Geschwindigkeit. Weit innen sind wir glatt einen Knoten schneller, noch dazu sparen wir Wegstrecke. So könnte es klappen. Zwar spät, aber es könnte gehen. Ich denke dabei an die Zeit im Rhein. Hier habe ich das auch immer so gemacht, um schneller bergauf zu kommen. Aber im Gegensatz zum Rhein zwischen Wesel und Rees, kenne ich diesen Fluss nicht. Ich hab ein bisschen Bammel und irgendwann passiert es auch. Mit dem Backbordkiel bleibe ich irgendwo hängen. Vielleicht ein ins Wasser gekippter Baum, vielleicht Schlamm. Es fühlt sich so an, als wenn jemand den linken Kiel festhält und Eos zieht sofort in Richtung Ufer. Ich kuppel schnell den Autopiloten aus und ziehe die Pinne zu mir. Gerade noch rechtzeitig! Nach diesem Zwischenfall bin ich etwas vorsichtiger. Wage mich nicht mehr ganz so nah ans Ufer heran.

Mittlerweile fahren wir stellenweise nur noch 3 Knoten über Grund. Sabrina halte ich immer wieder auf dem Laufenden. Irgendwann schätze ich die neue Ankunftszeit auf 18:30 Uhr. Das ist eigentlich zu spät für Sportboote. Normalerweise ist das Zeitfenster zwischen 18 und 19 Uhr für die Berufsschiffe reserviert. Sabrina ruft nochmal beim Schleusenwärter an und gibt ihm die Infos durch. Er meint: Kein Problem. Bis 19 Uhr wartet er auf jeden Fall auf mich und wenn ich noch später ankommen sollte, lässt er die Schleuse offen. Dann soll ich ihn anrufen, wenn ich da bin. Er käme zur Schleuse und würde mir einen Platz zeigen, wo ich über Nacht bleiben kann.

Der Zeitdruck ist damit erst mal weg. Ich bin mal wieder begeistert, wie problemlos das in Frankreich geht.

Also weiter den Fluss hochquälen. Eos und der Bukh tun mir dabei Leid. Es ist ein Krampf. An den Engstellen geht die Geschwindigkeit noch weiter runter. Absoluter Tiefpunkt ist die Gegend um Langon. Nur noch 2 Knoten über Grund, bei etwa 6 Knoten Fahrt durchs Wasser.
4 Seemeilen bis zum Ziel stehen noch auf dem GPS Navigator. Eigentlich ein Katzensprung. Hier und heute nicht. Aber irgendwann haben wir es fast geschafft. Die Schleuse, ich kann sie im Fernglas bereits sehen. Herrlich. Wie ich mich freue. Dazu hört es endlich auf zu regnen. Wie bestellt.
Nur noch eine Brücke, dann vorsichtig raus aus dem starken Strom und rechtzeitig Gas wegnehmen. Die Schleusenanfahrt liegt im Prinzip direkt neben dem Fahrwasser. Als Eos in der Kammer und die Mittelleine fest ist, bin ich überglücklich. Endlich vorbei, die Quälerei auf der Garonne.

Schade, dass es so schwierig war, denn dabei ist die Schönheit der Garonne ein wenig untergegangen. Der Fluss ist noch sehr natürlich und wenig ausgebaut. Fällt ein Baum ins Wasser, dann bleibt er dort liegen. Bis auf ganz wenige Stellen gibt es auch keine Tonnen im Fluss. Und immer wieder treffe ich auf Fischer, die zu ihren Reusen fahren oder mit Netzen fischen.

Als ich in der Schleuse bin, geht alles schnell und einfach. In kürzester Zeit ist Eos oben, im Garonne-Seitenkanal. Endlich!
Die zweite Schleuse liegt nur ein paar hundert Meter hinter der ersten und der Schleusenwärter erklärt mir, dass er auch diese Schleuse noch für mich bedienen wird, damit ich bis zum ersten Hafen kann. Also schnell weiter, aber kurz bevor ich aus der Kammer bin, winkt er mit seinem Handy. „Telefon für dich!“
Ich bin verdutzt, halte Eos so schnell es geht an und er gibt mir sein Handy rüber. Es ist der Hafenmeister. Er will mir erklären, wo ich festmachen kann und meint, dass er nach dem Abendessen, so gegen 20 Uhr, noch zu mir kommt, um mir alles zu erklären und den Schlüssel für die Dusche zu geben.

Nach dem Gespräch geht’s weiter. Auch die Kinder vom Schleusenwärter kommen mit, der Hund ist auch dabei. Eos ist die Attraktion des Tages. Kommt offenbar nicht so oft vor, dass hier ein Segelboot aus Deutschland ankommt und wie sich später zeigen sollte, dass im April überhaupt Boote die Garonne hoch kommen.

