Aller Anfang ist schwer und leicht zugleich

Diesmal nix mit segeln! Ist mir auch ganz recht so, denn Nomade und das Wetter bereiten mir mal wieder Kopfschmerzen. Darüber dann vielleicht im nächsten Beitrag mehr.
Es geht also diesmal um Filou und was in den letzten Wochen so in Wesel und Umgebung passiert ist.

Es gibt viele Gute und einige schlechte Nachrichten. Fangen wir mit den Guten an: Filou hat sich unglaublich schnell eingelebt und an seine neue Umgebung angepasst. Wir waren wieder einmal überrascht, wie schnell er lernt.
Da Sabrina ja bereits zwei Tage nach der Ankunft in Wesel wieder arbeiten musste, blieb auch nicht viel Zeit. Er musste also bereits kurz nach der anstrengenden Reise eine ganze Weile allein in unserer Wohnung bleiben. Das kannte er zwar bereits von Yanna, die ihn in Griechenland für uns eine Zeit lang gepflegt hat, aber hier war er jetzt ganz allein. Keine anderen Hunde mehr um ihn herum, was er schließlich von klein auf gewohnt war.
Natürlich war er nicht die vollen 8 Stunden allein, während Sabrina auf der Arbeit war, denn mein Vater geht seitdem jeden Mittag eine große Runde mit ihm und schaut nach dem Rechten. Das hilft uns jetzt, wo ich nicht da bin, sehr.
Ansonsten trägt Filous Rhythmus dazu bei, dass es überhaupt keine Schwierigkeiten gibt. Er ist schließlich Grieche! Nach dem Frühstück und der großen Runde mit Sabrina, verschläft er fast den ganzen Tag und wird erst abends wieder richtig munter. Das zeigen die Aufnahmen der Kamera, mit der Sabrina ihn in den ersten Tagen überwacht hat, um auf eventuelle Probleme reagieren zu können.
Sein Schlafrhythmus ist uns ja bereits in Athen im Bordalltag aufgefallen. Dort ist er immer am frühen Vormittag in sein Bett in der Achterkabine gekrabbelt und hat Siesta gemacht. Fast den ganzen Tag.

Filou zu Besuch auf Camino.

Mit dem Hund meiner Eltern versteht er sich prima. Sorge hatten wir da zunächst auch nicht wegen Filou, der kommt geprägt durch seine Sozialisation auf der Strasse sowieso mit jedem Hund aus, wir wussten allerdings nicht, wie Benno reagiert, wenn ein anderer Hund in sein Revier eindringt. Aber auch das verlief völlig unspektakulär. Benno hat sich über Filou gefreut wie ein kleines Kind, das etwas zum Geburstag bekommt. Man musste am Anfang eher aufpassen, dass er Filou nicht mit spielen überfordert, denn Benno ist ein ziemlich aufgeweckter Lagotto Romagnolo.

Und draussen? Da gab es für Filou viel zu entdecken. Saftiges, kühles Gras kannte er bisher so noch nicht. Dichter Wald war auch völlig neu für ihn und der Umgang mit den vielen Hunden an der Leine war ebenfalls etwas kaum bekanntes. Er war schließlich Streuner. Ein Freigeist und Mitglied in einem großen Rudel. Aber auch solche Begegnungen verliefen harmonisch.
Immer wieder waren Leute von seiner entspannten Art angetan und ich musste an einen wunderbaren Hund denken, den wir vor einiger Zeit in Royan kennengelernt haben.

Die Eingewöhnung in den Alltag war also unglaublich leicht. Auch der erste Besuch bei unserer Tierärztin war unspektakulär. Nur Filous Gesundheitszustand hat uns noch Kopfzerbrechen bereitet. Denn trotz bestem Futter wollte er nicht zunehmen. Im Gegenteil, er hat wieder Gewicht verloren und musste sich so manches mal übergeben.
Wir hatten uns ja bereits gefragt, warum er in der Zeit bei Yanna, trotz guter Versorgung, kaum zugenommen hat. Aber sein gesamter Verdauungsapparat hat sich von der Zeit als Streuner einfach noch nicht vollständig erholt. Er bekommt nun Medikamente und Sabrina hat Kiloweise Möhrensuppe für ihn gekocht, um unterstützend seinen Magen und Darm wieder in Ordnung zu bringen. Gestern dann der erste Erfolg, nachdem er eine Woche lang sehr gut gefressen und sich nicht mehr übergeben hat. Filou hat 100 Gramm in einer Woche zugelegt. Leergewicht nun: 21,4kg

Darauf steht Filou total.

