Eine Odyssee

Wie lange hat Odysseus nochmal gebraucht, bis er mit seinem Schiff wieder zu Hause war? Ich will lieber gar nicht weiter darüber nachdenken, während ich gerade auf einer kleinen Insel im Golf von Korinth mit „Rücken“ irgendwie auf halb Acht im Vorschiff hänge und diesen Beitrag tippe. Aber der Reihe nach…

Vor ein paar Tagen war ich noch in Argostoli. Hab eins nach dem anderen repariert und wenig neue Baustellen gefunden. Es lief wirklich gut. Kurz nach meiner Rückkehr an Bord kam in Argostoli dann ein weiteres Schiff unter deutscher Flagge an. Direkt neben Nomade hat die SY Odyssey von Harald & Rita einen der letzten guten Plätze bekommen. Mit an Bord, ihr belgischer Schäferhund Fly. Mit Harald hatte ich bereits vor langer Zeit mal Kontakt per Mail. Ich hab immer mal wieder seinen Blog (Segel-Auszeit.de) verfolgt. Das Treffen hier war wirklich Klasse. Es folgten gute Tage und schöne Abende. Auch mit Fly habe ich mich angefreundet, was gar nicht so selbstverständlich ist. Denn Fly ist ein wirklich guter Wachhund, der nicht jeden an Bord lässt. Den Leckerlis, die ich noch von Filou an Bord hatte, konnte Fly aber nicht widerstehen. Und so wurden wir schnell Freunde.
Nachdem wir gemeinsam ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet mit viel Wind in Argostoli im Hafen abgewettert hatten, ging es für Nomade und mich endlich weiter. Nicht nach Westen, diese Entscheidung stand schon lange fest. Ich will euch nicht mit dem Für und Wider langweilen, aber kurz gesagt, ist unser Budget durch die vielen Reparaturen so stark geschrumpft, dass uns ein Festhängen in Italien oder Sizilien durch weitere Reparaturen ganz schnell das finanzielle Genick brechen könnte.

Also auf nach Osten und das Schiff Stück für Stück verbessern. Wohin es genau geht, da gibt es Ideen und vage Pläne in unseren Köpfen. Aber ich werde mich ganz bewusst nicht weiter darüber auslassen. Zuviel kann dazwischen kommen, habt ihr ja schon oft genug mitbekommen. Wir hatten dabei allerdings hauptsächlich an technische Probleme gedacht.
Die erste Etappe, von Argostoli in eine Bucht im Süden von Kefalonia, lief dagegen gut. Zwar hatte ich wieder etwas Wasser in der Bilge, aber es sieht momentan so aus, als ob da nur ein klein wenig durch die Wellendichtung kommt. Die Nacht vor Anker war leider ziemlich ungemütlich. Es stand noch sehr viel Schwell aus dem Ionischen Meer in der, nach Süden offenen, Bucht und dieser hat Nomade heftig schaukeln lassen. Also bin ich bereits sehr früh am nächsten morgen, noch im Dunkeln, weiter.
Weiter nach Mesolongi, der Partystadt, wo bis 2 Uhr nachts der Vortag mit quietschenden Reifen und offenen Auspuffanlagen direkt neben dem Stadtanleger gefeiert wird. Auf dem Weg dorthin konnte ich längere Zeit ganz gut segeln, oder besser gesagt, motorsegeln. Denn durch den starken Bewuchs am Rumpf war Nomade spürbar langsamer.
Am nächsten morgen, wieder ganz früh weiter nach Trizonia. Auch dieser Törn lief bestens. Ab der Brücke von Patras hatte ich ordentlich Wind von achtern, später bis 6 Bft. Ließ sich wunderbar segeln und hat soviel Spaß gemacht, dass ich euphorisch wie verrückt an den Schoten gezogen habe. Bis zu 7 Knoten Fahrt, mit Miniriff am Rumpf. Nicht schlecht, wie ich finde.
In Trizonia dann Leinen fest, Wasser in Kanistern holen, ausruhen. Am Abend dann der erste Dämpfer: Irgendwas stimmt mit meinem Rücken nicht. Ein ziepen und stechen im Bereich der Lendenwirbel. Da habe ich es allerdings noch nicht so Ernst genommen. Am nächsten Morgen kam der erste richtige Hammer. Unmittelbar nach dem aufstehen, bin ich bis auf die Knie zusammen gesackt. Ein ziemlicher Schreck. Ein Gefühl, wie wenn du über Nacht 50 Jahre gealtert bist. Im Laufe des Tages hat der Schmerz dann wieder nachgelassen. Ich hab meine alten Rückenübungen gemacht, bewusst darauf geachtet, wie ich mich bewege. Auch ins Wasser bin ich, um den Rumpf und die Schraube abzukratzen. Das ging alles.
Heute morgen ging dann nichts mehr! Mittlerweile bereitet Nase putzen Rückenschmerzen und obwohl ich eigentlich ein Medikamentenmuffel bin, habe ich mir Ibuprofen eingeworfen. Geholfen hat es leider bisher nicht.
Ich bin gerade richtig wütend deswegen. Vor nicht allzu langer Zeit waren Sabrina und ich sogar mal kurz davor, Nomade wieder zu verkaufen! Jetzt läuft es technisch endlich einigermaßen, ich bin hoch motiviert und dann so ein Mist!

Aber gut, was solls. Mehr als ein paar Übungen machen, schonen und Schmerzmitel nehmen, kann ich jetzt nicht machen. Ich hoffe, dass es „nur“ ein eingeklemmter Nerv durch eine Blockade ist und kein Bandscheibenvorfall. Den hatte ich nämlich vor vielen Jahren bereits…

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