Unwetter, Stillstand und der VNF – Teil 3

Nico und die White Heaven

Foto: Michael Papenburg

Was treibt der VNF eigentlich, wenn Stillstand herrscht? Wer sich das, so wie ich, auch schon mal gefragt hat, bekommt heute eine Teilantwort, wenn auch aus Jugendschutzgründen sehr zurückhaltend und verschachtelt formuliert.
Ich würde diese Geschichte selbst nicht glauben, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte. Aber ihr müsst nicht denken, dass die Schleusenmeister jetzt, wo Stillstand herrscht, die Zeit nutzen, um mal ein bisschen was an den vergammelten Dingern zu machen!? Die machen an ganz anderen Dingern was ganz anderes!
Als ich mit dem Fahrrad in Sichtweite dieser abgelegenen Schleuse kam, habe ich mich zunächst erschrocken, denn ich dachte im ersten Moment ernsthaft, dass dort in der Ferne ein Unfall passiert ist und sich jemand vor Schmerzen auf der frisch gemähten Wiese wälzt. Als ich näher kam, konnte ich erkennen, dass es zwei Personen waren. Jetzt dachte ich an einen Kampf…
Es war natürlich kein Kampf. Die beiden Turteltäubchen hatten ziemlich viel Spaß.
Ich fand es zunächst eigentlich auch ganz Ok. Hey, ich meine, das ist Frankreich. Es ist Sommer, die Hormone spielen verrückt und die Schleuse war abgelegen.
An dieser Szene gab es nur zwei Kleinigkeiten, die mich ein wenig gestört haben: Die vergammelte Schleuse und sein T-Shirt mit den drei großen Buchstaben!
Falls jetzt der Gedanke an Mittagspause aufkommen sollte: NEIN, die war bereits lange vorbei!

Aber ich will mal froh sein, dass der VNF überhaupt etwas unternimmt, um den Erdrutsch zu beseitigen. Nur Samstags nicht und am Sonntag verständlicherweise nicht und zwischen 12 und 14 Uhr auch nicht und in der zweiten Woche auch am Freitag nicht und wegen der EM nicht so richtig und…
Naja, ich kann ja gut verstehen, dass der eine Mensch, der den Bagger bedient und der andere Mensch, der den Lkw fährt auch mal Pause machen wollen und ein Wochenende zum erholen brauchen, aber mal ehrlich, hier steht seit über zwei Wochen nahezu die gesamte Schifffahrt auf dem Rhein-Rhone-Kanal! Einhundertzwölf Schleusen werden kaum noch bewegt! Die Schiffe liegen bis in die Saone runter nach Macon im Hafen und warten! In Richtung Rhein sieht es nicht besser aus. In den Schleusen verrecken die Karpfen und die Restaurantbesitzer zwischen Rhein und Rhone jammern, weil die Kundschaft fehlt! Es ist Hauptsaison und die Leute haben ihre Boote zum Teil verlassen und sind nach Hause. Stillstand!
Und während alles steht, beschäftigt der VNF einen Baggerfahrer und einen Lkw-Fahrer mit einem der schlimmsten Unglücksfälle des Kanals. Besonders „effektiv“ ist vor allem der eine Lkw. Ihr könnt euch denken was der Bagger in der halben Stunde macht, die der Lkw braucht um den Aushub weg zu fahren und zurück zu sein…
Ich würde am liebsten noch mehr von dem erzählen, was ich im Laufe der Zeit hier mitbekommen habe. Aber manches würde man ohnehin kaum glauben können und an anderem könnte ich mir die Finger verbrennen, so lange ich noch in Frankreich bin.

Deshalb jetzt ein Schwenk zum erfreulichen Teil.

Michael hat es einen Tag nach unseren erfolglosen Versuchen doch geschafft einen Schleusenmeister zur kurzzeitigen Öffnung des Sperrtores in Baume-les-Dames zu bewegen. Ich glaube, er wollte auch den schönen Ort Clerval besuchen…
Jedenfalls bin ich sofort los, als mich die Nachricht erreichte. Habe einen Rucksack mit Proviant und Rettungsweste gepackt und das Faltrad, das ich übrigens erst in Macon in einem Decathlon gekauft hatte, startklar gemacht.
Dann ging es los. Fünfzehn Kilometer bin ich geradelt, um Michael wenigstens die Hälfte der Strecke ein wenig zu unterstützen.
In Clerval habe ich auf ihn gewartet. Als er schließlich dort ankam, musste er „leider“ gleich weiter, denn der Anleger war ja nach wie vor gesperrt. Wie wir später erfahren haben, im übrigen bereits seit vielen Jahren! So lange liegen auch die Fingerstege schon neben dem Gebäude der Feuerwehr und sollen repariert werden, aber das ist eine andere Geschichte.

White Heaven kurz vor Clerval
Jedenfalls bin ich in der Schleuse hinter Clerval an Bord und durfte auf der folgenden Strecke auch mal die White Heaven fahren. War eine schöne Tour und hat sehr viel Spaß gemacht.

White Heaven auf dem Doubs Cockpit-Perspektive

Wir waren am späten Nachmittag in L’Isle-sur-le-Doubs. Eckhard und Annemarie standen da auch schon am Hafen und haben uns begrüßt.
Nachdem die Leinen fest waren, hat es nicht lange gedauert, bis der VNF um die Ecke kam. Die Mitarbeiterin bekam fast Schnappatmung, als sie das Schiff gesehen hat.

Eos und White Heaven in L'Isle-sur-le-Doubs
Dann haben wir uns hier eingerichtet.
Ich bin in den folgenden Tagen mehrmals täglich zur Unfallstelle geradelt, um den Fortschritt zu dokumentieren. Mittlerweile sind die Baggerarbeiten auch abgeschlossen. Die Strecke bleibt trotzdem gesperrt, denn es gibt ein weiteres Problem in Schleuse 19, wie sich vor kurzem herausgestellt hat. Dort wird nun seit heute auch gearbeitet. Wann es weiter geht, ist also immer noch nicht klar. Der VNF macht zwar Angaben zur Öffnung der Passage, hängt aber jedes mal ein „vielleicht“ hinten dran. Deshalb gebe ich diese Schätzungen hier auch nicht wieder. Also abwarten…

Zum Schluß noch eine Panorama-Fotoserie der Räumungsarbeiten an der Unglücksstelle (Jeden Tag ein Foto):

Erdrutsch 2016-06-30 Erdrutsch 2016-07-02 Erdrutsch 2016-07-03 Erdrutsch 2016-07-04 Erdrutsch 2016-07-05 Erdrutsch 2016-07-06 Erdrutsch 2016-07-07 Erdrutsch 2016-07-08 Erdrutsch 2016-07-09 Erdrutsch 2016-07-10 Erdrutsch 2016-07-11 Erdrutsch 2016-07-12

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Unwetter, Stillstand und der VNF – Teil 2

Mit dem Fahrrad auf dem Weg zum ErdrutschZwei Nächte bleibe ich mit Eos an der Schleuse liegen, bevor der Pegel endlich wieder fällt und der VNF die Schifffahrt auf dem Doubs freigibt. Aber es dauert an diesem 27. Juni bis zum Nachmittag, bevor sich der Verwaltungsapparat in Bewegung gesetzt und den „grünen Knopf“ gedrückt hat.
Während dieser Wartephase begegne ich ihr zum ersten Mal. Sie, die Schleusenmeisterin, gegen die ich vermutlich im Armdrücken verlieren würde, macht mir unmissverständlich, aber eigentlich grundlos klar, wer hier an dieser Schleuse der Boss ist. Revier markiert, ich dackel ab und warte. Und warte… und warte…
Sie macht Mittagspause…

