Vom Meer und mehr

FILE8457 im SalzwasserAm 7. Mai, früh morgens, musste ich mich wieder von Sabrina verabschieden. Sie hat sich mit dem Auto auf den langen Heimweg gemacht und ich habe die Erdnägel wieder gezogen und die Leinen gelöst. Weggekommen bin ich trotzdem erst mal nicht. Eos hatte sich in den zwei Tagen mit jeder Miniwelle näher ans Ufer und damit immer weiter mit dem Steuerbordkiel in den schlammigen Grund gearbeitet. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich sie dort raus gezogen hatte. Anschließend bin ich los, in das letzte Teilstück des Canal-du-Midi. Wie es mir dabei ging? Ich war traurig, der Nachrichten der letzten Tage wegen und weil ich Sabrina so gerne dabei gehabt hätte. Wäre diesen Weg viel lieber zu zweit, statt Einhand gefahren.

Genau 10.28 Uhr lag sie hinter mir, die letzte Schleuse in diesem langen Kanal vom Atlantik zum Mittelmeer. Der Canal-des-deux-Mers, der Kanal der zwei Meere, wie ihn die Franzosen auch nennen. Durch 151 Schleusenkammern bin ich dabei mit Eos gefahren. 190 Meter nach oben und 190 Meter wieder runter zum Meer. Jetzt war ich da, bin in den Etang de Thau gefahren, einer 75 Quadratkilometer großen Lagune des Mittelmeers, mitten in einer Regatta. Fünf Windstärken gegenan und Sonnenschein. Eines der Begleitboote der Regatta kam zu mir und ich wurde informiert welche Route gesegelt wird und welcher Kurs für mich optimal ist.
Danach war Entspannung angesagt. Zwei Stunden unter Autopilot im Cockpit liegen. Salzige Gischt ins Gesicht, Wind um die Nase und Wellengang fast wie auf dem Ententeich. So gut wie nichts, absolut nichts. Hätte man hoch am Wind auch sehr schön segeln können.
Segeln…
Das war es was mir durch den Kopf ging. Mast stellen im nächsten Hafen und mal für ein Jahr in dieses Meer abbiegen…
Sabrina und ich haben in der Vergangenheit oft darüber nachgedacht. Es gibt viel zu entdecken, hier könnte man leicht einige Jahre verbringen. Würde dann auf Jahresurlaub an Bord hinaus laufen, teuren Jahresurlaub an Bord. Ne, das ist es nicht, was uns vor Augen schwebt, so verlockend es auch ist.
Ich erfreue mich an dem Gedanken, dass Eos jetzt immerhin hier war. Für zwei Stunden ihre Kiele durchs Mittelmeer gezogen hat. Ich bin zufrieden damit und als ich an Sète vorbei fahre und in den nächsten Kanal einbiege, hänge ich mit meinen Gedanken bereits in der Rhône.
Die Leinen mache ich an diesem Tag in Frontignan fest. Ein kostenloser, hübscher Stadtanleger. Für Strom und Wasser muss man einen kleinen Obolus an einem Automaten entrichten.

Am nächsten Tag fahre ich früh los, muss um kurz nach 8 Uhr durch eine Hubbrücke, die nur zwei mal täglich geöffnet wird und quäle mich den Rest des Tages mal wieder durch Dauerregen den Kanal entlang.
Der Canal du Rhône à Sète ist meine Verbindung vom Mittelmeer zur Kleinen Rhône. In weiten Teilen ist er langweilig, was das Fahren angeht, sehr gerade und uninteressant. Die Landschaft neben der Strecke hat allerdings ihren Reiz.
Die Flamingos in den Salzseen, die man an manchen Stellen zu Gesicht bekommt, faszinieren mich und ich habe das Glück, zwei frei lebenden Camargue-Pferden zu begegnen. Sie stehen direkt am Ufer und schauen Eos hinterher.
Am Abend mache ich wieder an meinen Erdnägeln fest. Der nächste ordentliche Hafen ist mir zu teuer, zumal der Wetterbericht drei Tage mit schlechten Bedingungen für den Start in die Rhône voraussagt. Also bleibe ich mitten in der menschenleeren Carmague im Grünen liegen, mache bewusst weit vor der nächsten Stadt fest. Hier bin ich allein, habe meine Ruhe, kann ein paar Dinge am Boot erledigen und Fotos machen. Mir gelingt zum ersten mal ein guter Schnappschuss von einem Eisvogel.
Leider regnet es in diesen Tagen sehr viel, so das ich die meiste Zeit im Boot bleibe.

Am 12. Mai starte ich wieder den Bukh und lege ab. Es geht in die Rhône nach Norden. Wie es mir dort ergangen ist erzähle ich euch im nächsten Beitrag.

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