Nach der zweiten Schleuse verabschiede ich mich von allen und mache die Leinen klar. Als ich den Platz von weitem sehe, bin ich etwas erschrocken. Nicht weil irgendwas schlecht aussieht, im Gegenteil, der erste Eindruck dieses Hafens ist Top. Nein, hier liegen die Boote mit dem Heck zum Steg und sind vorne an einer Mooringboje fest. Gesehen habe ich das schon oft, in Büchern und Blogs von Fahrtenseglern, aber bisher noch nie selber so festgemacht. Also bin ich zunächst erstmal ganz langsam vorbei gefahren und hab mir in Ruhe überlegt, wie ich in diese Lücke reinkomme und Eos fest kriege.
War dann eigentlich gar nicht so schwierig und hat gut geklappt. Habe sie rückwärts so rein gefahren, dass ich gut mit dem Radeffekt arbeiten konnte und als die Boje am Bug war, schnell eine Leine festgemacht und weiter zurück gesetzt. Das schwierigste war, die Heckleinen am Steg zu befestigen. Klampen gab es nicht, sondern nur so kleine Augbolzen. Übers Heck konnte ich auch nicht so leicht raus, da ist ja gerade alles verbastelt und die Windfahnensteuerung war auch im Weg. Nach ein paar Versuchen hab ich dann doch mit einem Wurf die Leine hinter dem Augbolzen verheddert bekommen.
Danach in Ruhe alles ausgerichtet, essen gekocht, müde geworden.

IMG_20160416_195721 Eos in Castets

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Eos in Bordeaux

IMG_4957 Eos in BordeauxAm 15.04. mache ich vormittags, kurz nach Niedrigwasser, in Pauillac die Leinen los. Diesmal geht nichts kaputt und wir kommen ohne Probleme aus dem Hafen.
Auf der Gironde ist heute ausnahmsweise mal richtig viel Verkehr, jedenfalls für die Verhältnisse dort. Kurz nachdem ich am Rand des Fahrwassers bin, werde ich von einem größeren Schiff überholt und hinter mir bewegen sich gleich zwei der großen A380 Frachter, die zwischen Hamburg und Pauillac Flugzeugteile für den Riesenvogel transportieren. Auch im weiteren Verlauf des Tages begegnen mir immer wieder andere Schiffe. Fähren, Kreuzfahrtschiffe und ein Containerfrachter.
Nach knapp zwei Stunden bin ich in der Garonne. Das Wasser wird klarer, der Fluss ist etwa so breit wie der Rhein. Allerdings ist er nicht so stark kanalisiert. Die Ufer wirken auf mich sehr natürlich. Ins Wasser gekippte Bäume, ein paar Anglerhütten und viele Wasservögel. Auch Flussfischer gibt es hier noch. So etwas habe ich bisher noch nie gesehen. Mitten im Fahrwasser vor mir rudert ein alter Mann ein langes Netz durch den Fluss.
Gegen Mittag sind wir in Bordeaux und es fängt an zu regnen. Ich mache ein paar Fotos, versuche in der kurzen Zeit so viel wie möglich zu sehen. Erst in dem Moment, als ein paar Meter neben mir an Steuerbord langsam diese Stadt vorbei zieht, realisiere ich es so richtig. Eos ist in Bordeaux!

Weiter geht’s. Wir müssen noch durch einen der schmalen Bögen an der „Pont de pierre“, der ältesten Brücke der Stadt. Napoleon Bonaparte war es, der den Bau dieser Steinbrücke angeordnet hat. Sie wirkt beeindruckend, sehr massiv, mit ihren wuchtigen Fundamenten. In wenigen Sekunden sind wir durch, vom starken Gezeitenstrom durchgespült worden. Danach mache ich Leinen und Fender klar und lege kurze Zeit später in Begles an. Den ersten Versuch mit dem Bug flussaufwärts breche ich ab, dafür strömt es noch zu stark bergauf. Also kurz eine Runde gedreht und entspannt gegen den Strom angelegt.
Ein freundlicher Hafenmeister erklärt mir alles und gibt Tipps für die nächste Etappe. Hafenanlagen und Dusche sehr gut, mehr ist hier nicht. Ich bin der einzige Gast im Hafen und auch sonst ist an diesem Abend kein anderer Mensch hier. Nur eine Ente setzt sich spät abends zum schlafen auf den Steg neben Eos.

Gute Nacht.

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Ein schöner Tag in Pauillac

IMG_4864 Pinne gebrochen(Das Folgende hat sich am 13.04. abgespielt.)