In der Zwischenzeit treffe ich den Schleusenmeister, der (Achtung) das Schleusenhaus an dieser Schleuse bewohnt, aber für eine andere Schleuse zuständig ist und frage ihn, weil er im Gegensatz zu seiner Kollegin Englisch spricht, ob er denn wüsste, wann es weiter geht. Kurze Antwort: „Nein“
Meine nächste Frage: „Wissen sie etwas von einer zweiwöchigen Sperrung des Kanals in L’Isle-sur-le-Doubs?“
Seine Antwort war eine Gegenfrage: „Wer behauptet denn so etwas!?“
Ich: „Das hat mir ihre Kollegin erzählt.“
Er: „Also, wenn hier um die Ecke der Kanal für zwei Wochen gesperrt wäre, dann wüsste ich das! Da müsste schon ein Schleusentor brechen oder etwas schlimmeres passieren, damit hier zwei Wochen nichts mehr geht. Glauben sie so einen Unfug nicht!“

Ich bin beruhigt und warte weiter. Irgendwann kommt Sie wieder, schaltet die Anlage ein, sagt mir kurz bescheid und ist weg. Ich sprinte mit Eos los. Den Bukh hatte ich da bereits auf Betriebstemperatur vorgehalten. Man weiß ja nie.
Also hoch mit Eos, raus aus der Schleuse und mit Vollgas den immer noch stark strömenden Doubs stromaufwärts schleichen. Dann die nächste Schleuse. Läuft problemlos. Anschließend nur noch eine weitere Schleuse und ich wäre im Kanal. Aber sie funktioniert nicht!
Also festmachen am Warteponton, hoch laufen… Kennt ihr ja mittlerweile.
Nach einer Weile taucht hinter mir ein anderes Schiff auf. Zu groß, um an Eos längsseits festzumachen. Also laufe ich wieder nach oben, um dem VNF zu sagen, dass mittlerweile zwei Schiffe im Fluß warten. Man erzählt mir wieder etwas von „Twenty Minutes“. Wie immer. Beim VNF dauert alles „Twenty Minutes“!
Als ich wieder zurück beim Boot bin, fährt die Motoryacht an mir vorbei und macht in der Schleuse fest. Macht Sinn. Am Heck lese ich den Heimathafen: Düsseldorf.
Ja Hallo, jemand aus der Heimat. Also laufe ich wieder nach oben zur Schleuse und komme mit Silke & Michael ins Gespräch. Wir tauschen uns kurz über die Schleusenkammer aus und die beiden probieren ein paar Tricks. Irgendwann funktioniert die Anlage wieder. Ich fahre allerdings nicht mit Eos hinein, sondern lass die beiden alleine nach oben. In der Zwischenzeit ist Sie auch da. Die Schleusenmeisterin, die ich bereits kenne. Viel Palaver. Ich lass sie stehen und geh zurück zum Boot.
Irgendwann ist dann auch Eos oben und nach einem kurzen Stück im Kanal bin ich neben der „White Heaven“ von Silke & Michael fest.

Eos in Baume-les-DamesEs folgt ein Nachmittag mit vielen Gesprächen vor Ort. So langsam werden aus Gerüchten Tatsachen, später dominieren wieder die Gerüchte. Ich telefoniere, höre mich um und verlege Eos am Abend schließlich in eine ruhigere Ecke, an das hintere Ende dieses Stadtanlegers in Baume-les-Dames.
Es gab tatsächlich einen Erdrutsch im Kanal vor mir und es ist Fakt, dass es eine ganze Weile dauern wird, bis es weiter geht.

Ich bin ziemlich traurig an diesem Abend. Kann es kaum noch fassen, wie unmöglich dieser Weg wird, umso weiter ich fahre und frage mich, ob ich hier richtig bin. Ist es vielleicht das, was ich hier oben, so kurz vor der Scheitelhaltung finden sollte? Die Erkenntnis, dass Eos hier nicht hin gehört?
Ich werde das Gefühl nicht los, das umso näher ich dem Gipfelpunkt der Reise komme, umso mehr irgendetwas versucht, mich davon abzuhalten.
Hätte ich doch besser zurück segeln sollen?

Am nächsten Tag dann mehr Gerüchte als Tatsachen. Es kursieren Zeitangaben zur Sperrung zwischen 2 Wochen und 3 Monaten. Beim VNF weiß auch keiner richtig bescheid. Nur eins ist klar: Das Sperrtor zur nächsten Passage ist geschlossen, die Anlage abgeschaltet.

Also denke ich über einen Rückzug mit anschließendem Umweg über andere Kanäle nach. Bevor ich allerdings eine Entscheidung treffe, wollte ich wenigstens wissen, wo der Kanal genau gesperrt ist und ob an der Unglücksstelle gearbeitet wird. Da vom VNF auch am folgenden Tage kaum verlässliche Infos zu bekommen sind, bin ich am 30. Juni mit einem Rad vom örtlichen Fahrradverleih selbst dorthin gefahren. Was anderes als Fahrräder gibt’s hier nicht. Kein Bus, kein Mietwagen, Roller oder Motorrad. Zug wäre noch möglich gewesen, aber von dem hat mir die Mitarbeiterin im Tourismusbüro abgeraten, wegen Ausfällen und der zerstörten Bahntrasse. Also das Rad, war mir sowieso am liebsten…
85 Kilometer standen am Abend auf dem „Tacho“ und ich war platt! Habe ja hier keine Kondition mehr. Michael ist mit seinem Elektrorad auch mitgefahren und auf dem Rückweg musste er ab und zu auf mich warten. Mein Muskel-Akku war da bereits kurz vor Brennschluss, während er noch einen zweiten Lithium-Akku dabei hatte.

Erdrutsch in L'Isle-sur-le-Doubs
Die Unglücksstelle sah leider sehr bescheiden aus und ist schwer zugänglich. Wenn man das Foto sieht, könnte man meinen, es wäre nicht so schlimm, tatsächlich ist aber der Kanal auf 50m Länge so mit Geröll zugeschüttet und so flach, das man mit Gummistiefeln von der einen zur anderen Seite gehen könnte.
Aber ein Bagger auf einem Ponton und ein Lkw standen immerhin schon bereit. Die ersten Bäume waren auch bereits geborgen und zerlegt.
Im Hafen vor der Unglücksstelle war Platz. Hier waren nur zwei Dauerlieger festgemacht. Also habe ich mich für Weiterfahren entschieden und einen Tag später den VNF dazu gebracht, das Tor in Baume-les-Dames kurz für Eos zu öffnen und mich in den eigentlich gesperrten Bereich zu lassen.
Es war eine lange Diskussion und es hat auch nur geklappt, weil ich nicht alles erzählt habe. Geschwindelt habe ich auch nicht, denn ich wollte ja wirklich den schönen Ort Clerval besuchen, zumindest kurz. Ganz kurz. Und da ich wegen der Radtour entlang der Strecke wusste, dass alle Schleusen innerhalb des gesperrten Bereichs in Betrieb waren hatte ich die Hoffnung, dass es vielleicht klappen könnte.
Die ersten Schleusen funktionieren auch problemlos. Als ich schließlich in Clerval bin und mit meiner Fernbedienung die Anlage hinter dem Ort aktiviert habe, da hatte ich allerdings ein wenig bammel, dass man mich an der Schleuse danach stoppen könnte. Eine Ausrede hatte ich aber auch schon parat, denn der Stadtanleger in Clerval war ja offiziell gesperrt. Das wusste nur der VNF in Baume-les-Dames nicht…

Jedenfalls war Eos an diesem Abend 14 Schleusen weiter. Leinen fest in L’Isle-sur-le-Doubs. Tagesziel erreicht. Es gab vor Ort nur ein wenig Gefuchtel mit dem erhobenen VNF Zeigefinger, mehr nicht.
Yeah!!!

