Startschwierigkeiten

Wo fang ich an, wo hör ich auf? In allen Einzelheiten wiederzugeben was in den letzten 3 Wochen passiert ist, ist kaum noch möglich. Ich versuche deshalb eine knappe Zusammenfassung.
Zeit zum schreiben hatte ich hier in Kilada bisher noch nicht, denn mit Nomade gab es viel mehr Probleme als erwartet. Ich bin von einer Baustelle zur nächsten gehastet und auf dem Weg dorthin über neue gestolpert. Das war tagelang unglaublich frustrierend, wenn du den ganzen Tag am Schiff arbeitest und abends eine längere To-Do-Liste als am Morgen hast. So ging das zwei Wochen lang. 16 Stunden fürs Schiff, der Rest für Essen und Schlafen. So ungefähr.

Damit ihr eine ungefähre Vorstellung habt, was sich alles als defekt heraus gestellt hat, hier eine (nicht vollständige) Liste. Etwa 90 % dieser Geräte, Systeme oder Bauteile habe ich bereits repariert, erneuert oder gegen etwas anderes ausgetauscht:

Starterbatterie – defekt
Batterie Ankerwinsch – defekt
Ladegerät – defekt
Lichtmaschinenregler – defekt
Verschlussklappe Niedergang – defekt
Klappe Ankerkasten – defekt
Ankerkette – stark verrostet
diverse Beschläge an Deck und Rigg – defekt
Dieselkocher – defekt
Außenborder – defekt
Echolot – defekt
Ruderlagengeber – defekt
Motorabschaltung – defekt
Toilette – defekt
Seeventil Toilette – defekt
Wassertank – verdreckt
Entlüftungsrohr Wassertank – verstopft
Messrohr Wassertank – verkalkt
große Kühlbox – defekt
Dampferlicht – defekt
12V Buchsen Salon – defekt
Seewasserpumpe – undicht
Abgassystem – undicht
Loggeber – undicht
Segelkopf Besan – defekt
diverse Lampen unter Deck – defekt
UKW Antenne – defekt
Tankanzeige Haupttank – defekt

Neben all diesen Problemen und der Bürokratie hatte ich dann noch jede Menge Arbeit mit dem Stahl. Ich habe jede einzelne Roststelle am Unterwasserschiff überarbeitet. Geflext, mit einer Terco-Scheibe bearbeitet und dem Stahl einen 2k Farbaufbau verpasst. Am Ende dann Antifouling drauf. Das ganze hat etwa eine Woche gedauert. War allerdings, im Gegensatz zu den Überraschungen, auch so eingeplant.
Daneben hat Nomade eine ganze Menge neue Elektrik und Elektronik bekommen. Ein ordentliches Seefunkgerät und neue Antennen, einen AIS Transponder (die Positionsseite wird demnächst noch dahingehend überarbeitet), eine neue Solaranlage, viele viele Kleinteile und neue Schrauben an unzähligen Stellen, Bordcomputer usw.

Der Laderaum ist mittlerweile auch gut mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln gefüllt und genug Diesel hat das Schiff auch. Nur der Kocher läuft noch nicht und ein undichter Simmering an der Seewasserpumpe muss noch ausgetauscht werden.
Mit dem Simmering hat mir mein Papa in letzter Minute aus der Patsche geholfen. Diesen Fehler habe ich nämlich erst nach einer langen Testrunde um die nächste Insel bemerkt, als Wasser in der Bilge unter der Maschine stand.
Eine Stunde nachdem ich die Teilenummer hatte und mein Papa den nächsten Volvo Penta Händler in der Nähe unseres Heimatorts ausfindig gemacht hat, lagen zwei Simmeringe in Sabrinas Koffer. Am nächsten Mittag waren sie bereits in Athen, also Sabrina und die Simmeringe. ;-)

Diese Ersatzteile hier zu besorgen, wäre sicherlich kein Spaß geworden. Bereits an einer neuen Ankerkette hat es gehapert. Ich habe nur noch ein 40m Reststück bekommen, für mehr hätte ich beim Händler hier im Ort mindestens bis Ende April warten müssen. Also hat Nomade jetzt 40m neue Kette und dahinter angeschäkelt, 20m des noch guten Teils der alten Kette. Nicht gerade mein Traum, aber besser als nix.

Ihr merkt, es gab viel zu tun, es gibt noch viel zu tun und ich kann euch sagen, es gab Tage, da hatte ich wirklich keine Lust mehr! Ich hab so manches mal geflucht…
Verflucht hab ich Nomade allerdings nie. Uns war ja auch im Vorfeld klar, dass wir uns auf eine Baustelle einlassen und trotz der Schwierigkeiten fühle ich mich pudelwohl an Bord. Seit sie im Wasser ist, noch mehr.
Denn neben all den negativen Überraschungen gab es auch einige positive. Allen voran ist das die Manövrierbarkeit des Schiffs. Ich hatte echt Bammel vor dem Moment als sie ins Wasser kam und ich für alles allein verantwortlich war. Die Festmacher gleichen, im Gegensatz zu denen bei Eos, eher Trossen und die Fender sind hüfthoch. Mal eben gegen den Wind abdrücken ist nicht und wenn man zum ersten Mal den Fuß vom Land aufs Schiff setzt, fühlt sich das wirklich merkwürdig an. Sie bewegt sich nicht. Irgendwie ungewohnt. Liegt einfach da. Nichtmal wenn starke Fallböen durch die Bucht in der wir vor Anker liegen fetzen, legt sie sich auf die Seite oder wackelt.
Was die Steuerung angeht war ich angenehm überrascht. Einhand Ankern ist auch bei Wind kein Problem. Man hat für alles viel mehr Zeit. Jedes Manöver läuft langsamer und ruhiger ab, weil es eben dauert, bis sich 17 Tonnen Stahl in Bewegung setzen. Mir gefällt das bisher und ich bin schon gespannt wie Nomade unter Segeln läuft.
Unter Maschine jedenfalls klappt alles besser als erwartet. Und wo wir schon mal bei der Maschine sind. Auch wenn der Volvo noch an diversen Stellen rumzickt, im Kern scheint er ein solider Geselle zu sein. Springt schneller an als der modernere Diesel in unserem Auto und läuft wunderbar rund und qualmfrei.

Seit Freitag Abend ist nun auch Sabrina an Bord und fühlt sich trotz Baustellen wohl. Sie werkelt bereits an den Segeln, das ist ein Gutes Zeichen, denke ich.

Sabrina testet das Dinghi mit dem reparierten Motor.

Noch ein paar Tage werden wir in dieser wunderschönen Bucht hier werkeln, dann sollte Nomade startklar sein. Auch für Filou ist bereits alles an Bord und sobald Nomade ihre ersten Probetörns bestanden hat, kann er endlich Crewmitglied werden.

Kurz vor dem Kranen. Nomade hängt im 110 Tonnen Lift der Werft.

Die Bucht von Kilada und Nomade.

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