Eigentlich war alles vorbereitet für einen Törn nach Begles. Aber es sollte mal wieder anders laufen als geplant.
Der wohl kürzeste Törn mit Eos liegt hinter mir. Leinen fest nach… vielleicht 100 Metern.
Es lief zunächst ab wie im Bilderbuch, trotz ordentlich Strömung aufs Heck. Hab die Ruderpinne fixiert und so ausgetrimmt, dass Eos mit nur einer Leine schön gerade in ihrer Box geblieben ist. Wetter perfekt, Nico hellwach, Bukh auf Betriebstemperatur. Letzte Leine gelöst, Rückwärtsgang rein und die Pinne ausgeklinkt. Der Strom hat heftig geschoben, aber Eos ließ sich wunderbar in die richtige Richtung steuern. Als genug Fahrt im Schiff war und ich weit genug aus der Box raus war, hab ich ausgekuppelt und noch etwas nachgesteuert, dann gab es einen Knall!
Ich hatte die Pinne in der Hand und das ausgerechnet in diesem Hafen! Viel Zeit blieb nicht, sie hat sich sofort weggedreht. Binnen Sekunden ging es wieder vorwärts, oder besser gesagt, seitwärts und Eos hatte Kollisionskurs mit einer Dehler 39 CWS. Der Supergau nahm im Hirn bereits Gestalt an. Ich hab mich nach Abwägung aller Möglichkeiten in dieser einen Sekunde dann spontan für Vollgas entschieden. Eigentlich bin ich sonst der Meinung: Wenn ein Hafenmanöver schief geht, am besten nicht mit dem Gashebel versuchen das Boot doch noch in die richtige Richtung zu zwingen. Meistens gehen solche Manöver dann mit hoher Geschwindigkeit schief. Also besser irgendwo langsam herantreiben, in Ruhe überlegen und eventuell mit Leinen arbeiten.
Heute habe ich es anders gemacht. Volle Fahrt voraus, bloß weg von der Dehler. Unglaublich, wie schwer sich so eine Eos plötzlich steuern lässt, wenn der Hebelarm am Ruder nur noch 20 Zentimeter beträgt. Aber es ging und bevor ich jetzt hier noch ausführlich werde, ich hab sie ohne Kratzer in die Box gebracht. Hab sie sogar noch aufstoppen und sauber ausrichten können. Eos mit den Leinen danach auf die richtige Seite zu bringen und wieder festzumachen hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert.
Obwohl so ein Schaden natürlich übel ist, war der Törn trotzdem einer der besten. Es hätte nämlich alles weitaus schlimmer kommen können!
Die Actioncam lief  übrigens am Geräteträger und hat alles gefilmt!

Warum die Pinne gebrochen ist? Sie war innen morsch.
Merde!

Nach einem Kaffee hab ich mich an den Rechner gesetzt und gegoogelt. Welches Holz brauche ich, was kann ich hier bekommen. Dann noch schnell eine Zeichnung gemacht und oben drauf auf Französisch „Eschenholz“ geschrieben.
Ich wollte mit meiner Zeichnung eigentlich nur kurz bei meinen Nachbarn vorbei schauen und danach in der Capitainerie fragen.
Gerade so vom Ponton runter gekommen bin ich, da grüßt mich ein älterer Herr und fragt, wie es mir geht (ich hatte ihn ein paar Tage zuvor kurz gegrüßt). Ich sage, dass alles gut ist, ich aber ein Stück Eschenholz für eine neue Pinne suche. Keine 5 Minuten später saß ich mit in seinem Auto und wir waren auf dem Weg zum Schreiner Guillet, am anderen Ende von Pauillac. Der Schreiner war leider nicht da und er konnte ihn auch per Telefon nicht erreichen. Also sind wir weiter zum Baumarkt gefahren und haben zusammen nach einem Stück Holz gesucht und gefragt. Es gab aber leider nur Bauholz, mit zu vielen Ästen. Also wieder zurück zum Hafen. Allein die Fahrt war schon ein Erlebnis. Mit Autos kannst du mich ja eigentlich seit Jahren überhaupt nicht mehr locken, aber dieses Schätzchen hatte was. Ein 1970er Rover 3500 V8 in fast perfektem Zustand und mit einem Sound…
So, jetzt aber weiter mit dem Holz. Ich war kurze Zeit später in der Capitainerie. Die nette Mitarbeiterin hat gleich jemanden losgeschickt, um so ein Stück Holz im Lager des Hafens zu besorgen. Leider stellte sich nach einer Weile heraus, dass kein Eschenholz dabei war, aber ich könne gerne mal selber mit im Schuppen schauen, ob vielleicht ein anderes Stück Holz dabei ist, was für eine neue Ruderpinne geeignet ist. Also auf zum Schuppen, kurz gesucht und ein gutes Stück Nadelholz gefunden. Keine Äste, recht schwer und nicht gerissen.

Was das ganze am Ende gekostet hat? Ein Merci Beaucoup, oder zwei, oder Drei!

Anschließend habe ich mir von der S/Y IZAR noch zwei Hobel geliehen und es ging los. Schneiden, Hobeln, Bohren, Schleifen, Versiegeln, Essen, Schlafen, Lackieren, Einbauen…

Freitag will ich hier weg!

Wobei… So langsam gefällt es mir richtig gut in Pauillac.

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Ein Weinmann in Pauillac

IMG_20160412_191534 Weingüter PauillacAm 12.04. wird Pauillac von mir erkundet. Die Ländereien hinter dem Ort beherbergen einige der berühmtesten Weingüter der Welt. Der Boden ist so wertvoll, dass kaum ein Quadratmeter ungenutzt bleibt.
Den Ausflug genieße ich. Wunderbares Wetter, endlich mal wieder ein wenig die Gegend zu Fuß erkunden und vorbei an Châteaus, die Familien wie Rothschild oder Latour gehören.

Ich schreibe diesmal mal nicht viel, sondern lasse die Bilder sprechen, denn ich muss noch ein paar Dinge erledigen. Am nächsten Tag will ich weiter.

Eigentlich…

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