Eos in L'Isle-sur-le-Doubs
Kaum sind die Leinen fest, kommt jemand vorbei und sagt nicht Bonjour, sondern Hallo. Eckhard steht neben mir und fragt mich nach dem Woher und Wohin. Eckhard ist jemand, den man im ersten Moment für den liebenswürdigen Hausmeister von nebenan halten könnte. Einer, der nicht viel quatscht, sondern macht. Auch mit über Siebzig hat er fast jeden Tag den Arbeitsanzug an und ist in Aktion. Erst nach und nach erfährt man, wer Eckhard wirklich ist. Er erzählt mir von den Jura-Vipern in dieser Region, die in der Lage sind einen Menschen zu töten, wenn man nicht aufpasst. Das kommt zwar nur noch selten vor, aber diese Schlangen sind durchaus gefährlich. Davon lese ich dann auch nochmal zwei Tage später in einem Buch, das mir Michael in die Hand drückt. Auch in diesem Buch findet man etwas über Eckhard.
Später erfahre ich dann noch ganz nebenbei vom Master of Science in Mathematik und Physik, der Zeit als Pilot bei der Luftwaffe der Bundeswehr, der genauesten mechanischen Kirchturmuhr in Südfrankreich und noch viel mehr. Eine Lebensgeschichte, über die man ein Buch schreiben könnte. Allein die Sache mit der Transall und den beiden MiG-17… Leute, Leute…

Mit Eckhard am Sperrtor in Baume-les-Dames
Aber bleiben wir in der Gegenwart, Eckhard betreibt zusammen mit seiner Frau Annemarie das Hotel „Maison au canal“ hier in L’Isle-sur-le-Doubs. Es liegt direkt am Kanal, kurz vor der Schleuse. Also gegenüber von Eos. Ich habe das Glück, dass ich über Eckhards Router per Wifi ins Internet darf und liege nur knapp 2 Kilometer vor der Baustelle am Kanal. Jetzt bin ich optimal mit Infos versorgt.

Ich erzähle Eckhard natürlich auch von den Problemen mit dem VNF und der Idee, die White Heaven von Michael so schnell wie möglich hier her zu holen. Also bietet er mir am nächsten Tag an, mich zurück nach Baume-les-Dames zu fahren. Ich will Michael bei der Aktion helfen, da seine Frau Silke in den ohnehin geplanten Heimaturlaub ist und er das 15 Meter lange Schiff noch nicht Einhand geschleust hat.
Ich gebe Michael bescheid, schonmal alles vorzubereiten und bin gegen Mittag wieder im letzten Hafen. Das Gespräch mit dem VNF führt Eckhard für uns. Er spricht perfekt Französisch. Die Gegenseite klingt ein wenig überrumpelt und will so gleich einen Schleusenmeister vorbei schicken. „Twenty Minutes“!
Also legen wir den Bügel, damit die White Heaven durch die Brücken passt und machen die Leinen los. Michael fährt sein Schiff bis zum Sperrtor und wir warten. Twenty Minutes, dreißig Minuten, vierzig Minuten. Nichts passiert. Also setzt er mich am Tor ab und ich fange am Telefonkasten eine lange Diskussion mit dem VNF an. Ergebnis: Verwirrung, Gelaber, falsche Behauptungen!
Wir setzen zurück, machen wieder fest, kontaktieren Eckhard, der schon wieder mit dem Auto auf dem Rückweg ist. Er will nochmal beim VNF anfragen. Es vergeht Zeit. Irgendwann kommt von Eckhard die Info, dass der VNF nach der Mittagspause einen Schleusenmeister vorbei schickt, um das Tor zu öffnen.
Die Mittagspause ist lang. Sehr lang. Und dann sehen wir endlich das Auto vom VNF. Als ich erkenne wer aussteigt, sacke ich innerlich zusammen. Sie ist es!
Ich versuche es zunächst ganz sachlich, sogar auf Französisch (ja, so langsam wird’s). Aber gegen Sie habe ich keine Chance. Irgendwann wird sie laut, ich auch, jetzt driftet das Gespräch langsam ab in Richtung Spanisch. Wir trennen uns in etwa so:
Ich: „Das Schiff fährt nach L’Isle-sur-le-Doubs und zwar heute!!!“
Sie: „Das Schiff bleibt hier und zwar drei Wochen!!!“

Ich dackel wieder ab. Es ist klar, wer hier der Boss ist.

Michael und ich entwickeln noch eine Strategie für den nächsten Tag, trinken eine Cola, dann mache ich mich auf den Fußweg zum Bahnhof. Dort schaue ich auf den Plan und sehe, dass der Zug in zwei Minuten fährt! Ich buche panikartig durch gefühlte 23 Untermenüs in Französisch an einem Ticketautomaten eine Fahrkarte nach L’Isle-sur-le-Doubs und bin stolz wie Oskar. Ja, es wird wirklich, ist aber in diesem Einzelfall vermutlich dem Adrenalin zu verdanken.
Danach warte ich. Es kommt kein Zug. Dann finde ich den Ersatzplan und bin froh, dass bald ein Zug kommt. Dann finde ich den Ausnahmeplan für den 3. Juli für den Ersatzplan der Woche vom… Ach lassen wir das. Es gab jedenfalls wirklich einen Ersatzplan vom Ersatzplan und demnach fährt erst heute Abend wieder ein Zug, allerdings nur bis Clerval. Von dort aus soll dann ein Bus eine Sonderfahrt machen.
Clerval… Wollte ich ja sowieso besuchen…

Fahrkarte gebucht! Komme ich heute noch zurück zu Eos?

Naja, ich bin dann zunächst zurück zur White Heaven. Dort haben Michael und ich etwa eine Stunde lang zusammen über den VNF geflucht. Dann wieder zurück zum Bahnhof, Zug bekommen, Bus in Clerval bekommen.
Eckhard kam mir kurz vorm Hafen zufällig entgegen, hat mich fragend angeschaut und am Ende die Hände überm Kopf zusammen geschlagen.

Wie es Michael gelungen ist sich einen Tag später durch das Sperrtor zu mogeln, warum ich dann doch noch die White Heaven gefahren bin und was so manch ein Schleusenmeister treibt, wenn gerade Stillstand herrscht, erfahrt ihr wahrscheinlich im nächsten Beitrag.