Erst jetzt im Nachhinein merkt man, wie knapp das für ihn im Winter in Kilada ausgegangen ist. Ich möchte nicht wissen, was er sich da so manches mal aus den Mülltonnen raus geholt und in den Magen gestopft hat, um irgendwie den Hunger zu lindern und über die kalten Winternächte zu kommen.
Denn bereits Yanna und die Tierärztin in Kapandriti haben ja seit Ende Januar viel an seinem Gesundheitszustand gearbeitet, aber erst jetzt, im Juni sehen wir so langsam das Licht am Ende des Tunnels. Nun hoffen wir, dass er kontinuierlich zulegt und kräftiger wird, denn eine weitere Baustelle muss noch angegangen werden.
Sabrina war vor ein paar Tagen mit ihm bei einer Zahnärztin für Tiere, denn bei genauem hinsehen ist ihr aufgefallen, dass im Oberkiefer ein Zahn abgebrochen, sowie am Fangzahn im Unterkiefer großflächig der Zahnschmelz abgesplittert ist. Vermutlich hat er da mal beim Müll durchstöbern auf etwas extrem hartes gebissen.
Der Zahn im Oberkiefer ist leider nicht mehr zu retten, denn die Bruchstelle sitzt zu tief, um das mit einer Krone sicher wieder aufzubauen. Würde man den Zahn nicht ziehen, bekäme er dort früher oder später Zahnschmerzen. Also muss dieser Zahn leider entfernt werden. Es wird ihn zumindest nicht behindern.
Der Fangzahn kann zum Glück wieder repariert werden. Dort trägt Sabrina in den nächsten 4 Wochen zweimal täglich ein spezielles Gel auf, um den Schmelz zu stabilisieren und danach wird dort, so wie man es auch beim Menschen macht, mit einer Schicht aus Kunststoff verblendet.
Da man die OP an den beiden Zähnen allerdings nur unter Vollnarkose machen kann, werden wir noch einige Zeit warten müssen. Denn die Zahnärztin hält einen solchen Eingriff in seinem jetzigen Zustand für viel zu riskant. Er muss erst wieder richtig kräftig sein.

Hier sieht man den abgesplitterten Zahnschmelz und den abgebrochenen Zahn im Oberkiefer.

Dann gibt es noch etwas interessantes zu Filous geschätztem Alter zu berichten. Laut seinem Pass ist er jetzt etwa 13 Monate alt. So hat ihn die Ärztin in Kapandriti geschätzt. Auch unsere Ärztin hat ihn auf ebendieses Alter anhand der Entwicklung seiner Zähne geschätzt. Sie meinte sogar, eher etwas jünger.
Alles Paletti, sollte man nun meinen, aber weit gefehlt. Denn ich kenne jemanden, der hat ihn bereits 2016 im Januar schon in Kilada gesehen. Wäre Filou jetzt 13 Monate alt, dann würde das absolut nicht zusammen passen. Im Januar wirkte er auch auf mich sichtbar älter als ein Hund von etwa 7 Monaten.
Wir können uns das nur so erklären, dass er bedingt durch das schlechte Futter aus den Mülltonnen, eine so langsame Entwicklung durch gemacht hat, dass sein Gebiss dem eines Hundes im Alter von etwa 13 Monaten entspricht, er aber bereits älter ist. Der wahrscheinlichste Geburtszeitraum für ihn müsste daher der Sommer 2015 sein.
Und deshalb haben wir uns nun darauf geeinigt, dass Filous Geburtstag der 1. August 2015 ist und an dem Tag gefeiert wird.

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