Unwetter, Stillstand und der VNF – Teil 3

Nico und die White Heaven

Foto: Michael Papenburg

Was treibt der VNF eigentlich, wenn Stillstand herrscht? Wer sich das, so wie ich, auch schon mal gefragt hat, bekommt heute eine Teilantwort, wenn auch aus Jugendschutzgründen sehr zurückhaltend und verschachtelt formuliert.
Ich würde diese Geschichte selbst nicht glauben, wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte. Aber ihr müsst nicht denken, dass die Schleusenmeister jetzt, wo Stillstand herrscht, die Zeit nutzen, um mal ein bisschen was an den vergammelten Dingern zu machen!? Die machen an ganz anderen Dingern was ganz anderes!
Als ich mit dem Fahrrad in Sichtweite dieser abgelegenen Schleuse kam, habe ich mich zunächst erschrocken, denn ich dachte im ersten Moment ernsthaft, dass dort in der Ferne ein Unfall passiert ist und sich jemand vor Schmerzen auf der frisch gemähten Wiese wälzt. Als ich näher kam, konnte ich erkennen, dass es zwei Personen waren. Jetzt dachte ich an einen Kampf…
Es war natürlich kein Kampf. Die beiden Turteltäubchen hatten ziemlich viel Spaß.
Ich fand es zunächst eigentlich auch ganz Ok. Hey, ich meine, das ist Frankreich. Es ist Sommer, die Hormone spielen verrückt und die Schleuse war abgelegen.
An dieser Szene gab es nur zwei Kleinigkeiten, die mich ein wenig gestört haben: Die vergammelte Schleuse und sein T-Shirt mit den drei großen Buchstaben!
Falls jetzt der Gedanke an Mittagspause aufkommen sollte: NEIN, die war bereits lange vorbei!

Aber ich will mal froh sein, dass der VNF überhaupt etwas unternimmt, um den Erdrutsch zu beseitigen. Nur Samstags nicht und am Sonntag verständlicherweise nicht und zwischen 12 und 14 Uhr auch nicht und in der zweiten Woche auch am Freitag nicht und wegen der EM nicht so richtig und…
Naja, ich kann ja gut verstehen, dass der eine Mensch, der den Bagger bedient und der andere Mensch, der den Lkw fährt auch mal Pause machen wollen und ein Wochenende zum erholen brauchen, aber mal ehrlich, hier steht seit über zwei Wochen nahezu die gesamte Schifffahrt auf dem Rhein-Rhone-Kanal! Einhundertzwölf Schleusen werden kaum noch bewegt! Die Schiffe liegen bis in die Saone runter nach Macon im Hafen und warten! In Richtung Rhein sieht es nicht besser aus. In den Schleusen verrecken die Karpfen und die Restaurantbesitzer zwischen Rhein und Rhone jammern, weil die Kundschaft fehlt! Es ist Hauptsaison und die Leute haben ihre Boote zum Teil verlassen und sind nach Hause. Stillstand!
Und während alles steht, beschäftigt der VNF einen Baggerfahrer und einen Lkw-Fahrer mit einem der schlimmsten Unglücksfälle des Kanals. Besonders „effektiv“ ist vor allem der eine Lkw. Ihr könnt euch denken was der Bagger in der halben Stunde macht, die der Lkw braucht um den Aushub weg zu fahren und zurück zu sein…
Ich würde am liebsten noch mehr von dem erzählen, was ich im Laufe der Zeit hier mitbekommen habe. Aber manches würde man ohnehin kaum glauben können und an anderem könnte ich mir die Finger verbrennen, so lange ich noch in Frankreich bin.

Deshalb jetzt ein Schwenk zum erfreulichen Teil.

Michael hat es einen Tag nach unseren erfolglosen Versuchen doch geschafft einen Schleusenmeister zur kurzzeitigen Öffnung des Sperrtores in Baume-les-Dames zu bewegen. Ich glaube, er wollte auch den schönen Ort Clerval besuchen…
Jedenfalls bin ich sofort los, als mich die Nachricht erreichte. Habe einen Rucksack mit Proviant und Rettungsweste gepackt und das Faltrad, das ich übrigens erst in Macon in einem Decathlon gekauft hatte, startklar gemacht.
Dann ging es los. Fünfzehn Kilometer bin ich geradelt, um Michael wenigstens die Hälfte der Strecke ein wenig zu unterstützen.
In Clerval habe ich auf ihn gewartet. Als er schließlich dort ankam, musste er „leider“ gleich weiter, denn der Anleger war ja nach wie vor gesperrt. Wie wir später erfahren haben, im übrigen bereits seit vielen Jahren! So lange liegen auch die Fingerstege schon neben dem Gebäude der Feuerwehr und sollen repariert werden, aber das ist eine andere Geschichte.

White Heaven kurz vor Clerval
Jedenfalls bin ich in der Schleuse hinter Clerval an Bord und durfte auf der folgenden Strecke auch mal die White Heaven fahren. War eine schöne Tour und hat sehr viel Spaß gemacht.

White Heaven auf dem Doubs Cockpit-Perspektive

Wir waren am späten Nachmittag in L’Isle-sur-le-Doubs. Eckhard und Annemarie standen da auch schon am Hafen und haben uns begrüßt.
Nachdem die Leinen fest waren, hat es nicht lange gedauert, bis der VNF um die Ecke kam. Die Mitarbeiterin bekam fast Schnappatmung, als sie das Schiff gesehen hat.

Eos und White Heaven in L'Isle-sur-le-Doubs
Dann haben wir uns hier eingerichtet.
Ich bin in den folgenden Tagen mehrmals täglich zur Unfallstelle geradelt, um den Fortschritt zu dokumentieren. Mittlerweile sind die Baggerarbeiten auch abgeschlossen. Die Strecke bleibt trotzdem gesperrt, denn es gibt ein weiteres Problem in Schleuse 19, wie sich vor kurzem herausgestellt hat. Dort wird nun seit heute auch gearbeitet. Wann es weiter geht, ist also immer noch nicht klar. Der VNF macht zwar Angaben zur Öffnung der Passage, hängt aber jedes mal ein „vielleicht“ hinten dran. Deshalb gebe ich diese Schätzungen hier auch nicht wieder. Also abwarten…

Zum Schluß noch eine Panorama-Fotoserie der Räumungsarbeiten an der Unglücksstelle (Jeden Tag ein Foto):

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