Bis dahin könnt ihr ja mal bei Silke & Michael vorbei schauen: Ferienaufdemwasser.eu

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Unwetter, Stillstand und der VNF – Teil 1

IMG_7139Am 23.06. lief es noch ganz gut. Ich bin an diesem Tag, trotz zwei defekter Schleusen, 31 Seemeilen weit gekommen. Hab die maximale Schleusenbetriebsdauer ausgenutzt und bin von 8 Uhr bis 20 Uhr gefahren. Kurz vor Besancon war dann Schluss und ich habe Eos am Warteponton, unmittelbar vor der Schleuse festgemacht.
An diesem Tag hatte ich auch eine interessante Begegnung mit jemandem, der mit dem Fahrrad unterwegs ist und schon einige Reisen hinter sich hat. Ich treffe Irineo aus Leipzig vor einer kaputten Schleuse und wir kommen ins Gespräch. Er fährt mit seinem Rad nach Lissabon und hat einiges zu erzählen. Leider ist die Zeit viel zu kurz.

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Die Schleuse wurde irgendwann repariert und hinter mir kommt langsam eine Peniche näher. Irineo füllt sich noch schnell die Trinkflaschen mit Wasser von Eos auf, wir tauschen E-Mail Adressen aus und es geht weiter. Bis zu diesem Warteponton vor Besancon. Die Stelle liegt zwar nah an der Stadt, aber spät abends ist hier niemand mehr, so dass ich ungestört im Cockpit mit einem Eimer Wasser duschen kann.

Am 24.06. aktiviere ich mit meiner Fernbedienung die Schleuse vor mir, löse die Leinen und fahre auf die Kammer zu. Die Tore öffnen sich, die Ampel springt auf Grün und kurz bevor ich da bin, auf Doppelrot. Schleuse gesperrt! Also aufstoppen, umdrehen, wieder festmachen, hoch laufen, defekte Schleuse melden, warten…
Irgendwann kommt der Schleusenmeister und bringt das Ding wieder in Gang. Als die Anlage wieder läuft, kommt von oben ein Boot. Das schleust er als erstes manuell nach unten, was auch völlig in Ordnung ist. Die Anfahrt auf die Schleuse aus dem Oberlauf ist nicht einfach, weil man direkt am Wehr vorbei fährt und aufpassen muss, nicht dort runter zu rutschen. Deshalb wird dieses Boot zuerst geschleust.
Als es durch ist, mache ich mich wieder bereit, will gerade die Leinen lösen, da stellt der Meister vom VNF die Anlage wieder auf Doppelrot. Ich wundere mich, denn er macht daraufhin nichts anderes, als mit einem Staubwedel die Geländer von Spinnweben zu befreien. Das geht eine ganze Weile so und ich werde langsam ungeduldig. Irgendwann ist er mit dem Schleusenputz fertig, trottet zu seinem Auto, packt den Staubwedel ein, dreht und fährt in aller Seelenruhe weg! Die Schleuse noch auf Doppelrot! Ich sprinte vom Anleger nach oben, denn er muss daran vorbei, und stehe jetzt auf der Straße. Als er mich sieht, geht er in die Eisen, dreht wieder, fährt zügig zurück, rennt zum Häuschen, schaltet die Schleuse auf Grün und dackelt ab.
Eine Stunde gewartet, zum Teil sinnlos. Ich bin entsprechend genervt, löse die Leinen und fahre endlich in die Schleuse.
Die drauf folgende Schleuse ist auch nicht Ordnung. An diesem Tag komme ich nicht weit und nehme den erstbesten Anleger im Doubs. Ich muss noch Wäsche waschen und ein paar Kleinigkeiten erledigen.

Die Nacht an diesem Anleger im Doubs wird ziemlich ungemütlich. Es war zwar viel Regen vorhergesagt, aber es bleibt nicht nur dabei. Mitten in der Nacht wird es stürmisch. So stürmisch, dass selbst auf diesem kleinen Fluss ein leichter Seegang entsteht. Ich hole nur noch die Flagge in die Kajüte und hoffe, dass mein improvisiertes Bimini den heftigen Wind überlebt. Das Unwetter tobt die ganze Nacht. Es blitzt und donnert und es kommen Wassermengen vom Himmel, wie ich es noch nie vorher erlebt habe. Ich schlafe irgendwann trotzdem ein und als ich am nächsten morgen aufwache, strahlt die Sonne wieder vom Himmel.
Es kommt aber bereits Kleinholz den Doubs runter und der Pegel ist innerhalb der letzten Stunden um etwa einen halben Meter gestiegen. Da ahne ich bereits böses.
Also zügig los und Meilen machen. Ich will heute bis zum Hafen in Baume-les-Dames.
Der Gegenstrom hat gegenüber dem Vortag bereits etwas zugelegt, ich komme aber trotzdem noch gut vorwärts. Allerdings nicht lange. Das Wasser steigt unheimlich schnell an. Viel schneller als ich es erwartet hätte. Nach etwa 2 Stunden fällt die Geschwindigkeit auf unter 2 Knoten über Grund. Da bin ich bereits dicht am Ufer auf der Innenseite und weiche immer öfter Baumstämmen aus. Das Wasser schießt regelrecht rechts und links aus den steilen Berghängen in den Fluss hinein.

Hochwasser Doubs
Ich erlebe jetzt hautnah, was ich sonst nur aus Fernsehberichten kenne und bin erschrocken, wie rasend schnell so ein gemütlicher Fluss im Mittelgebirge zum reißenden Strom werden kann.

Hochwasser Doubs 2
Die Ansteuerung der nächsten Schleuse wird jetzt richtig schwierig. Direkt unterhalb vom Wehr bilden sich Strudel und das Wasser ist extrem unruhig. Das Boot lässt sich nur noch schwer auf Kurs halten. Aber ich schaffe es ohne Kratzer in die Schleusenkammer.
Während ich Eos zügig nach oben schleuse, um keine Zeit zu verlieren, fluche ich vor mich hin! Ausgerechnet im längsten Flussstück des Rhein-Rhone-Kanals trifft mich das schlimmste Hochwasser. Es gibt meilenweit, bis Baume-les-Dames, kein Kanalstück mehr. Und ich ärgere mich über den VNF, der die Hoheit über die Schleusen hat. Ich ärgere mich, weil sie, obwohl sie die Pegel im Oberlauf live sehen und die Schifffahrt permanent überwachen, die letzte Schleuse vor dem langen Stück im Doubs überhaupt frei gegeben haben! Hier hat sich die Gefährlichkeit einer trägen Behörde live gezeigt.
Die nächste Schleuse ist leider wieder defekt. Ich gebe die Meldung ab und muss zunächst warten. Aber ich bin froh über die kaputte Schleuse, denn jetzt kann ich wenigstens einen Schleusenwärter fragen, ob die Passage bis zum nächsten Hafen überhaupt noch machbar ist, oder ob ich besser umdrehe.
Der Schleusenwärter meint, dass ich vielleicht bis Baume-les-Dames komme, ist sich aber nicht sicher. Zurück wäre auch keine gute Idee, denn die Zufahrten vor den Schleusen sind so kurz und zum Teil bereits überspült, das Gefahr besteht, übers Wehr gezogen zu werden. Also schnell weiter.

