Schönes Wetter in Argostoli

Eigentlich kann ich mich hier überhaupt nicht beschweren. Ich liege in einem gut geschützten Hafen auf Kefalonia. Jeden Tag scheint die Sonne und ich laufe meist nur mit einer Badehose bekleidet herum. Daneben kostet der Liegeplatz für Nomade keinen Cent, ich habe hier meine Ruhe und die Insel ist für mich der schönste Fleck, den ich bisher in Griechenland entdeckt habe.

Man könnte also meinen das alles in bester Ordnung ist. Aber leider komme ich nicht hier weg seit Nomade startklar ist und so langsam nervt das. Denn ich bin ja nicht zum Urlaub machen hier. Ich will weiter nach Westen. Aber genau von dort kommt der Wind. Genau aus der Richtung in die ich segeln möchte.
Jetzt könnte man ja einwerfen: Na dann halt kreuzen!
Ja, darüber denke ich auch jedes mal nach, wenn ich die neuesten Gribfiles lade. Aber es sind 250 Seemeilen bis zum nächsten sinnvollen Hafen. Theoretisch ginge auch noch einer mit 190, aber davon hat mir ein Italiener, der sich gut auskennt, abgeraten. Die Einfahrt ist nur 2,50m tief und versandet ständig.
Ansonsten gibt es an der Stiefelspitze Italiens nix. Entweder segelt man direkt nach Reggio Calabria oder macht einen kurzen Stopp in Taormina oder einem Hafen an der Ostseite von Sizilien. Denn Reggio Calabria liegt bereits weit nördlich in der Strasse von Messina und da muss einiges zusammen passen, damit man sich dort nicht gegen Strom und Wind die Zähne ausbeißt.
Kreuzen würde die Fahrt auf etwa 3 Tage und Nächte ausdehnen. Für so eine lange Zeit ist das Gebiet für einen Einhandtörn allerdings zu stark befahren. An etwas Schlaf wäre im Prinzip nur in der ersten Nacht ohne viel Risiko zu denken, danach ist man schon wieder dicht an den Schifffahrtsrouten, oder kreuzt direkt in diese hinein. Es gibt Fähren, Kreuzfahrtschiffe, Frachtverkehr und eine unbekannte Anzahl überbesetzter Boote die von Süden kommen. Denn alle Schiffe die nicht von Frontex an der Überfahrt von Libyen nach Italien gehindert werden, zählt kaum einer. Aber es gibt sie und man kann sich nicht darauf verlassen, das die Steuermänner die Kollisionsverhütungsregeln kennen. Diese Schiffe werden ja nicht von Seeleuten gesteuert, sondern meistens von Menschen die sich die Überfahrt nicht leisten können. Die halten dann als Hilfsskipper ihren Kopf hin. Die Schlepper sitzen an Land und zählen zufrieden die Scheinchen, während die Flüchtlinge draußen auf maroden Schiffen um ihr Leben bangen.
Eine Kollision ist natürlich trotzdem unwahrscheinlich. Das schwierige wäre die Konfrontation mit einem Flüchtlingsboot in Notlage. Was macht man dann? Klar, Mayday funken und helfen. Aber wie? Mit einer winzigen Rettungsinsel und einem Schlauchboot? Auf so eine Konfrontation kann man sich nicht einmal gedanklich vorbereiten, denke ich. Das ist immer eine Katastrophe für alle Beteiligten, egal wie viele Schiffe dort helfen.

Alles nicht so einfach, auch wenn das Ionische Meer meistens ein sehr ruhiges ist.

Man könnte natürlich auch auf direktem Kurs gegen den Wind motoren um die Zeit auf See zu verringern, komme was wolle! Bei 250 Seemeilen allerdings irgendwie auch nicht wirklich prickelnd. Da würden einige Liter Diesel verfeuert werden.
Bei Flaute würde ich das vielleicht noch in Erwägung ziehen, wenn sonst nichts anderes in Sicht ist.

Oder mit halbem Wind hoch nach Korfu segeln. Da war ich heute morgen aus Frust kurz davor!
Aber was will ich in Korfu? Das wäre ein riesiger Umweg.

Wobei genau das zwei Yachten aus Frankreich so machen. In kleinen Etappen nach Korfu, dort rüber nach Italien und wieder nach Südwesten.
Ich habe trotzdem noch die Hoffnung, das irgendwann etwas anderes als Westwind einsetzt. Ostwind zum Beispiel, oder Nordost, oder Südost, oder Nordwind, oder Südwind, von mir aus sogar Flaute. Fast alles ist hier willkommen, solange es kein Sturm oder Westwind ist!
Dann könnte ich die Franzosen kurz vor Messina vielleicht noch abfangen, aber die Wartezeit drückt schon ein wenig aufs Gemüt. Zumal ich der einzige hier bin. Fast alle anderen Boote sind hier abgestellt und werden, wenn überhaupt, nur mal am Wochenende kurz besucht.
Andere Fahrtensegler sind hier auch keine. Die beiden Yachten unter französischer Flagge waren die einzigen, die ebenfalls ins westliche Mittelmeer wollen.
Wenigstens bin ich nicht zum rumsitzen verdammt, denn es gibt noch genug am Schiff zu tun. Und so schleife und lackiere ich hier und da und träume von einem Segeltörn übers Ionische Meer.

Nur heute nicht! Heute werde ich ein Buch lesen, von dem ich bisher noch nichts wusste. Es ist ein Geschenk von Sabrina und ich durfte es heute morgen auspacken.

Es erzählt die Geschichte eines Mannes, der mit einer alten Ketsch irgendwie nicht vorwärts kommt und am Ende trotzdem bis nach Australien segelt.
Das Schiff heißt Tagedieb und der Honigbär auf dem Foto wird Taugenichts genannt. Klingt sehr interessant und passend.

Danke Sabrina! Darüber habe mich wirklich sehr gefreut. :-)

Im nächsten Beitrag erzähle ich euch dann etwas mehr von meiner Trauminsel, Kefalonia.

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