Weiter nach Westen

IMG_4526 Sabrina NicoGerade mal 125 Seemeilen bzw. 233 Kilometer liegen hinter uns, aber langweilig waren die wirklich nicht.
Das Gewitter in der Nacht zu Dienstag haben wir gut überstanden, aber es hat ordentlich geheult im Rigg.
Am nächsten Morgen sind wir gegen 8 Uhr losgefahren. Wir wollten es bis Hellevoetsluis schaffen. Da uns aber auf der ursprünglichen Route zwei Brücken im Weg waren und wir absolut keine Lust hatten, dafür den Mast zu legen, sind wir die Nieuwe Merwede wieder gegen den Strom nach Osten gefahren. Die geplante Route sollte uns im Anschluss über die Boven Merwede, Oude Maas und das Spui in den Haringvliet führen.
Am Anfang lief auch alles wie geplant. Bei einem Gegenstrom von 0,5 Knoten kamen wir gut voran. Auch das Wetter war herrlich, mit etwa 3 Beaufort Wind von achtern. Wir haben gerade die schöne Stimmung genossen, als dieses uns ständig begleitende Brummen vom Bukh ein Ende hatte. In so einem Moment wird einem wirklich schlecht. Vor allem geht das nicht so plötzlich wie bei einem Auto, wenn es ausgeht. Der Bukh stirbt langsam. Durch die hohe Schwungmasse fängt er mit kurzen Aussetzern an, schüttelt sich, geht mit der Drehzahl runter, fängt sich wieder, dreht kurz ganz normal, schüttelt sich wieder, geht weiter mit der Drehzahl runter und ist irgendwann aus. Das hat in dem Moment erstmal was endgültiges und ein Neustart hat in der Regel keinen Erfolg. Wenn er abstirbt bringt es meistens auch nichts, noch mehr Gas zu geben. Ich habe das Gegenteil getan, hab den Gashebel zurückgenommen, in der Hoffnung, dass er dann noch genug Diesel bekommt um wenigstens eine niedrige Drehzahl zu halten, aber das hat nicht funktioniert. Als er stillstand, haben wir die Restfahrt, die noch im Schiff war, dazu genutzt aus dem Fahrwasser der Berufsschifffahrt zu kommen. Anschließend haben wir zügig die Genua gesetzt und Sabrina hat Eos damit die Nieuwe Merwede bergauf gesegelt, während ich die Werkstatt ausgebreitet und den Bukh repariert habe.
Irgendwann war dann klar, dass die Kraftstoffförderpumpe nicht genug Durchsatz bringt und unser Bootsdiesel einfach nicht ausreichend Brennstoff bekommt. Ein Wechsel des Dieselfilters hat nichts gebracht, den halbvollen Tank bis zur Oberkante aufzufüllen hingegen schon. Danach war sogar wieder Überschuß vorhanden und unser Motörchen brummte wieder. Es ging wieder mit 2.400 Umdrehungen auf die Boven Merwede zu. Wir fahren seitdem quasi mit „Schwerkraftpumpe“.

Nach dem einbiegen in die Boven Merwede bekamen wir den Wind, der noch etwas zugenommen hatte, genau auf die Nase. Eigentlich nicht schlimm, aber wir hatten zwei Brücken vor uns, unter denen wir nicht viel Luft hatten und Wind gegen ablaufendes Wasser hat zusammen mit den Bugwellen der Binnenschiffe immer mal wieder für kurze knackige Wellen gesorgt. Bei der ersten Ansteuerung haben wir beigedreht, weil sich unter der Brücke eine deutliche Welle aufgebaut hatte. Beim zweiten Versuch sah zuerst alles relativ ruhig aus, aber genau unter der Brücke hat uns doch noch eine einzelne kurze, steile Welle etwas zu weit nach oben geworfen. „Knack“… Da waren die obersten 20cm unserer Antenne umgeknickt. Was haben wir geflucht in dem Moment.
Die zweite Brücke war dann kein Problem mehr.

Vor der Hebebrücke in Zwijndrecht mussten wir dann eine gute Stunde bis zur Öffnung warten. Aber dort gibt es schöne kleine Bootsanleger zum Pause machen.
Die folgenden Etappen über Oude Maas und Spui waren geprägt von Dauerregen. Auf der Oude Maas kam noch sehr viel Berufsschifffahrt dazu. Im Spui wurde es zum Ende hin dann langsam trockener und der Haringvliet hat uns mit sehr schönem Wetter und leichtem Wind auf die Nase empfangen.

20.39 Uhr: Leinen fest in Hellevoetsluis.

Zwischenzeitlich hatten wir einen richtigen Tiefpunkt erreicht, aber das hat sich mittlerweile wieder gelegt. Hier ist es so schön, da vergisst man schnell die Probleme, die hinter einem liegen.
Wir haben hier einen tollen Liegeplatz im Innenhafen, hinter einer Schwenkbrücke. Wasser, Strom (brauchen wir nicht), warme Dusche und Internet per WLAN sind inklusive und unlimitiert. Die Versorgungsmöglichkeiten sind sehr gut.
Hier gefällt es uns und hier werden wir erstmal ein paar Tage bleiben, Eos in Schuß bringen und auf ein gutes Wetterfenster für die Nordsee warten.

Ich brauche übrigens eine Kraftstoffförderpumpe von Sofabex, Typ 3410. Wenn irgendjemand noch so etwas hat, oder weiß, wo ich eine bekommen kann, bitte melden. Habe auch schon ein paar Anfragen an Bukh-Händler verschickt.

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