IMG_7137 Hochwasser Doubs
Das Wasser steigt währenddessen unaufhörlich und mittlerweile zieht das nächste Unwetter über uns her. Ich komme kaum noch vorwärts, muss ständig Baumstämmen ausweichen und habe zum ersten Mal Angst um Eos. Das kannte ich bisher noch nicht. Wenn es auf See mal ruppig wurde, da hatte ich bammel, dass Sabrina oder mir selbst was passiert. Aber Angst um Eos hatte ich da nie. Ich wusste, dass unser Boot den Seegang und alles andere wegstecken würde.
Aber jetzt hatte ich Angst um mein Boot. Immer öfter schaffe ich es nicht mehr dem Holz auszuweichen und es knallt entsprechend. Meistens nur am Rumpf, zweimal erwische ich etwas mit dem Propeller.
Ich selbst würde hier jederzeit ohne große Schwierigkeiten raus kommen. Die Offshore-Weste habe ich sowieso fast immer an und das Ufer ist nicht weit entfernt. Aber was mache ich mit Eos, wenn ich nicht mehr vorwärts komme? Egal was ich mir überlege, eine hundertprozentig sichere Lösung gäbe es nicht. Also nicht lange grübeln und weiter.
Es dauert lange, bis ich diese nächste Schleuse erreiche. Auch sie funktioniert nicht und ist auf Doppelrot. Ich mache Eos am Warteponton fest und laufe schnell nach oben zum Telefonkasten am Schleusengebäude. Nach wie vor ist die Schifffahrt noch nicht eingestellt und man will schnell jemanden vorbei schicken.
Als der Schleusenmeister dann schließlich da ist, bringt er die Anlage wieder in Gang, lässt mich in die Kammer fahren und schaltet ab.
Man hat den Rhein-Rhone-Kanal jetzt für die Schifffahrt gesperrt. Weiterfahren unmöglich. Auch der Warteponton vor der Schleuse im Unterlauf ist nicht mehr sicher, meint der wirklich kompetente Mann. Deshalb habe er mich in die Kammer geholt, die ein ungewöhnlich hohes vorderes Tor hat. Hier ist Eos sicher und hier soll ich jetzt so lange bleiben, bis sich die Lage wieder beruhigt hat. Er schätzt, dass es etwa drei Tage dauern wird. Dann zeigt er mir noch wo ich Trinkwasser zapfen kann und verabschiedet sich schließlich.

IMG_20160626_084315 Hochwasser Doubs
Wie ich erst Tage später erfahre, war das eines der schlimmsten Unwetter und Hochwasser, welches diese Region je erlebt hat. 18 Städte waren betroffen. Die Regenmengen waren extrem. In L’Isle-sur-le-Doubs hat es fast den gesamten Ort schwer getroffen. Keller liefen voll, Straßen wurden mit Schlamm überspült, ein Haus ist in den Fluß gerutscht und ein Helikopter hat nach Vermissten gesucht.
Die Bahntrasse zwischen Clerval und Belfort wurde so schwer beschädigt, dass der Schienenverkehr auch heute noch nur eingeschränkt funktioniert.

Im Rhein-Rhone-Kanal gab es durch das Unwetter in L’Isle-sur-le-Doubs zwischen Schleuse 25 und 24 einen Erdrutsch. Dort ist auf etwa 50 Meter Länge eine ca. 20 Meter hohe Felswand in den Kanal gestürzt. Bäume sind ebenfalls umgeknickt und blockieren kurz hinter der Schleuse die Durchfahrt.
Auch heute, fast zwei Wochen nach dem Unglück, ist noch nicht klar, wann die Strecke wieder befahrbar ist.

Was in den Tagen danach geschah, warum ich jetzt mit Eos im Hafen von L’Isle-sur-le-Doubs liege und wie es weiter geht, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

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Endlich im Rhein-Rhone-Kanal

IMG_6978Ich merke gerade, dass ich schon wieder im Rückstand mit den Beiträgen bin. Auch wenn momentan Stillstand herrscht, wie ihr vielleicht schon auf der Positionsseite gesehen habt, so hab ich doch jeden Tag genug zu tun. Eos braucht ihre Streicheleinheiten und der VNF und alles drum herum braucht momentan die meiste „Zuwendung“. Aber dazu mehr in den nächsten Tagen. Heute will ich euch kurz von den drei Törns bis zum Rhein-Rhone-Kanal berichten.

In Macon bin ich morgens am 20.06. bei etwa höchstem Pegelstand gestartet. Es kamen nur noch vereinzelt Bäume die Saone runter, es war klar, dass der Pegel nun fallen würde und ich wollte keinen Tag verlieren. Zumindest ein kleines Stück weiter wollte ich heute. Einen See oder ein kurzes Kanalstück hatte ich zum übernachten angepeilt und mich bei starkem Gegenstrom dicht am Ufer entlang nach Norden geschlichen. Der See war leider nur für Angelboote mit Elektromotor freigegeben und da gerade ebensolche dort unterwegs waren, habe ich den Plan lieber geändert. Also weiter zu diesem Kanal. Leider war dort das Wasser noch so hoch, dass die Schleuse überflutet und der Anleger nicht mehr zu gebrauchen war.
Also nochmal den Plan geändert und etwas gemacht, was ich sonst selten mache. Ich habe einer Geschichte geglaubt, die mir ein Skipper aus Bayern erzählt hat. Er meinte, er sei schon mal mit seinem Motorboot, ein Gleiter, bei Hochwasser auf der Saone, einfach übers Wehr gefahren: „Dos passt scho!“
Also weiter und am Anleger in Tournus vorbei. Dort, wo sie alle schon seit Tagen im Päckchen lagen, weil die nächste Schleuse ja gesperrt ist. Die Blicke waren echt gut und kurz darauf klingelt das Handy: „Nico, wo willst du hin? Die Schleuse ist gesperrt!“
„Ich fahre jetzt mit Eos übers Wehr! Das geht, hat mir jemand aus Bayern erzählt!“

IMG_6902 Tournus

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Was soll ich jetzt lange um den heißen Brei reden, es ging! Und es ging leichter als ich gedacht hatte. Die Tore waren ganz unten, so das genug Platz unterm Kiel war und auch die Strömung war beherrschbar.
Ich hab richtig laut gelacht, als ich dort durch war. Eos hatte sie alle überholt! Das kleinste Schiff von allen, war als erstes eine Etappe weiter. Man, was hab ich mich gefreut!
Ich bin danach noch bis spät Abends weiter gefahren. Sogar noch durch Chalon bin ich durch und habe meine Leinen, nach über 34 Seemeilen gegen das Hochwasser, für ein paar Stunden Schlaf bei einem Yachtclub festgemacht. Es lief endlich wieder!

Am nächsten Tag bin ich bis Seurre gefahren und am Tag danach bis kurz vor Dole. Jetzt war ich endlich im Rhein-Rhone-Kanal. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie ich nach der wochenlangen Quälerei gegen dieses dauerhafte Hochwasser gejubelt habe. Ich war fest davon überzeugt, dass nun das Schlimmste hinter mir liegt. Jetzt nur noch die gut 70 Schleusen hoch zur Scheitelhaltung und dann nochmal 40 abwärts bis zum Rhein…

Leider zu früh gefreut, wie sich ein paar Tage später zeigen sollte. Viel zu früh…

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In Macon

Ich war gerade eben, mit Phil Collins im Ohr, erneut in der Capitainerie und hab verlängert: „One more night…“
Mittlerweile macht der Hafenmeister schon jeden Tag seine Scherze und heute meinte er, nachdem ich die Rechnung bezahlt hatte, ich solle noch kurz warten. Dann ging er nach hinten und kam mit einem großen Karton zurück. Ob ich den für all die Rechnungen haben möchte, fragte er. Dabei hat er sich fast scheckig gelacht. Und ich muss sagen, auch ich kann so langsam über dieses anhaltende Hochwasser nur noch lachen. Anders lässt es sich kaum noch ertragen.

Ich bin übrigens mittlerweile seit ein paar Tagen in Macon. Wunderschöner Hafen, nette Menschen, schöne Umgebung.

Nach dem letzten Hochwasser konnte ich an gerade mal 4 Tagen fahren, bevor die nächste, noch schlimmere, Hochwasserwelle da war. Es ging allerdings nur sehr zäh vorwärts, weil immer noch eine Menge Wasser die Rhone hinunter geflossen ist.
Am ersten Tag bin ich so lange wie möglich gefahren und hab abends an einer Kaimauer mit Hilfe der Erdnägel in einem engen, abgelegenen Kanalstück festgemacht. Drei Schiffe kamen in der Nacht mit hohem Tempo vorbei und obwohl ich Eos mit fast allem was zur Verfügung stand abgefendert hatte, ist ein Fender abgerissen und die Reling hat die Spundwand geknutscht. In der Kajüte sah es anschließend aus wie auf einem Schlachtfeld. Auf Seegang war ich irgendwie nicht eingestellt.
Am nächsten Tag bin ich ebenfalls lange gefahren, um so weit wie möglich nach Norden zu kommen. Es ging raus aus der Rhone! Endlich! Vor der letzten Schleuse hat man mich nochmal zappeln lassen. Keine Reaktion auf meinen Funkspruch, keiner ging ans Telefon, keine Änderung der Lichtsignale. Irgendwann bin ich nach oben gelaufen um zu schauen, ob vielleicht ein Schiff nach unten geschleust wird. Aber kein Schiff da. Also wieder zurück zum Boot und hartnäckig gefunkt. Irgendwann hat der Schleusenwärter dann geantwortet und die Schleuse vorbereitet. Nach einer Stunde!
Dann bin ich in die Saone abgebogen und durch Lyon. Mehr als eine Vorbeifahrt, wenn auch eine sehr schöne, war es nicht. Abends dann ein schöner kleiner Anleger bei einem verlassenen Yachtclub und am folgenden Tag erneut früh los, um Macon zu erreichen. Dort kam ich bei weiter steigendem Pegel quälend langsam voran und hab am erstbesten Stadtanleger festgemacht. Nur noch schnell was essen und ab in die Koje!
Am 4. Tag habe ich Eos die knapp 2 Meilen weiter bis zum Hafen in Macon durch den Wald aus Treibholz auf der Saone gefädelt.
Und hier ist nun wieder Stillstand. Keine Bewegung mehr im Hafen, seit Tagen. Die Schleusen sind dicht und die Sperrtore an den Wehren geöffnet. Eine Crew hat bereits den Plan, Nord-Schweden noch in diesem Jahr zu erreichen, aufgegeben und auch das Boot neben mir ist mittlerweile verlassen.

Morgen will ich vielleicht weiter, erzähle ich jeden Tag dem Hafenmeister. Auch darüber lacht er sich jedes mal kaputt und zeigt auf das Angebot für den Jahresvertrag.

Morgen will ich vielleicht weiter…

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Wie kommt man da hoch?

IMG_6467 Baumstämme auf der RhoneKommt man da überhaupt noch hoch, bei solchen Bedingungen? Gemeint ist die Rhône, mit ihrem stetig stärker werdenden Gegenstrom. Eigentlich sollte es mit jedem Kilometer flussaufwärts besser werden, sprich die Fließgeschwindigkeit sollte nachlassen. Würde auch so sein, aber eben nur, bei gleichbleibendem Pegel. Der Pegel ist aber leider nicht konstant, sondern steigt durch die enormen Regenmengen immer weiter an. Und so kommt es, dass es nicht besser, sondern immer schwieriger wird, bergauf zu fahren.
Meine Gedanken kreisen deshalb ständig um die Frage: „Wie komme ich mit Eos da hoch?“
Vor allem, wie komme ich da hoch, ohne zu viel Risiko einzugehen.

Von den Crews, die ich in den Häfen und an Kais treffe, kommen die meisten von Norden und fahren bergab. Ich frage deshalb so oft es geht nach den Bedingungen für meinen nächsten Abschnitt. Was ich dann zu hören bekomme ist selten positiv. Von bis zu 6 Knoten Fließgeschwindigkeit an Engstellen wird da berichtet. Man erzählt mir von viel Treibholz und einem verbogenen Propeller.
Hört sich nicht gerade berauschend an.

Trotzdem werfe ich am 30. Mai den Bukh wieder an und löse nach wirklich langer Warmlaufphase die Leinen. Ich warte deshalb so lange, weil ich den Motor nur wenige Meter hinter dem Steg bereits mit voller Drehzahl belasten muss, um nicht von der Strömung auf die Flachstelle geschoben zu werden. Nach dieser etwas heiklen Ecke geht es endlich wieder vorwärts. Allerdings nur mit gerade mal 1,2kn über Grund. Die paar Meter bis zur nächsten Schleuse ziehen sich wie Kaugummi. Danach geht es, wie fast immer, zunächst ein wenig zügiger weiter. Das liegt daran, dass unmittelbar oberhalb der Schleusen das Wasser am höchsten aufgestaut ist und in der Regel die größte Wassertiefe herrscht. Teilweise zeigt das Echolot bis zu 30 Meter unter dem Kiel an. Bei so einem riesigen Querschnitt ist die Fließgeschwindigkeit entsprechend niedrig. Aber das ändert sich recht schnell und mit jedem Kilometer auf dem Weg zur nächsten Schleuse wird der Gegenstrom stärker.
Dass Eos bei 6kn, mit denen uns das Wasser manchmal entgegen kommt, nicht rückwärts fährt, liegt nur daran, dass ich sie sehr dicht am Ufer halte. Dort fließt das Wasser langsamer als in der Mitte. Ebenso ist es in Kurven auf der Innenseite deutlich langsamer. Und so hangel ich mich entlang. Wechsel häufig die Seiten, suche die optimale Linie und lasse meine Augen in einem Kreis über Wasseroberfläche, Echolot und Geschwindigkeitsanzeige wandern. So wie ich es im Rhein gelernt habe. Das hilft hier sehr. Oft bin ich mit Eos sogar schneller als deutlich größere Boote oder kann wenigstens mithalten.
Manchmal werfe ich auch zusätzlich den kleinen Außenborder an, den ich mittlerweile an einem Hilfsspiegel am Heck montiert habe. Das bringt etwa 0,3kn. So manches Mal das Zünglein an der Waage.
Und so geht es im Schneckentempo bergauf. Etappe für Etappe schleiche ich auf der 2m Tiefenlinie am Rand entlang. Ich stehe fast die gesamte Zeit an der Ruderpinne, um ja nicht irgendeine Untiefe zu übersehen und auf Grund zu laufen. Aber es geht, Eos und ich kommen da hoch!

Zwischenzeitlich „feiere“ ich abends, an einem kleinen Ponton im Strom meinen Geburtstag mit einem Kuchen aus der Dose und komme am 2. Juni sicher in Condrieu an. Ein Hafen, der Schutz vor dem weiter steigendem Wasser bietet. Weiterfahren ist ab hier unmöglich. Es kommen Massen an Wasser, Baumstämmen und Müll die Rhône runter.
In Condrieu ist deshalb seit einer guten Woche Stillstand. Es fahren keine Sportboote mehr und auch die Berufsschifffahrt ist deutlich reduziert.

IMG_6469 Kühlschrank

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Kurzurlaub in Cruas

IMG_0687 Straße nach SüdenVor ein paar Wochen auf dem Heimweg sind mir schon einige Tramper aufgefallen, aber da ich allein unterwegs war, bin ich an ihnen vorbei gefahren.
Dieses mal habe ich jedoch nach einer Gedenksekunde angehalten, als ich die beiden jungen Frauen direkt hinter der ersten Mautstelle habe stehen sehen.
Auf ihrem Schild stand „Lyon“, da komme ich auf jeden Fall hin, die beiden waren mir direkt sympathisch und Englisch konnten sie auch sehr gut. Beste Voraussetzungen, denn es war ein weiter Weg nach Lyon.

Die bisher eintönige Fahrt hatte mich mittlerweile etwas müde gemacht, aber Julianne und Angelique haben mit mir über Gott und die Welt gequatscht und schon war ich wieder munter. Die beiden waren im Kurzurlaub und nun auf dem Heimweg.
Als ich erzähle, dass ich mir für diese Fahrt etwas Sorgen gemacht habe, was das Tanken angeht, da durch Streiks bereits jede dritte Tankstelle in Frankreich geschlossen war, erfahre ich, dass die Situation auf dieser Strecke noch nicht so angespannt sein soll. Tatsächlich war keine Tankstelle an der Autobahn geschlossen, lediglich an einer sollte ich die (begrenzte) Menge im Voraus wählen und bezahlen.
Die Zeit verging viel schneller für mich, als auf den Strecken, die ich allein gefahren bin. In Valence habe ich die beiden Tramperinnen wieder abgesetzt.

In Cruas angekommen, musste ich mich erst mal akklimatisieren. Bei winterlichen 6°C und dickem Nebel bin ich frühmorgens am Niederrhein losgefahren und bei gefühlten 36°C und strahlendem Sonnenschein in Südfrankreich angekommen.
Bis auf einen Tag, sollte das Wetter dann auch so sommerlich bleiben. Die Gegend hat mir sofort gefallen, kleine Dörfer mit engen Gassen, der Liegeplatz mit Blick auf die Rhône, links und rechts umgeben vom Mittelgebirge und wie sollte es auch anders sein, einem Jakobsweg in direkter Nähe.

Da Nico sowieso nur mehr schlecht als recht gegen die starke Strömung ankam, haben wir entschieden diese Tage einfach mal zu genießen. Ein Filmabend, Eisessen im Cockpit, Wanderungen, eine Einladung aufs Nachbarschiff und die Erkundung eines mittelalterlichen Dorfes, haben für reichlich Abwechslung gesorgt.

IMG_0730 CruasDie Ruinen des Mittelalterdorfes sind schon teilweise so weit restauriert, dass sie wieder bewohnbar sind. Die Gemeinde Cruas hat sich das große Ziel gesetzt, in einem 25-30 Jahre dauernden Projekt, das alte Dorf wieder zu beleben, aber es so ursprünglich wie möglich zu belassen. Es war spannend, durch diese dicken, alten Mauern zu wandern und sich vorzustellen, wie es mal ausgesehen hat. Im Gegensatz zur mittelalterlichen Stadt in Carcassonne gibt es hier noch keinen Tourismus. Man kann die alten Gebäuden betreten und alles in Ruhe anschauen.

Nachdem wir unsere Kräfte gut aufgetankt hatten und Eos wieder mit Diesel und Proviant ausgestattet war, haben wir uns auf den Heimweg gemacht. Nico mit Eos auf der Rhône und ich mit dem Auto auf der Strasse.

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Wenns mal wieder länger dauert

IMG_6159 RhoneMeine Laune am Tiefpunkt, der Bukh am Drehzahllimit, Eos nicht weit entfernt von ihrer maximal erreichbaren Rumpfgeschwindigkeit. Trotzdem schwankt die Anzeige auf dem GPS Navigator zwischen 0.0 und 0.1 kn über Grund! So präsentierte sich mir die Rhône stellenweise am ersten Tag.

Zunächst läuft alles noch ganz gut. Leinen entspannt im Kanal gelöst, die erste große Schleuse zur Kleinen Rhône ohne Wartezeit passiert und in eben diesem ruhigen Flussabschnitt, mit gerade einmal 1,5 kn Gegenstrom, sehr gut bergauf gefahren. Hier bin ich noch mit der gleichen Drehzahl wie im Kanal unterwegs gewesen und kam damit vorwärts.
Vorbei war der Spaß dann ab der Einmündung zur Rhône. Obwohl ich sofort auf die Kurveninnenseite bin, kam ich nur noch mit etwa 1,5kn vorwärts. Meine Idee, den Autopiloten endlich wieder für mich fahren lassen, verworfen. Von Hand so nah wie möglich am Ufer entlang steuern war jetzt angesagt, um nicht auf der Stelle zu stehen.
An einer der Brücken habe ich dann etwa eine Viertelstunde gebraucht, um durch zu kommen, an der nächsten stand Eos bereits 100m davor auf der Stelle. Auf der nicht erlaubten Seite ging es dann doch. Wartezeit an der folgenden Schleuse über 2 Stunden. Das Schleusen selbst ist um einiges leichter als in den kleinen Kanalschleusen, denn hier gibt es Schwimmpoller. Per Funk anmelden (nicht zwingend notwendig), rein fahren, anlegen und mit der Mittelleine festmachen, mehr nicht.
Spät Abends mache ich Eos an einem ungeschützten Ponton quer zur Strömung für 25 € die Nacht fest, ohne Quittung. Aber die Dusche war Klasse. Meine erste, seit… ? Ja, seit wann eigentlich? Irgendwo im Canal-du-Midi hatte ich zuletzt geduscht, danach gab es diesen Luxus nicht mehr. Jene Dusche hier wurde mir vom Hafenmeister auch stolz präsentiert und als Preisargument in den Vordergrund gestellt.

Dieser Start in die Rhône hat mir gründlich die Laune verdorben. Die Pegel fingen nach einer etwa zweiwöchigen, sehr ruhigen Phase genau an dem Tag an zu steigen, als ich in den Fluss abgebogen bin. Zum Glück wusste ich zu dieser Zeit noch nicht, das dieses ansteigen nicht auf ein paar Tage begrenzt war, sondern bis in den Juni weiter gehen würde und dort nach unzähligen Unwettern in halb Europa seinen traurigen Höhepunkt finden sollte…

Also bin ich am nächsten Tag weiter, bis zu einem geschützten Hafen, in einem alten Seitenarm. Dann kam der Mistral. Sturm bei blauem Himmel. Absolut faszinierend, aber auch nur ein zwei Tage lang, dann nervt der Mistral einfach nur noch und macht krank. Hervorgebracht wird dieser berühmte Wind durch ein Hochdruckgebiet auf dem Atlantik und ein Tiefdruckgebiet über Zentraleuropa. Die Gegenläufige Drehung der beiden riesigen Windsysteme führt zu einem starken bis stürmischen Wind, der von Nord nach Süd durchs Rhônetal fegt. Er ist unglaublich konstant, kaum böig und während es rund um die Uhr ununterbrochen stürmt, brennt dabei am Tag die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Er trocknet alles aus. Die Böden und auch die Atemwege der Menschen. Am dritten Tag ist die Luftfeuchtigkeit selbst in der Kajüte im Keller und ich bin erkältet. Bei blauem Himmel und 20°C.

Nach ein paar Tagen ist er endlich wieder weg, der Mistral und ich nutze diese kurze Verschnaufpause, um in den folgenden zwei Tagen den nächsten Hafen zu erreichen. Am ersten Tag komme ich in 13 Stunden 35 Seemeilen weit und mache ziemlich müde an einer Art Stahlgerüst mitten im Strom fest. Beim dritten Versuch gelingt das Anlegemanöver ohne Kratzer. Leinen fest für eine Mütze schlaf, während draußen die Gewitter toben.
Am nächsten Tag ein paar Meilen weiter nach Cruas. Ein richtiger Hafen. Und auch noch der bisher beste, seit ich Port Medoc verlassen habe. Der Hafenmeister ist zwar anfangs ein wenig streng und spricht kein Wort Englisch, dafür ist hier aber alles in einem absoluten Top Zustand zum fairen Preis. Hier trauen sich nicht mal die Enten, auf den Steg zu kacken.

Ich bezahle zunächst nur für zwei Tage und will den nächsten Mistral abwarten. Als der Mistral dann wieder nachlässt kommt das Wasser. Also, noch mehr Wasser.
Mit Eos hätte ich, auch wenn ich wollte, keine Chance bei so einer starken Strömung den Hafen sicher zu verlassen, denn die kurze Einfahrt liegt auf der Außenseite und bereits bei meiner Ankunft hatte das Wasser hier eine so hohe Geschwindigkeit, dass ich Eos nur mit sehr wenig Überschuss an den Untiefen vorbei dort rein fahren konnte.
Also buche ich eine Woche und warte darauf, dass Sabrina mich in ihrem nächsten Kurzurlaub hier besuchen kommt.
Bis dahin repariere ich ein paar Kleinigkeiten an Eos und verbringe die Tage oft an Bord bei meinen neuen Bootsnachbarn Peter & Dagmar.
Die beiden sind mit ihrer Motoryacht hier, kommen gerade aus dem Mittelmeer und warten ebenfalls auf besseres Wetter. Ich habe sie bereits im letzten Hafen kennengelernt. Sie sind auch auf dem Heimweg, müssen allerdings noch etwas weiter nach Norden als ich. Helgoland ist der Heimathafen von Pedas Dream, so heißt das Schiff.

Neben Pedas Dream wirkt Eos doch etwas winzig.

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Vom Meer und mehr

FILE8457 im SalzwasserAm 5. Mai, früh morgens, musste ich mich wieder von Sabrina verabschieden. Sie hat sich mit dem Auto auf den langen Heimweg gemacht und ich habe die Erdnägel wieder gezogen und die Leinen gelöst. Weggekommen bin ich trotzdem erst mal nicht. Eos hatte sich in den zwei Tagen mit jeder Miniwelle näher ans Ufer und damit immer weiter mit dem Steuerbordkiel in den schlammigen Grund gearbeitet. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich sie dort raus gezogen hatte. Anschließend bin ich los, in das letzte Teilstück des Canal-du-Midi. Wie es mir dabei ging? Ich war traurig, der Nachrichten der letzten Tage wegen und weil ich Sabrina so gerne dabei gehabt hätte. Wäre diesen Weg viel lieber zu zweit, statt Einhand gefahren.

Genau 10.28 Uhr lag sie hinter mir, die letzte Schleuse in diesem langen Kanal vom Atlantik zum Mittelmeer. Der Canal-des-deux-Mers, der Kanal der zwei Meere, wie ihn die Franzosen auch nennen. Durch 151 Schleusenkammern bin ich dabei mit Eos gefahren. 190 Meter nach oben und 190 Meter wieder runter zum Meer. Jetzt war ich da, bin in den Etang de Thau gefahren, einer 75 Quadratkilometer großen Lagune des Mittelmeers, mitten in einer Regatta. Fünf Windstärken gegenan und Sonnenschein. Eines der Begleitboote der Regatta kam zu mir und ich wurde informiert welche Route gesegelt wird und welcher Kurs für mich optimal ist.
Danach war Entspannung angesagt. Zwei Stunden unter Autopilot im Cockpit liegen. Salzige Gischt ins Gesicht, Wind um die Nase und Wellengang fast wie auf dem Ententeich. So gut wie nichts, absolut nichts. Hätte man hoch am Wind auch sehr schön segeln können.
Segeln…
Das war es was mir durch den Kopf ging. Mast stellen im nächsten Hafen und mal für ein Jahr in dieses Meer abbiegen…
Sabrina und ich haben in der Vergangenheit oft darüber nachgedacht. Es gibt viel zu entdecken, hier könnte man leicht einige Jahre verbringen. Würde dann auf Jahresurlaub an Bord hinaus laufen, teuren Jahresurlaub an Bord. Ne, das ist es nicht, was uns vor Augen schwebt, so verlockend es auch ist.
Ich erfreue mich an dem Gedanken, dass Eos jetzt immerhin hier war. Für zwei Stunden ihre Kiele durchs Mittelmeer gezogen hat. Ich bin zufrieden damit und als ich an Sète vorbei fahre und in den nächsten Kanal einbiege, hänge ich mit meinen Gedanken bereits in der Rhône.
Die Leinen mache ich an diesem Tag in Frontignan fest. Ein kostenloser, hübscher Stadtanleger. Für Strom und Wasser muss man einen kleinen Obolus an einem Automaten entrichten.

Am nächsten Tag fahre ich früh los, muss um kurz nach 8 Uhr durch eine Hubbrücke, die nur zwei mal täglich geöffnet wird und quäle mich den Rest des Tages mal wieder durch Dauerregen den Kanal entlang.
Der Canal du Rhône à Sète ist meine Verbindung vom Mittelmeer zur Kleinen Rhône. In weiten Teilen ist er langweilig, was das Fahren angeht, sehr gerade und uninteressant. Die Landschaft neben der Strecke hat allerdings ihren Reiz.
Die Flamingos in den Salzseen, die man an manchen Stellen zu Gesicht bekommt, faszinieren mich und ich habe das Glück, zwei frei lebenden Camargue-Pferden zu begegnen. Sie stehen direkt am Ufer und schauen Eos hinterher.
Am Abend mache ich wieder an meinen Erdnägeln fest. Der nächste ordentliche Hafen ist mir zu teuer, zumal der Wetterbericht drei Tage mit schlechten Bedingungen für den Start in die Rhône voraussagt. Also bleibe ich mitten in der menschenleeren Carmague im Grünen liegen, mache bewusst weit vor der nächsten Stadt fest. Hier bin ich allein, habe meine Ruhe, kann ein paar Dinge am Boot erledigen und Fotos machen. Mir gelingt zum ersten mal ein guter Schnappschuss von einem Eisvogel.
Leider regnet es in diesen Tagen sehr viel, so das ich die meiste Zeit im Boot bleibe.

Am 12. Mai starte ich wieder den Bukh und lege ab. Es geht in die Rhône nach Norden. Wie es mir dort ergangen ist erzähle ich euch im nächsten Beitrag.

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Videoupdate #24

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